Roads To Siberia, Tag 63

Freitag, 31. Juli 2015

Heute soll es zum Schamanenfelsen in Chuschir gehen, dem Hauptort der Insel Olchon. Nach dem Frühstück brechen wir auf. Leider entwickelt sich die Hauptverbindungsstraße der Insel zum bisher schlechtesten Stück Straße der ganzen Reise, übles Wellblech, Schlaglöcher und verdammt staubig. Wie schon zuvor in der Mongolei versuchen alle irgendwie abseits der Straße besser voranzukommen. Irgendwie geht das auch, aber trotzdem macht es keinen Spaß. John kommt mit seiner BMW noch am besten mit der Piste zurecht, das ESA-Fahrwerk der Adventure scheint hier wirklich gut zu funktionieren.

Nach einer guten Stunde Rüttelei erreichen wir schließlich Chuschir, einerseits der Hauptort der Insel und Touristenhochburg, andererseits ein staubiges Kaff. Der Felsen entpuppt sich als vielbesuchter Aussichtspunkt, aber leider abgesperrt, so dass sich kein gutes Foto mit den Moppeds schießen lässt.

Nachdem wir uns ausgiebig umgeguckt haben, geht es diese Rüttelpiste zurück. Diesmal versuche ich mit John mitzuhalten und in der Tat, es ist nicht ganz so schlimm mit der Rüttelei, wenn man so um die 70 km/h fährt. Da wir Thom langsam aus den Augen verlieren, halte ich am letzten Berg vor der Fähre an, um auf ihn zu warten. Dabei hält ein russischer Biker neben mir und entpuppt sich als jemand, den wir zwei Tage vorher in Irkutsk getroffen hatten. So klein ist die Welt – sogar in Sibirien!

Sobald Thom in Sicht kommt, fahre ich weiter zur Fähre, wo John uns schon erwartet. Wir haben Glück und dürfen gleich auf die Fähre. Es ist zwar ein bisschen eng, aber wir passen so gerade zwischen die Autos. Auf dem Festland machen wir erst einmal eine Pause, bevor es weiter nach Bayanday zum Tanken geht.

Dort haben wir dann eine etwas verrückte Begegnung mit einer Frau in unserem Alter, die offensichtlich angetrunken ist. Sie spricht uns an mit dem Klassiker „Ad kuda“ (woher kommt ihr?) und als sie erfährt, woher wir sind und was wir vorhaben, drückt sie uns und gibt uns Gottes Segen und den aller möglichen Heiligen mit auf den Weg. Da kann ja nichts mehr schiefgehen bei unserem Vorhaben.

Während wir dann weiterfahren, ziehen immer mehr dunkle Wolken am Himmel auf und bewegen sich in unsere Richtung. Das sieht nach Regen aus, entwickelt sich aber dann zu einem kräftigen Gewitter mit richtig viel Regen. Naja, was solls, im Prinzip sind unsere Klamotten ja wasserdicht. Trotzdem werden wir ziemlich nass, weil sich das Wasser durch den Fahrtwind den Weg unter den Kragen der Jacken bahnt.

Kurz vor unserem Tagesziel Katschug hört der Regen auf und wir geraten in eine Polizeikontrolle. Nichts Ernstes, sie wollen wohl nur wissen, wer hier auf Moppeds in ihrem Bezirk unterwegs ist. So reicht es dem Wachtmeister auch, nur meine Papiere in Augenschein zu nehmen und schickt uns dann weiter. Im Dörfchen selber finden wir dann ein nett aussehendes Hotel mit angeschlossenem Restaurant.

Als wir auf den Parkplatz fahren, stehen die Küchenmädchen kichernd am Fenster und amüsieren sich königlich über die neuen Gäste in ihrem etwas nassen Outfit. Thom checkt die Lage und kommt kopfschüttelnd zurück, weil anscheinend keine der Damen an der Rezeption so richtig mitbekommen hat, was wir wollen, einfach nur ein oder zwei Zimmer und eine Dusche. Glücklicherweise kommt da der Chef vom Restaurant, er spricht etwas Deutsch und damit ist die Lage dann schnell zu klären. Wir bekommen ein Dreibettzimmer mit Dusche.

