Auf Reisen durch Europa bemerkt man es meist unbewusst: Kaum ist eine Landesgrenze passiert, sehen (nicht nur) die Ortstafeln am Straßenrand anders aus. Ihre Gemeinsamkeit: Alle zeigen einen Ortsnamen. Die Unterschiede: alles andere. Andere Farben, andere Schrift, anderer Rand — manchmal sogar eine andere Form. Was auf den ersten Blick wie ein unwichtiges Detail wirkt, ist in Wirklichkeit das Ergebnis jahrzehntelanger nationaler Normierungen, typographischer Forschung und nicht selten auch politischer Entscheidungen. Jedes Land hat seine eigene Verkehrsschrift, seine eigene Farbgebung und seine eigene Vorstellung davon, wie ein Ortsname am Straßenrand auszusehen hat.

Wer regelmäßig meine Motovlogs schaut, dem sind längst die verschiedenen Ortstafel-Grafiken aufgefallen, die ich seit Jahren für jedes bereiste Land originalgetreu reproduziere und als Einblendung nutze. Was als praktische Notwendigkeit begann (nämlich die Frage: „Wo bin ich gerade?“ in einem einzigen Standbild zu beantworten), wurde schnell zur typographischen Forschungsreise quer durch Europa. Denn wer eine korrekte Ortstafel nachbauen will, braucht mehr als nur einen gelben Hintergrund und schwarze Buchstaben: Er braucht die richtige Schriftart, die richtigen Proportionen, die korrekte Randgestaltung und ein feines Gespür für die Unterschiede zwischen den Ländern. Dieser Beitrag zeigt, was ich dabei herausgefunden habe.
Was alle gemeinsam haben — und wo die Unterschiede beginnen
Die Grundidee ist in ganz Europa dieselbe: Ein Schild am Straßenrand zeigt den Namen des Ortes an, in den man einfährt. Die meisten europäischen Länder beziehen sich dabei auf das Wiener Übereinkommen über Straßenverkehrszeichen von 1968, das einen gewissen Rahmen vorgibt. Allerdings beschränkt sich die Vereinheitlichung im Wesentlichen auf Warn-, Verbots- und Gebotszeichen. Bei den Ortstafeln, der Wegweisung und vor allem bei der Typographie haben die Länder freie Hand — und genau hier wird es spannend.

Die Unterschiede beginnen schon bei der Grundfarbe: Gelb in Deutschland und Slowenien, Weiß in Österreich, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Italien und Großbritannien, Grün in Polen. Dazu kommen verschiedene Randfarben, unterschiedliche Schildformate, länderspezifische Regelungen zur Geschwindigkeit — und natürlich die Schrift, das vielleicht interessanteste Unterscheidungsmerkmal überhaupt. Wer die Verkehrsschriften Europas kennt, erkennt allein an der Typographie eines Ortsschildes, in welchem Land er sich befindet — ohne den Ortsnamen lesen zu müssen.
Ein interessantes Gestaltungselement verdient dabei besondere Aufmerksamkeit: Einige Länder setzen auf ihren Ortstafeln einen stilisierten Ortsumriss — ein Piktogramm mit Häusersilhouette — ein, um die geschlossene Ortschaft auch bildlich zu kennzeichnen. Dänemark, Rumänien und Polen nutzen dieses Element, wobei es in Polen sogar die einzige geschwindigkeitsrelevante Kennzeichnung darstellt. In den meisten anderen Ländern übernimmt dagegen allein die Farbgebung und der Ortsname diese Funktion.
Tafeln im Vergleich

Deutschland: DIN 1451 — die typographische Handschrift der Republik
Die deutsche Ortstafel ist gelb mit schwarzer Schrift und schwarzem Rand, der einen schmalen gelben Kontraststreifen zur Schildkante freilässt. Die Ecken sind seit 1956 abgerundet (Eckenradius 40 mm bei Standardgröße). Die Beschriftung folgt der Schriftfamilie DIN 1451, genauer den Schnitten Fette Engschrift und Fette Mittelschrift. Diese Normschrift geht auf eine Musterzeichnung der preußischen Eisenbahn von 1906 zurück und wurde ab ca. 1924 von einem DIN-Gremium unter Ludwig Goller als Rasterschrift normiert. In der Standardgröße misst die Ortstafel 600 × 900 mm (Hochformat); für zweisprachige Ortstafeln gibt es ein größeres Format von 840 × 1.260 mm. Wer mehr über die DIN 1451, ihr Rasterprinzip und die Unterscheidung zwischen Ortstafel und Ortshinweistafel wissen möchte, findet alles Weitere in meinem ausführlichen Beitrag dazu.

