Der Tote vom Hahntennjoch

Von Elmen aus geht es mit Coco und Rolf Richtung Passhöhe. Die Strecke ist bestens bekannt: Ich war 2012 zum ersten Mal hier, 2017 zum zweiten Mal – und jetzt, zum dritten Mal, fährt auch Spatzl mit. Ihr erster Bergpass auf dem Motorrad überhaupt, nebenbei bemerkt. Aber dazu gleich mehr.

Kaum losgefahren, hört Spatzl auf einmal etwas. „Tatütata!“ Tatsächlich: Hinter der Gruppe nähert sich ein österreichischer Funkstreifenwagen mit einer Tonfolge, die mich an alte Zeiten erinnert. So ähnlich klangen die nämlich in Deutschland auch – bis Ende der sechziger Jahre. Während wir vier brav Platz machen, schiebt sich allerdings auch ein Auto mit in die Kolonne. Und das ist ein Problem.

Denn ein Auto vor mir zu haben auf dem Weg übers Hahntennjoch – das geht gar nicht. Nicht wegen des Tempos, nicht wegen der Kurven, sondern wegen der Filmaufnahmen. Das ruiniert jede Einstellung. Also entweder überholen oder Abstand halten und ziehen lassen. Überholen geht aber nicht, weil Überholverbot. Und Sabrina weiß auch, warum: „Die Kollegen stehen hier.“ Woher sie das weiß? Ein Freund hat es ihr erzählt. Aha. Wer’s glaubt, haha.

Die Frage, ob man ein fast stehendes Auto überholen darf, wird kurzerhand juristisch-philosophisch abgehandelt. Fahrräder muss man ja schließlich auch überholen. „Das kommt jetzt auf die Definition von den Verkehrszeichen an, oder?“ Tja. Willkommen in Österreich.

Kameras, Kameras, Kameras

Bergauf wird die Landschaft immer beeindruckender, und Spatzl hat plötzlich eine Idee: Eine weitere Kamera an ihrer rechten Helmseite wäre doch praktisch. Sie kann den Kopf schließlich anders drehen als ich, und sieht Dinge, die meine Kameras nicht einfangen. Grundsätzlich keine schlechte Idee – nur braucht man dann natürlich noch eine Kamera. Also eine fünfte X3000, um genau zu sein. Und langsam ist der Gebrauchtmarkt leergefegt.

Rolf wirft trocken ein, dass Peter – also ich, der das alles schneiden muss – gerade innerlich hadert, ob er die Idee gutfinden soll oder nicht. Jede zusätzliche Kamera bedeutet ja auch zusätzliches Schnittmaterial. Das kommt ja dann noch dazu.

Dann geht es um 360-Grad-Kameras. Die Insta360 X3 kostet 599 Euro. „Na dann nehmen wir gleich zwei! Komm, pack ein!“ Coco nennt das einen Schnapper, Rolf ruft „Das war die Freigabe!“ und Coco setzt noch einen drauf: „Und wir haben es auf Video.“ Ich überlege daraufhin, ob ich nicht langsam ein Spendenkonto einrichten sollte. Vernünftige Überlegung. Aber für dieses Jahr reicht es erst mal – nächstes Jahr vielleicht eine neue Kamera. Vielleicht.

Wenn Englein reisen

Das Wetter ist an diesem Tag schlicht und ergreifend perfekt. „Wenn Engel reisen“, sagt Rolf, und man kann ihm nicht widersprechen. Die Auffahrt durch das enger werdende Tal, vorbei an Bschlabs, ist ein Gedicht. Und oben auf dem Pass muss natürlich die Pflichtübung absolviert werden: Foto und Aufkleber platzieren. Mein Exemplar von 2017 ist leider verschwunden, weil diese Verbrecher in der Zwischenzeit ein neues Schild hingebaut haben. Also muss ein neuer Bäbber ran.

Fritzes Motovlog MV321: Der Tote vom Hahntennjoch (Video auf Youtube).

