Moped Thieves of London

2017 wurden in London über 50.000 zum Teil schwerste Straftaten verübt, bei denen gestohlene Roller und Mopeds zum Einsatz kamen. Die Fahrzeuge werden hauptsächlich in den äußeren Bezirken gestohlen, um damit in der Innenstadt weitere Straftaten zu begehen. Pro Monat mindestens 1.500 geraubte Fahrzeuge. Über 13.000 im Jahr. In nur einer einzigen Stadt.

London Moped Thieves – Fakten & Zahlen

Was sind Moped Thieves?

Organisierte, meist jugendliche Banden, die auf gestohlenen Mopeds, Scootern oder Motorrädern durch London operieren. Sie agieren in Gruppen von zwei bis fünf Personen, tragen Vollvisierhelme zur Tarnung und sind auf schnelle, koordinierte Überfälle spezialisiert.

Was tun sie?

Typische Delikte sind Handtaschen- und Smartphone-Raub im Vorbeifahren (sogenannte „Snatch-and-Grab“-Überfälle), der Diebstahl hochwertiger Uhren, das Aufbrechen von Geschäften durch Einrammen mit dem Fahrzeug, sowie in besonders brutalen Fällen – vor allem 2017 – gezielte Säureangriffe (Acid Attacks) auf andere Mopedfahrer, um deren Fahrzeuge zu stehlen.

Seit wann?

Ab 2014 kam es zu einem massiven Anstieg dieser Kriminalitätsform in London. Die Zahl der erfassten Vorfälle stieg von 365 im Jahr 2011 auf über 23.000 im Jahr 2017.

Warum explodierte das Phänomen so?

Begünstigende Faktoren waren die weite Verbreitung billiger Mopeds in der Gig-Economy, die relative Leichtigkeit, mit der Scooter gestohlen werden konnten, sowie ein wachsender Schwarzmarkt für gestohlene Mobiltelefone. Hinzu kam, dass Mopeds polizeilichen Verfolgungsfahrzeugen leicht entkommen können.

Aktuelle Lage

Durch gezielte Polizeimaßnahmen sank die Zahl bis 2021 auf unter 4.000 Fälle jährlich – ein Rückgang von rund 50 % gegenüber dem Höchststand 2017. Allerdings liegt London im nationalen Vergleich weiterhin an der Spitze: Mit etwa 8,5 Diebstählen pro 1.000 zugelassenen Motorrädern ist Greater London der größte Kriminalitätsschwerpunkt für Zweiradkriminalität in ganz Großbritannien.

Was unternimmt die Polizei?

Die Metropolitan Police betreibt die Operation Venice als dedizierte Einheit gegen Moped-Kriminalität. Trainierte Beamte sind ausdrücklich autorisiert, sogenannten „Tactical Contact“ anzuwenden – das kontrollierte, gezielte Rammen von flüchtenden Täterfahrzeugen. Ergänzend wird DNA-Markierungsspray eingesetzt: Beamte besprühen flüchtende Täter mit einem unsichtbaren, individuell codierten Marker, der forensisch nachweisbar ist.

Die Zahl der Überfälle im Zusammenhang mit gestohlenen Rollern ist in den vergangenen Jahren um 600 % angestiegen. Die meist jugendlichen Täter sind bewaffnet und gehen äußerst brutal vor. Schaufenster werden mit Äxten und Vorschlaghämmern zertrümmert und mit den Rollern aufgebrochen. Am hellichten Tag.

Hemmungslos und extrem mobil

Opfer werden mit Macheten terrorisiert. Gepanzerte Schaufenster und alarmgesicherte Türen stellen keinerlei Hindernisse für die Täter dar. Genauso wenig lassen sie sich durch Verkehr und Passanten von ihrem Treiben abbringen. Vernebelungsanlagen und automatische Türschließeinrichtungen schrecken sie nicht. Auf den wendigen Rollern sind sie äußerst mobil und im dichten Stadverkehr kaum zu fassen. Wer sich als Passant einmischt, geht ein hohes Risiko ein.