Österreich: Von der Austria-Schrift zu TERN
Österreichische Ortstafeln sehen grundlegend anders aus als deutsche: Sie sind weiß mit schwarzer Schrift und einem blauen Rand. Bis 2010 wurde die landeseigene Schriftart „Austria“ verwendet — eine serifenlose Schrift, die für österreichische Verhältnisse mit ihren langen Ortsnamen und zahlreichen Umlauten optimiert war. Seit 2010 hat Österreich als erstes europäisches Land die EU-Verkehrsschrift TERN (Trans European Road Network) eingeführt. Für besonders lange Ortsnamen musste allerdings sofort eine eigene TERN-Engschrift entwickelt werden — ein Detail, das die Grenzen des „eine Schrift für alle“-Ansatzes eindrücklich illustriert. Eine Besonderheit österreichischer Ortstafeln: Sie heben eine vor der Ortstafel angeordnete Geschwindigkeitsbeschränkung nicht auf. Wer mit angeordneten 70 km/h in einen Ort einfährt, darf dort weiterhin 70 fahren — anders als in Deutschland, wo die Ortstafel alles auf 50 zurücksetzt. Zweisprachige Ortstafeln gibt es in Kärnten (Slowenisch), im Burgenland (Kroatisch und Ungarisch) und in zwei Städten auch mit ungarischer Aufschrift.

Schweiz: ASTRA-Frutiger — Designklassiker auf dem Straßenschild
Die Schweiz geht einen Sonderweg, der typisch schweizerisch ist: pragmatisch, eigenständig und gestalterisch hochwertig. Ortstafeln auf Hauptstraßen sind blau mit weißer Schrift, auf Nebenstraßen weiß mit schwarzer Schrift. Seit 2003 ist die offizielle Verkehrsschrift die ASTRA-Frutiger, eine speziell für Verkehrszeichen angepasste Version der weltberühmten Frutiger von Adrian Frutiger — einem der einflussreichsten Schriftgestalter des 20. Jahrhunderts, der selbst Schweizer war. Vorher nutzte die Schweiz die SNV-Schrift (Schweizerische Normen-Vereinigung), die auch heute noch in zahlreichen anderen europäischen Ländern im Einsatz ist. Der wichtigste Unterschied: In der Schweiz hat die Ortstafel keinerlei Einfluss auf die Geschwindigkeit. Tempo 50 wird dort separat durch ein eigenes Schild angeordnet, das in der Regel oberhalb der Ortstafel angebracht ist.

Belgien: Zwei Schilder, drei Sprachen, ein Durcheinander
Am belgischen Ortseingang steht eine weiße Tafel mit schwarzem Rand, dem Ortsnamen und dem stilisierten Umriss einer Ortschaft — ein schwarzes Häusersymbol, wie man es ähnlich auch aus Dänemark, Rumänien und Polen kennt. Dieses Zeichen F1b markiert den Beginn einer Agglomération im Sinne des belgischen Code de la Route und löst automatisch Tempo 50 aus. Es existiert auch eine schlichtere Variante ohne Häusersymbol (F1a), die nur den Ortsnamen trägt, aber dieselbe rechtliche Wirkung hat. Beide Varianten sind im Hoch- oder Querformat anzutreffen. Die Schrift ist die SNV.
Wer zum ersten Mal durch Belgien fährt, wird allerdings schnell verwirrt: Neben der weißen F1b-Tafel gibt es noch eine gelbe Tafel mit rotem Rand und schwarzer Schrift (Zeichen F43), die lediglich die Verwaltungsgrenze einer Gemeinde anzeigt — ganz ohne verkehrsrechtliche Wirkung. Sie ist das belgische Pendant zur deutschen Ortshinweistafel. Wer bei einer gelben Tafel reflexartig auf 50 abbremst, liegt falsch — und wer bei einer weißen weiterfährt, riskiert ein Bußgeld.
Sprachlich folgt die Beschriftung der jeweiligen Region: Niederländisch in Flandern, Französisch in der Wallonie, Deutsch in Ostbelgien. In Brüssel und einigen Gemeinden entlang der Sprachgrenze sind die Tafeln zweisprachig — ein Politikum, das in Belgien mindestens so viel Zündstoff birgt wie die Südtiroler Schilderfrage in Italien.