Schnell einchecken und dann unter die Dusche. Während ich mich abtrockne, höre ich plötzlich Thom schreien. Ich stecke den Kopf aus der Tür und fahre gleich wieder zurück, ein bestialischer Gestank nach totem Fisch, gammeligen Käse und ähnlichem füllt den Raum. Ursache ist John, der gerade seine Stiefel ausgezogen hat. Hölle, Pest und Schwefel, was für ein Gestank! Hmh, später auf der BAM werden wir diesen Geruch nicht nur an Johns Füßen feststellen.

Egal, fertigmachen zum Abendessen ist die Parole, und dann geht es rüber ins Restaurant, wo wir auch mit der Kellnerin Verständigungsprobleme haben. Aber trotzdem bekommen wir was zu Essen und natürlich auch Bier. Anschließend geht’s dann nach einer Zigarette aufs Zimmer und zu Bett, wobei über Johns Socken natürlich noch etwas gefrotzelt wird.

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FAQ zum Thema Reise & Touren
Welches Motorrad fährt Fritze?
Fritze fährt eine BMW R 1200 GS Adventure, Baujahr 2007 – liebevoll „die Dicke" genannt. Mit ihrem 38-Liter-Tank ist sie ideal für lange Touren quer durch Europa. Die Maschine ist seit vielen Jahren sein treuer Begleiter und hat unter anderem Schottland, die Karpaten, die Pyrenäen und Skandinavien gesehen.
Wie plant Kradmelder24 die Touren?
Die Routen werden mit der Kurviger-App geplant und anschließend als GPX-Track aufs Navi übertragen. Autobahnen werden so weit wie möglich vermieden. Die Navigation erfolgte bisher mit Garmin Montana und zumo XT, neuerdings über ein Carpuride 702S Pro, das die Kurviger-Karte vom Smartphone spiegelt. Für die TKM24-Gruppentouren übernimmt eine eigens dafür eingerichtete Regionale Tourberatung im Planungsstab alle dafür erforderlichen Arbeiten und stellt die GPX-Dateien über den Blog zum Download bereit.
Welches Navi benutzt Fritze?
Seit Anfang 2026 ein Carpuride 702S Pro – ein Android-Auto-Display, das die Kurviger-Navigation vom Smartphone spiegelt und in die originale BMW-Naviaufnahme passt. Davor war ein Garmin XT im Einsatz, das wegen hartnäckiger Routing-Probleme und Softwarefehler endgültig ausgemustert wurde.
Was sind die TKM24-Treffen?
TKM24 steht für Team Kradmelder24 und ist das jährliche Community-Treffen der Kradmelder24-Zuschauer. Gemeinsam wird eine mehrtägige Motorradtour gefahren – bisherige Ziele waren unter anderem der Harz, Willebadessen, Oberhof, Aussig und das Ahrtal. Beim TKM26 geht es Mitte Juni 2026 nach Tirol.
Kann man bei Kradmelder24-Touren mitfahren?
Ja! Auf unseren Telegram-Gruppen werden regelmäßig Tagestouren überall in Deutschland organisiert. Beim jährlichen TKM24-Treffen ist jeder willkommen, der für den Slogan "Fahren mit Hirn" etwas übrig hat – die Teilnahme ist kostenlos, nur Unterkunft und Verpflegung zahlt jeder selbst. Infos und Anmeldung gibt es auf der Mitmachen-Seite.
In welchen Ländern war Kradmelder24 schon mit der Kamera unterwegs?
Fritze war mit dem Motorrad unter anderem in Schottland, England, Frankreich, Norwegen, Schweden, Polen, Tschechien, Rumänien, Bulgarien, Österreich, Schweiz, Italien und Spanien unterwegs. Wolle darüber hinaus sogar schon im Kaukasus, in Sibirien, der Mongolei und ganz aktuell Südamerika. Die Videos und Reiseberichte mit Fotos und Routeninfos gibt es alle hier auf dem Blog.