„Wer in Südengland sein Motorrad abstellt, sollte es nie ohne Bremsscheibenschloss mit Alarm tun — egal ob fünf Stunden oder fünf Minuten.“ — Fritze von Kradmelder24

Neben ihren schweren Einbrüchen rauben die Täter arglosen Passanten deren Handies. Die Vorgehensweise ist immer dieselbe: der Vordermann fährt – der Sozius greift. Dazu befahren sie hemmungslos die Bürgersteige. Niemand ist sicher. Wer zu sehr in sein Handy vertieft ist, könnte es im nächsten Augenblick los sein. Im Vorbeifahren pflücken sie ihre Beute wie reife Äpfel vom Baum. Sowohl am hellichten Tage, als auch in der Nacht.

Ihre Fluchtfahrzeuge rauben sie in Wohngebieten. Ketten und Schlösser werden aufgeschnitten mit akkubetriebenen Winkelschleifern. Von Zeugen lassen sie sich nicht beeindrucken. Sie fühlen sich sicher und sind hemmungslos. Wertvolle Motorräder werden geraubt, um sie zu zerlegen und in Einzelteilen zu verkaufen. Was zu gut gesichert ist oder nicht wertvoll genug erscheint, wird wenigstens beschädigt.

Von Streifenwagen der Polizei verfolgt, fühlen sie sich auf der Flucht mit ihren flinken Rollern überlegen. Sogar die Verfolgung aus der Luft scheint sie allenfalls zu belustigen. Die Londoner Polizei schien bisher machtlos beim Versuch, die Verbrecher festzunehmen. Ihr äußerst skrupelloses Fluchtverhalten lässt sie immer wieder entkommen. Gegen wendige Scooter haben Streifenwagen und schwere Motorräder keine Chance. Anhaltesignale ignorieren sie und fahren ihren Verfolgern einfach davon. In aller Ruhe fahren sie ihre Beute ein und gefährden zum Spaß andere Verkehrsteilnehmer.

Das Video zum Thema (auf Youtube).

Was tut die Polizei?

Wie eine Pest breiten sie sich aus, scheinbar völlig ungestört. Wer hält sie auf, während sie mit ihren geraubten Rollern von Tatort zu Tatort fahren und sich selbst von der Menschenmenge eines vollen Wochenmarktes nicht schrecken lassen?

Nicht alle Opfer lassen sich widerstandslos berauben und setzen sich verzweifelt zur Wehr. Man gründet motorisierte Bürgerwehren und verfolgt tapfer die flüchtenden Räuber, doch für die Polizei hat der „Spaß“ jetzt endgültig ein Ende! Wer der Aufforderung zum Anhalten nicht nachkommt, bekommt den „Tactical Contact“ zu spüren.

Durch diese rabiaten Maßnahmen konnte die Anzahl der Straftaten bisher um etwa ein Drittel reduziert werden, sowohl in London als auch in anderen Städten, wie etwa in Manchester.

Und heute?

Die gute Nachricht: Die Fallzahlen sind seit dem Höchststand 2017 um rund 50 % gesunken. Die schlechte: London bleibt mit 8,5 Motorraddiebstählen pro 1.000 zugelassener Maschinen der mit Abstand gefährlichste Standort in ganz Großbritannien – und die Täter verlagern sich zunehmend auf hochwertigere Ziele wie teure Uhren.

Was bedeutet das für Motorradtouristen?

Für alle, die mit dem Motorrad nach London fahren: Seid euch dieser Realität bewusst. Parkt möglichst in bewachten Parkhäusern oder zumindest in belebten, gut beleuchteten Bereichen. Hochwertige Sicherungsmittel – Kettenschloss, Bremsscheibenschloss, Alarm – sind in London keine Paranoia, sondern schlicht notwendig. Und Smartphones am Lenker oder in Seitentaschen sind in der City ein Risiko.

Das soll London nicht schlechtreden – die Stadt ist großartig. Aber Motorradfahren mit Hirn bedeutet eben auch, die Risiken eines Reiseziels zu kennen.

Die Linke zum Gruß,
Euer Fritze von Kradmelder24



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