Luxemburg: Drei Sprachen, keine einheitliche Schrift
Luxemburgische Ortstafeln (Zeichen E,9a) sind gelb mit schwarzer Schrift und schwarzem Rand — auf den ersten Blick also dem deutschen Pendant nicht unähnlich. Doch die Unterschiede stecken im Detail: Das Format ist in der Regel ein flaches Querformat, deutlich breiter als hoch, und die Tafeln sind fast immer zweizeilig beschriftet. In der ersten Zeile steht der französische Ortsname in aufrechten schwarzen Großbuchstaben, darunter der luxemburgische Name in kursiver Groß-/Kleinschrift — eine typographische Dopplung, die es so in keinem anderen europäischen Land gibt. Gelegentlich, vor allem bei längeren Ortsnamen, begegnet man auch hochkantigen Tafeln im deutschen Stil.
Was die Schrift betrifft, ist Luxemburg ein typographischer Sonderfall: Eine verbindliche nationale Verkehrsschrift existiert nicht. Offiziell kommt die SNV zum Einsatz, doch in der Praxis findet man auf luxemburgischen Straßen auch die französische Caractères und die deutsche DIN 1451 — nicht selten auf demselben Straßenzug. Wer eine luxemburgische Ortstafel nachbauen will, steht also vor der paradoxen Aufgabe, eine Inkonsistenz korrekt abzubilden. Politisch brisant ist die Sprachenfrage: Obwohl Luxemburg drei Amtssprachen hat (Luxemburgisch, Französisch, Deutsch), erscheinen auf den Ortstafeln nur Französisch und Luxemburgisch.

Tschechien: DIN 1451 in weißem Gewand
Tschechische Ortstafeln sind weiß mit schwarzer Schrift und einem schwarzen Rand — und verwenden, was viele überrascht, ebenfalls die deutsche DIN 1451 als Verkehrsschrift. Der Ortsname wird grundsätzlich in Großbuchstaben geschrieben. Besteht er aus mehreren Wörtern (z. B. Ústí nad Labem oder Horka nad Moravou), wird er in der Regel auf zwei Zeilen verteilt. Die Ortstafel löst wie in Deutschland automatisch Tempo 50 aus. Die Ortsendetafel zeigt denselben Ortsnamen, durchgestrichen mit einem roten Schrägbalken von links unten nach rechts oben — die Schilder stehen immer auf der rechten Straßenseite. Zweisprachige Ortstafeln gibt es in Tschechien offiziell nur im Olsagebiet (Teschener Schlesien).

Slowakei: Von Universal Grotesk zu TERN
Die slowakische Ortstafel ist weiß mit schwarzer Schrift und schwarzem Rand. Bis 2014 nutzte die Slowakei die „Universal Grotesk“, ein typographisches Erbe aus der Tschechoslowakei — passend, denn auch der schwarze Rand erinnert an die gemeinsame tschechoslowakische Vergangenheit. Seit 2014 verwendet die Slowakei — wie Österreich — die EU-Schrift TERN. Damit ist sie nach Österreich und den Niederlanden eines der wenigen Länder, die den TERN-Weg eingeschlagen haben. Auf vielen Ortstafeln sind unterhalb des Ortsnamens zusätzliche Informationen wie Stadtteile oder Bezirke angegeben. An der Ortstafel gilt automatisch Tempo 50. In der Südslowakei, wo die ungarische Minderheit mindestens 20 % der Bevölkerung stellt, gibt es zweisprachige Beschilderung: Der ungarische Ortsname erscheint auf einer separaten blauen Zusatztafel mit weißer Schrift, die unterhalb der eigentlichen Ortstafel montiert ist — eine elegante Lösung, die den Ortsnamen in der Landessprache unangetastet lässt und die Zweitsprache dennoch sichtbar macht.