Coco ist auf ihrer S1000R natürlich mal wieder Ewigkeiten vor allen anderen oben und wartet demonstrativ. „Echt, immer die Angeberei mit der 1000er! Sie donnert da hoch, und wir schnaufen hinterher, wie das Nashorn in Jumanji.“

Immerhin ist die Stimmung bei der Ankunft auf der Passhöhe prächtig. Spatzl ist begeistert: „Das ist irre, einfach nur irre.“ Und dann sagt sie etwas, das mir das Herz aufgehen lässt: „Na Gottsedank hab ich dich damals gefragt, ob du mich mal mitnehmen willst, vor drei Jahren.“

Rolf verrät, dass er und Coco heute morgen extra nochmal die Folge geschaut haben, in der Spatzl zum ersten Mal mitgefahren ist. Morgens. Zum Frühstück quasi. Kradmelder24-Videos zum Tagesstart. Premium-Abonnenten, sagt ich da, Premium-Abonnenten!

Pommesbude vs. Melkalpe

Oben auf der Passhöhe gibt es eine Wurstbude. Man könnte dort essen. Man könnte aber auch – und das ist Sabrinas Geheimtipp – einen Kilometer weiter zur Melkalpe Maldon fahren. Natürlich Luftlinie gerechnet, wie Coco unschuldig anmerkt. Rolf droht bereits, das zuhause mit Google nachzumessen.

Der Weg dorthin führt über einen Schotterweg, der die Blase auf eine harte Probe stellt. Ich stöhne hörbar bei jedem Schlagloch. Aber es lohnt sich: Die Melkalpe Maldon entpuppt sich als Volltreffer. Abseits der Straße gelegen, tolle Aussicht Richtung Inntal, kleine aber feine Speisekarte, super leckeres Essen – und kein Handy-Empfang. Herrlich.

Die Bestellung fällt entsprechend bodenständig aus: Spatzl nimmt Sauren Graukäs, ich eine Käsknödelsuppe, Sabrina Speckknödel und Rolf – ganz ordinär – Würstl mit Brot. Das Ergebnis: eine ganz klare Empfehlung. Wer am Hahntennjoch einkehren will und auf Pommesbude verzichten kann, der ist hier goldrichtig.

Die Sache mit der St. Barbara

Nach dem Essen geht es die Südrampe hinunter Richtung Imst, und mir fällt auf, dass ich schon zum dritten Mal an einer bestimmten Stelle vorbeigefahren bin, ohne ein Foto zu machen: an einer Figur in der Felswand, von der ich bisher angenommen hatte, es handele sich um die Schutzpatronin der Bergleute.

Rolf hat sie noch gar nicht bemerkt. Coco weiß, wo sie ist, und kündigt sie rechtzeitig an. Und dann steht sie da, die Figur in der Felswand – an einer Stelle, an der man leider schlecht anhalten kann.

Inschrift der Gedenktafel auf der Hahntennjochstraße.

Nur: Es ist gar keine St. Barbara. Wie ich im Nachhinein bei meinen Recherchen herausfand – ich habe dafür bei der Imster Stadtverwaltung angerufen, bei einer lokalen Tageszeitung, einem Museum und ein paar anderen Stellen – handelt es sich um eine Gedenktafel für den Mineur Richard Mark. Er verunglückte 1952 tödlich beim Bau der Hahntennjochstraße, die damals noch Maldonweg hieß.

Und an dieser Stelle wird es im Video still. Nicht im Sinne von schweigend, sondern im Sinne von nachdenklich. Denn wenn man sich vor Augen führt, unter welch heute unvorstellbaren Bedingungen diese und vergleichbare Trassen damals vorangetrieben wurden – teilweise mit bloßen Händen, mit Pickeln, Hacken und Schaufeln – dann ist ein wenig Innehalten, Respekt und Demut durchaus angebracht. Während wir heute auf dem glatten Asphalt vorbeibügeln und uns am kolossalen Bergpanorama erfreuen, hat der Bau dieser Straße Menschenleben gekostet.

Jedem von uns ist diese Gedenktafel schon aufgefallen. Und alle fuhren wir achtlos daran vorbei. Jetzt, wo wir wissen, wessen Namen sie trägt, vielleicht nicht mehr ganz so achtlos.

