Roads To Siberia, Tag 64

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Samstag, 1. August 2015

Nun wird es wirklich ernst, heute Abend erreichen wir mit Ulkan den Einstieg in die BAM. Aber zuerst wird gefrühstückt und dann fahren wir los, zunächst über 100 km entlang des malerischen Flusstals der Lena, die hier, nur ca. 50 km von ihrer Quelle entfernt, bereits ein veritabler Fluss ist. Die Straße verläuft entlang der Flussbiegungen und des Steilufers, und wir haben einige schöne Fotomotive zur Verfügung. Dazu ein paar kleinere Dörfer, wo wir von den Passanten mit neugierigen Blicken begutachtet werden. Die Straße ist in gutem Zustand, teilweise asphaltiert, und doch sind noch einige matschige Stellen vom gestrigen Regen zu sehen. Gut, dass wir in Katschug gestoppt hatten.

So gegen Mittag erreichen wir Schigalowo, wo wir tanken und zu Mittag essen. Beim Essen können wir noch einen MI-8-Hubschrauber beobachten, der zum Auftanken in der Nähe gelandet ist. Danach verlassen wir den Flusslauf der Lena und folgen der Tutura, bis wir in den Hochwald kommen. Die Tutura ist deutlich kleiner als die Lena, aber das Tal hat durchaus auch seinen Reiz. Dann geht es in den Wald und leicht bergauf. Die Piste wird recht ruppig, ist aber ansonsten gut zu fahren.

Stundenlang geht es ziemlich geradeaus durch den Wald, hin und wieder kommen uns Fahrzeuge entgegen, oder wir überholen Lkw, die auf dieser Piste eher langsam unterwegs sind. Regelmäßig tauchen links und rechts Camps auf, entweder für Holzfäller oder für Ölsucher, was leicht an der GazProm-Fahne zu erkennen ist. In den Camps ist jede Menge schwere Technik zu sehen, aber auch diese speziellen Geländefahrzeuge, die nahezu überall durchkommen. Dann noch die eine oder andere Tanketka (Unterbau wie ein Panzer, oben wie ein Lkw). Einmal kommen wir sogar an einem Bohrturm vorbei. Irgendwie nimmt diese Straße kein Ende, genausowenig wie der Wald. Bisher bin ich noch nie über 200 km durch einen Wald gefahren, in Deutschland bestenfalls mal 20 km, hier ist der Wald endlos. Eben Sibirien und die Taiga.

Und wir werden die nächsten Tage knapp zweitausend Kilometer durch die Taiga fahren. So gesehen ein guter Einstieg. Gegen Abend erreichen wir dann Ulkan, allerdings lässt sich keine Gostiniza finden. Also werden die Zelte auf einer Wiese an einem Fluss aufgeschlagen. Hier machen wir dann auch das erste Mal Bekanntschaft mit den sibirischen Mücken, es sind nicht die großen Mücken, die so ätzend sind. Es sind diese Myriaden kleiner Ungeheuer, die einem den letzten Nerv rauben, überall kriechen sie rein, ob Mund, Nase, Ohren oder Augen. So werden zum ersten Mal die Moskitonetze benutzt und auch Deet kommt hilfreich zur Anwendung. Zum Kochen haben wir keine Lust mehr, aber ein Mac-Kaffee muss dann doch sein. Noch kurz ein bisschen den Tag Revue passieren lassen, über die Mücken schimpfen und dann geht’s ab ins Zelt.

Natürlich ist es ein paar dieser Quälgeister gelungen, sich ins Zelt zu schmuggeln, also wird die Jagdsaison eröffnet. Ein gutes Dutzend dieser Viecher stirbt, und dann kann ich in Ruhe in den Schlafsack kriechen.
So richtig gut schlafen ist nicht, denn unsere Zelte haben wir gefühlt direkt neben der Bahn aufgebaut. Zumindest nach der Lautstärke zu urteilen, mit der die schweren Güterzüge über die nahe gelegene Brücke donnern. Doch wir werden uns noch daran gewöhnen, schließlich verlaufen BAM-Straße und BAM-Eisenbahn meistens recht dicht beieinander.

Wolle

Wolle

Lebt in der Nähe von Hamburg und liebt das ganz große Abenteuer. War auf seiner modifizierten 650er Xchallenge in der Mongolei und Sibirien. Für die etwas gemächlicheren Touren innerhalb Zentraleuropas zieht er jedoch als Lastesel seine zuverlässige 1200er Ténéré vor.