Polen: Grün ist nur die halbe Wahrheit
Das polnische System ist ungewöhnlich und verwirrt viele Durchreisende. Es gibt zwei Typen von Ortszeichen: Die grüne Tafel mit weißem Rand und weißer Schrift zeigt lediglich den Ortsnamen an und dient — ähnlich der deutschen Ortshinweistafel — nur der Orientierung. Die eigentliche geschlossene Ortschaft mit Geschwindigkeitsbegrenzung wird durch eine separate weiße Tafel mit dem schwarzen Umriss einer Ortschaft (Häusersymbol) gekennzeichnet. Diese steht häufig, aber nicht immer, am selben Standort. Die Schrift auf polnischen Verkehrszeichen heißt „Drogowskaz“ — eine eigene nationale Verkehrsschrift. In einigen Regionen gibt es zweisprachige Ortstafeln: In Oberschlesien polnisch-deutsch, in Pommerellen polnisch-kaschubisch, in Galizien polnisch-lemkisch und in Sudauen polnisch-litauisch.

Ungarn: Ohne Norm, aber mit Charakter
Ungarische Ortstafeln sind weiß mit schwarzer Schrift und rotem Rand. Das Besondere: Ungarn hat keine offiziell definierte Verkehrsschrift. Stattdessen sind die Buchstaben einzeln in der nationalen Verordnung festgelegt — Zeichen für Zeichen, ohne Benennung einer Schriftfamilie. Das Ergebnis ähnelt der DIN 1451 auffallend, ist aber nicht identisch. In jüngerer Zeit werden auf manchen Schildern auch Varianten der Verdana eingesetzt. Ab der Ortstafel gilt Tempo 50. In Gebieten mit Minderheiten gibt es vereinzelt zweisprachige Ortstafeln.

Rumänien: SNV mit Tempolimit-Krone
Rumänische Ortstafeln fallen sofort ins Auge: Sie sind weiß mit schwarzer Schrift und tragen auf vielen Straßen oberhalb ein gelbes Feld mit einem kreisrunden Geschwindigkeitsschild (meist 50 km/h) und dem schwarzen Umriss einer Ortschaft direkt auf demselben Schildträger. Diese Kombination aus Ortstafel und Geschwindigkeitszeichen ist zwar markant, gibt es ähnlicher Form jedoch auch in Großbritannien. Die Schrift ist die SNV — dieselbe Schweizer Schrift, die auch in Rumänien, Bulgarien, Serbien, Kroatien, Slowenien und weiteren Balkanstaaten verwendet wird. Unterhalb des Ortsnamens erscheint manchmal der Kreis- oder Bezirksname. In Siebenbürgen und im Banat begegnet man gelegentlich mehrsprachigen Ortstafeln mit ungarischen oder — selten — deutschen Ortsnamen (ein Relikt der Siebenbürger Sachsen und Donauschwaben).

Slowenien: Gelb wie in Deutschland — aber nicht deutsch
Slowenien ist neben Deutschland eines der wenigen europäischen Länder mit gelben Ortstafeln und schwarzem Rand — doch die Schrift verrät den Unterschied: Slowenien verwendet nicht die DIN 1451, sondern die SNV-Schrift, ein Erbe des ehemaligen jugoslawischen Standards. Die Ortsendetafel ist identisch gestaltet, aber der Ortsname wird durch einen sechsfach geteilten roten Balken durchgestrichen — ein Detail, das es so in keinem anderen europäischen Land gibt. An der Ortstafel gilt Tempo 50. Zweisprachige Ortstafeln finden sich in der Region Prekmurje an der ungarischen Grenze (slowenisch-ungarisch) sowie im Küstengebiet nahe Triest (slowenisch-italienisch).