Die Preußen sind überall

Die nachdenkliche Stimmung hält nicht allzu lange an, denn kurz darauf fällt der Blick auf ein Nummernschild: Hamburg! „Jetzt denkt der sich bestimmt: ‚Hast du das gesehen? Die sind aus Lüneburg!'“ – „Die werden sich auch denken: ‚Da fährt man in die Berge, und wen trifft man?'“ – „Die Preußen, ja! Überall sind sie!“ Der vierte oder fünfte Hamburger schon an diesem Tag. Das ist wie am Gardasee: Man denkt, man ist den Nachbarn endlich los, und dann stehen sie plötzlich neben einem an der Ampel.

Ein Motorradfahrer am Straßenrand tippt auf dem Handy rum, statt die vorbeifahrende Kradmelder24-Kolonne zu filmen. Seine einmalige Gelegenheit für exklusive Bilder – verpasst. Und eine 1300er GS als Erlkönig? Nicht gesehen. Hier oben ist das Entdeckungsrisiko auch viel zu hoch, meint Fritze. Die fahren woanders. Mittlerweile fahren sie ja sowieso schon offen durch die Stadt.

Wobei: So richtig begeistert bin ich von der neuen 1300er GS ohnehin nicht. Das Heck sieht aus wie eine XR, und das riesen Radar-Ding vorne, wo normalerweise ein Scheinwerfer hingehört – naja. Rolf (der XR-Fahrer) findet: dünnes Eis, ganz dünnes Eis! Aber ich bleibe dabei: Eine GS sollte wie eine GS ausschauen und nicht wie eine XR. Denn dafür gibt es ja die XR.

Die Diskussion driftet ab zu Assistenzsystemen am Motorrad, und ob man die braucht. Rolf vergleicht es mit dem Tempomat: Am Anfang lacht man, und dann erkennt man doch den Nutzen. Ich kontere trocken: „Naja, aber auch wenn du das alles hast, Tempomat und Autopilot – zum Schlafen kannst du dich trotzdem nicht hinlegen.“

Hab dich lieb

Hinter Imst, auf dem Weg hinauf Richtung Kühtai – da waren wir beide noch nie – kommt dann noch einer dieser kleinen Momente, die einen Motovlog erst zum Motovlog machen. Spatzl meldet sich über die Sprechanlage: „Hab dich lieb.“ Ich, kurz überrumpelt: „Ja, das ist prima, Spatzl. Das passt gut. Ich dich nämlich auch.“ Und dann, nach einer kurzen Pause: „Stell dir mal vor, wenn das nicht so wäre, und du würdest hinter mir auf dem Motorrad sitzen. Das wäre ein Graus.“

Tja. Motorradfahren mit Hirn – und mit Herz. Seit 2015.