Italien: Alfabeto Normale — Transport auf Italienisch
Italienische Ortstafeln sind weiß mit schwarzer Schrift und einem schwarzen Rand, bei Gemeinden oft auch mit einem dünnen roten Randstreifen. Die Schrift heißt „Alfabeto Normale“ — eine kräftigere Version der britischen Transport-Schrift, die in Italien und auch in Albanien und San Marino zum Einsatz kommt. Für lange Ortsnamen gibt es die Engschrift-Variante „Alfabeto Stretto“. Besonders reizvoll sind die zweisprachigen Ortstafeln in Südtirol: Hier stehen der deutsche und der italienische Ortsname auf demselben Schild — Sterzing/Vipiteno, Brenner/Brennero, St. Leonhard/S. Leonardo. Diese Zweisprachigkeit ist das Ergebnis des Autonomiestatuts und nach wie vor ein politisches Thema. Auch im Aostatal (Französisch) und in Friaul (Furlanisch) gibt es zweisprachige Beschilderung.

Frankreich: Caractères — Eine Familie, vier Schnitte
Frankreich verwendet für seine gesamte Verkehrsbeschilderung eine eigene Schriftfamilie namens „Caractères“, die speziell für Verkehrsschilder entwickelt wurde und aus vier Schnitten besteht. Caractères L1 ist die fette Variante: schwarze Versalien auf weißem Grund, eingesetzt für Nahziele und lokale Beschilderung — und auch auf den Ortstafeln. Caractères L2 ist die mittlere Strichstärke: weiße Versalien auf blauem (Autobahnen) oder grünem Grund (Nationalstraßen), etwas leichter als L1, um den Halo-Effekt weißer Buchstaben auf dunklem Hintergrund auszugleichen. Caractères L4 ist die Kursiv-Variante mit Groß- und Kleinbuchstaben, verwendet für ergänzende Hinweise wie Quartiersnamen oder Einrichtungen. Und Caractères L5, die jüngste Ergänzung, ist eine aufrechte Schwester von L4 — stilistisch beeinflusst von der Frutiger und eingesetzt für untergeordnete Hinweise.
Die Ortstafeln selbst (Panneau EB10) sind weiß mit einem umlaufenden roten Rand und schwarzer Schrift in Caractères L1 — ausschließlich in Großbuchstaben. Die Ortsendetafel (EB20) zeigt denselben Ortsnamen, durchgestrichen mit einem roten Schrägbalken. Ab der Ortstafel gilt Tempo 50. Zweisprachige Beschilderung gibt es im Baskenland, in der Bretagne, im Elsass und auf Korsika. Historisch interessant: Bis 1982 waren französische Ortstafeln cremfarben mit blauem Rand und blauer Schrift — ein Design, das mit dem heutigen Erscheinungsbild nichts mehr gemein hat.

Spanien: Carretera Convencional — Die britische Verwandte
Spanische Ortstafeln sind weiß mit schwarzer Schrift sowie einem rotem Rand mit auffallend großen Radien. Die offizielle Verkehrsschrift heißt „Carretera Convencional“, intern auch CCRIGE (Carretera Convencional, Red de Interés General del Estado). Diese Schrift ist, wie die italienische Alfabeto Normale, von der britischen Transport-Schrift abgeleitet — allerdings in einer noch kräftigeren Variante. Seit 2023 kann oberhalb des Ortsnames zusätzlich der stilisierte Umriss einer Ortschaft und eine Geschwindigkeitsbegrenzung thronen. Dann gilt, was dort angeordnet wird.
Bis etwa 1991 wurde auf spanischen Straßen eine ältere französische Schrift verwendet; die heutige Carretera Convencional wurde 1992 eingeführt und ist seit 2014 als alleinige Verkehrsschrift vorgeschrieben. Auf Autobahnen kam bis 2014 zusätzlich die „Autopista“ zum Einsatz, eine Ableitung der amerikanischen Highway Gothic. Zweisprachige Beschilderung gibt es in Katalonien, im Baskenland, in Galicien und auf den Balearen.

Dänemark: Dansk Vejtavleskrift — Transport mit Wikingergenen
Dänische Ortstafeln sind weiß mit schwarzer Schrift und einem schwarzen Rand. Wie in Rumänien und Polen zeigt auch die dänische Ortstafel einen stilisierten Ortsumriss als Piktogramm — ein schwarzes Häusersymbol, das die geschlossene Ortschaft bildlich kennzeichnet. Die Verkehrsschrift heißt „Dansk Vejtavleskrift“ und ist — wie so viele europäische Verkehrsschriften — von der britischen Transport-Schrift abgeleitet. Sie behält den grundlegenden Charakter bei, wurde aber für dänische Bedürfnisse angepasst, insbesondere für die Sonderzeichen æ, ø und å. An der Ortstafel gilt Tempo 50. Die dänischen Schilder wirken insgesamt etwas schlichter als ihre mitteleuropäischen Pendants.

Norwegen: Trafikkalfabetet — DIN mit Wikingergenen
Norwegische Ortstafeln (Zeichen 531) sind weiß mit weißer Schrift und blauem Rand — farblich also den schweizerischen Tafeln ähnlich. Die Verkehrsschrift heißt Trafikkalfabetet und wurde 1965 von Karl Petter Sandbæk im Auftrag des Vegdirektoratet (der norwegischen Straßenverwaltung) entwickelt. Sie ähnelt der deutschen DIN 1451 Mittelschrift auffallend — kein Zufall, denn beide teilen eine ingenieursmäßige, geometrische Konstruktionsweise. Allerdings hat die Trafikkalfabetet offenere Punzen und betontere Ovalformen als ihr deutsches Vorbild, was dem britischen Einfluss geschuldet sein dürfte. Die Schrift existiert nur in einem einzigen Schnitt — es gibt weder eine Condensed- noch eine Bold-Variante. Lange Ortsnamen müssen deshalb entweder kleiner gesetzt oder das Schild breiter gemacht werden. Erst 2006 wurde die Trafikkalfabetet von Jacob Øvergaard digitalisiert; vorher existierte sie nur als technische Konstruktionszeichnung, was dazu führte, dass auf manchen Schildern ersatzweise andere Schriften verwendet wurden.
Die norwegische Ortstafel löst kein automatisches Tempolimit aus. Wie in der Schweiz wird Tempo 50 separat durch ein eigenes Geschwindigkeitsschild angeordnet — die Ortstafel selbst dient nur der Orientierung. In Nordnorwegen sind Ortstafeln häufig zweisprachig: Norwegisch und Samisch. In Gemeinden nahe der finnischen Grenze erscheint der Ortsname zusätzlich auf Finnisch, und in Grenznähe zu Russland gelegentlich auch in kyrillischer Schrift — ein typographisches Unikat in Westeuropa.

England: Transport — Die Mutter vieler Verkehrsschriften
Die britische Transport-Schrift ist so etwas wie die einflussreichste Verkehrsschrift der Welt. Entworfen zwischen 1957 und 1963 von Jock Kinneir und Margaret Calvert für das britische Verkehrsministerium, wurde sie zum Vorbild für die Verkehrsschriften in Italien, Spanien, Dänemark, Portugal, Irland, Griechenland und zahlreichen weiteren Ländern weltweit. Es gibt zwei Schnitte: Transport Medium (für weiße Schrift auf dunklem Grund, z. B. grüne Primary-Route-Schilder) und Transport Heavy (für schwarze Schrift auf weißem Grund, z. B. lokale Wegweiser).
Englische Ortstafeln sind ein Sonderfall: Es gibt kein einheitliches „Ortseingangsschild“ im kontinentaleuropäischen Sinne. Stattdessen stehen an den Ortseingängen weiße Tafeln mit dem Ortsnamen und häufig einer integrierten Geschwindigkeitsangabe (meist 30 mph, entspricht 48 km/h) in einem roten Kreis. Viele Gemeinden ergänzen ein „Welcome to“ oder „Please drive carefully“. Die Gestaltung variiert von County zu County — manche Councils setzen auf schlichte weiße Schilder mit schwarzem Rand, andere fügen Wappen, Blumenschmuck-Hinweise oder touristische Zusätze hinzu. Entfernungen und Geschwindigkeiten werden in Meilen und mph angegeben — England ist Teil des einzigen europäischen Landes, das noch das imperiale System auf Verkehrszeichen verwendet.