Die Linke zum Gruß,
Euer Fritze von Kradmelder24


Mitwirkende
Fritze
Fritze
Spatzl
Spatzl
Sabrina
Sabrina
Rolf
Rolf

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FAQ zum Thema Motovlog
Was ist ein Motovlog?
Ein Motovlog (kurz für Motorcycle Videoblog) ist ein Videotagebuch, das während einer Motorradfahrt aufgenommen wird. Die Kamera ist dabei meist am Helm oder Motorrad befestigt. Der Fahrer kommentiert das Geschehen live – über Verkehr, Strecke, Erlebnisse oder Technik.
Wer ist der größte deutsche Motovlogger?
Nach reiner Abonnentenzahl führt Moji mit rund 1,3 Millionen Abonnenten, gefolgt von Blackout (Sören, ~800.000) und Kuhlewu (Chris, ~650.000). Diese drei dominieren die deutschsprachige Motovlog-Szene auf YouTube klar. Doch Reichweite und Qualität sind zweierlei. Viele der reichweitenstärksten Kanäle leben von Überholmanövern am Limit, riskanten Schikanen und dem Nervenkitzel knapper Situationen – das zieht Klicks, setzt aber gefährliche Maßstäbe. Kanäle, die Motorradfahren mit Hirn zeigen, moderates Tempo, vorausschauendes Fahren und echte Reiseerlebnisse statt Adrenalinjunkies – wachsen langsamer, weil der Algorithmus nur Eskalation belohnt. KRADMELDER24 gehört bewusst zu dieser leisen Mehrheit: über 400 Folgen seit 2015, kein einziger Stunt, dafür jede Menge Europa, Reisen und Humor.
Was braucht man zum Motovloggen?
Um mit dem Motovloggen zu beginnen, benötigst Du die richtige Ausrüstung und eine klare Vorstellung von Deinen Inhalten. Die Grundausstattung umfasst eine Kamera, eine Halterung und ein Mikrofon im Helm. Plane Deine Aufnahmen, um eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen. Verwende eine Videobearbeitungssoftware, um Clips zu schneiden, Musik hinzuzufügen und den Ton zu optimieren. Veröffentliche Deine Vlogs regelmäßig auf einer Plattform Deiner Wahl, wie z.B. YouTube, und interagiere mit Deiner Community. Überlege, welche Art von Inhalten Du teilen möchtest (z.B. Touren, Reparaturanleitungen, Produkttests) und wen Du damit erreichen willst. Authentizität ist dabei entscheidend.
Wieviel verdient ein Motovlogger?
YouTube-Einnahmen funktionieren über Google AdSense: YouTube schaltet vor oder während eines Videos Werbung und zahlt dem Kanal einen Anteil – aber nur dann, wenn die Werbung tatsächlich angeschaut wird. Wer den Skip-Button drückt oder einen Adblocker nutzt, bringt dem Kanal nichts. Die Kennzahl dafür heißt RPM (Revenue per Mille) – der Verdienst pro 1.000 tatsächlich gesehener Aufrufe. Im Motovlog-Bereich liegt der RPM typischerweise zwischen 1,50 € und 4,00 €. Ein Kanal mit 500.000 Abonnenten erzielt bei einem Video mit 200.000 Aufrufen und einem RPM von 2,50 € rund 500 € pro Video. Bei zwei Videos pro Monat wären das etwa 1.000 € – vor Steuer, vor YouTube-Anteil (30 %), und nur solange die Zuschauer die Werbung nicht wegklicken. Ein Kanal mit 5.000 Abonnenten kommt bei realistischen 2.000 Aufrufen pro Video und demselben RPM auf gerade mal 5 € pro Video. Im Monat also vielleicht 10 € – ein Betrag, der die Serverkosten kaum deckt. KRADMELDER24 hat sich mit rund 6.500 Abonnenten bewusst gegen die Monetarisierung entschieden. Die Werbeeinnahmen wären bei dieser Reichweite so gering, dass sie in keinem Verhältnis dazu stehen würden, die Zuschauer mit Werbeunterbrechungen zu nerven.
Brauche ich eine Genehmigung zum Motovloggen?
In Deutschland ist das Filmen im öffentlichen Straßenverkehr für den Privatgebrauch grundsätzlich erlaubt. Für die Veröffentlichung gelten jedoch das Datenschutzrecht (DSGVO) und das Recht am eigenen Bild – erkennbare Personen oder Kennzeichen sollten unkenntlich gemacht werden. Keine Rechtsberatung! Bei Unsicherheit bitte anwaltlich klären!
Wie fange ich mit dem Motovloggen an?
Einfach anfangen: eine günstige Action-Kamera besorgen, am Helm befestigen und losfahren. Für den Ton empfiehlt sich ein Lavalier-Mikrofon im Helm. Zum Schneiden eignet sich kostenloses Software wie DaVinci Resolve. Wichtiger als perfekte Technik ist ein authentischer, persönlicher Stil.
Muss ich meine YouTube-Einnahmen versteuern?
Ja – als YouTuber in Deutschland bist du grundsätzlich steuerpflichtig, sobald du regelmäßige Einnahmen mit Gewinnerzielungsabsicht erzielst. Der Grundfreibetrag lag 2025 bei ca. 12.096 Euro pro Jahr – das entspricht etwa 1.000 Euro Gewinn im Monat. Nebenberuflich sind Gewinne bis zu 410 Euro pro Jahr steuerfrei. Bei mehr als 820 Euro im Jahr besteht eine Erklärungspflicht. Gewerbesteuer fällt erst ab 24.500 Euro Jahresgewinn an, Umsatzsteuer bei über 22.000 Euro Umsatz im Vorjahr (ohne Kleinunternehmerregelung). Zu den steuerpflichtigen Einnahmen zählen nicht nur AdSense-Werbeeinnahmen, sondern auch Sponsoring, Affiliate-Links, Merch-Verkäufe und der Wert von erhaltenen Gratisprodukten (ab 10 Euro Wert). Dies ist keine Steuerberatung! Bei konkreten Fragen bitte einen Steuerberater hinzuziehen.

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