Schottland: Transport in Gelb und Weiß — Gälisch grüßt zuerst
Schottische Ortstafeln verwenden dieselbe Transport-Schrift wie England, doch hier hören die Gemeinsamkeiten auf. Was Schottland typographisch einzigartig macht, ist die zweifarbige Zweisprachigkeit: Auf den Ortstafeln in den Highlands und auf den Inseln steht der gälische Ortsname in gelber Schrift, der englische in Weiß — beides auf demselben grünen Schild (bzw. grüne und schwarze Schrift auf weißem Untergrund für Ortshinweistafeln). Diese Farbunterscheidung zwischen den Sprachen ist in ganz Europa einmalig. In vielen Gemeinden steht der gälische Name oben und größer als der englische — eine bewusste Entscheidung im Rahmen des Gaelic Language Plan der schottischen Regierung.
Die zweisprachige Beschilderung wird seit 2002 systematisch ausgebaut: Zunächst auf den Trunk Roads durch die Highlands und zu den Fährhäfen an der Westküste (A82, A83, A85, A830, A87, A835), seit 2012 auch auf der A9. Transport Scotland hat dafür eigene Gestaltungsrichtlinien veröffentlicht, die Schriftgröße, Layout und Sprachpriorität regeln. In den Gaeltacht-Regionen der Äußeren Hebriden — auf Lewis, Harris, den Uists und Barra — sind manche Schilder sogar einsprachig Gälisch: Wer dort „Steòrnabhagh“ liest, muss wissen, dass damit Stornoway gemeint ist. Für den Motovlog-Schilderbauer bedeutet das: Zwei Schriftfarben auf einem Schild, Sonderzeichen mit Gravis-Akzenten (à, è, ì, ò, ù) und Ortsnamen, die man ohne Gälisch-Kenntnisse nicht einmal aussprechen kann — willkommen in Schottland.

Historisch: Die vereinheitlichten Tafeln der Reichs-StVO
Ein Sonderkapitel in meiner Sammlung bilden die nachgebauten deutschen Ortstafeln aus der Zeit vor 1945. Für Motovlogs, die durch die ehemaligen deutschen Gebiete in Hinterpommern, Ostpreußen und Schlesien führen — dem heutigen Polen — habe ich historische Ortstafeln nachgebaut: gelb mit schwarzer Schrift, schwarzem Rand, eckige Ecken (die abgerundeten kamen erst 1956) und so beschriftet, dass es möglichst handgemalt ausschaut. Treptow, Trieglaff, Trutzlatz, Völzin, Zimmerhausen — Ortsnamen, die heute nur noch auf alten Messtischblättern existieren. Ihre polnischen Nachfolger heißen Trzebiatów, Trzygłów, Troszyn, Wołczyn und Zdbowo. Diese Gegenüberstellung von historischem und heutigem Ortsschild erzählt ganz ohne Worte ein Stück Geschichte.
Solche Schilder kann ich natürlich nur annähernd nachbilden, denn obwohl für die Gestaltung spätestens seit der ersten Reichs-StVO (1934) verbindliche Vorgaben exisitierten (Rasterschrift nach DIN 1451), hing das Ergebnis meist vom Können und Talent des umsetzenden Schildermalers ab — mit der entsprechend breitbandigen Varianz. Nach meiner Meinung kommen die Schriftarten H.H. Samuel und Wiener Blockschrift diesem Umstand ziemlich nahe, weshalb ich all diese Schilder in den Reisevlogs unserer Pommerntouren damit beschriftet habe.
Hinweis: Die Beitragsbilder in diesem Abschnitt sind Illustrationen. Die Schildgrafiken sind originalgetreu in Photoshop nachgebaut — mit der korrekten Schriftart, den richtigen Proportionen und der authentischen Farbgebung des jeweiligen Landes. Die Hintergrundlandschaften wurden mit KI-Unterstützung erstellt, um die Schilder in eine passende Umgebung einzubetten. Es handelt sich nicht um Fotos realer Ortstafeln.
Die Ortstafeln auf einen Blick
| Land | Schrift | Farbe / Rand | 50* | Zweisprachig |
|---|---|---|---|---|
| D | DIN 1451 Fette Eng-/Mittelschrift | Gelb / Schwarz, Rand schwarz (eingerückt) | ja | Sorbisch, Friesisch, Dänisch, Plattdeutsch |
| DK | Dansk Vejtavleskrift | Weiß / Schwarz, Rand schwarz | ja | Nein |
| N | Trafikkalfabetet | Blau / Weiß, Rand weiß | nein¹ | Samisch, Finnisch |
| F | Caractères (L1) | Weiß / Schwarz, Rand rot (umlaufend) | ja | Baskisch, Bretonisch, Elsässisch, Korsisch |
| GB (ENG) | Transport Medium / Heavy | weiß / schwarz, Rand schwarz (eingerückt) | ja² | Kein einheitl. Ortseingangsschild; imperiales System (mph) |
| GB (SCO) | Transport Medium / Heavy | grün / weiß + gelb (Gälisch), Rand weiß | ja² | Gälisch gelb, Englisch weiß auf einem Schild; Highlands teils einsprachig Gälisch |
| I | Alfabeto Normale / Stretto | Weiß / Schwarz, Rand schwarz (eingerückt) | ja | Deutsch, Französisch, Furlanisch |
| A | TERN (seit 2010) | Weiß / Schwarz, Rand blau (eingerückt) | ja³ | Slowenisch, Kroatisch, Ungarisch |
| PL | Drogowskaz | Grün / Weiß + Weiß mit Häusersymbol | ja² | Deutsch, Kaschubisch, Lemkisch, Litauisch |
| RO | SNV | Weiß / Schwarz, Rand schwarz (umlaufend) | ja² | Ungarisch, selten Deutsch |
| CH | ASTRA-Frutiger (seit 2003) | Blau / Weiß od. Weiß / Schwarz | nein¹ | DE/FR/IT/RM je Kanton |
| L | SNV (uneinheitl.) | Gelb / Schwarz, Rand schwarz (umlaufend) | ja | Französisch + Luxemburgisch |
| B | SNV Condensed | Weiß / Schwarz (F1b) + Gelb / Schwarz (F43) | ja² | NL/FR/DE je Region |
| SK | TERN (seit 2014) | Weiß / Schwarz, Rand schwarz (eingerückt) | ja | Ungarisch (separate blaue Tafel) |
| SLO | SNV (Yugo-Standard) | Gelb / Schwarz, Rand schwarz (eingerückt) | ja | Ungarisch, Italienisch |
| E | CCRIGE | Weiß / Schwarz, Rand rot (eingerückt) | ja² | Katalanisch, Baskisch, Galicisch |
| CZ | DIN 1451 | Weiß / Schwarz, Rand schwarz (eingerückt) | ja | Polnisch (Olsagebiet) |
| H | Nicht definiert (ähnelt DIN 1451) | Weiß / Schwarz, Rand rot (eingerückt) | ja | Vereinzelt |
| Stand: Mai 2026 | * Gilt Tempo 50 ab Ortstafel? | ¹ Separates Temposchild | ² Nur mit Zusatztafel | ³ Hebt bestehende Limits nicht auf | ||||
Schriftfamilien und ihre Verwandtschaften
Betrachtet man die europäischen Verkehrsschriften im Zusammenhang, offenbaren sich überraschende Familienverhältnisse. Es gibt im Wesentlichen vier große „Stammlinien“:
Die DIN-Familie: Die deutsche DIN 1451 ist nicht nur in Deutschland im Einsatz, sondern auch in Tschechien und Lettland, und bis vor kurzem noch in Slowakei und Österreich. Die ungarische Verkehrsschrift ähnelt ihr konstruktiv so stark, dass man sie ohne Weiteres zur Familie zählen kann.
Die Transport-Familie: Die britische Transport-Schrift von Kinneir und Calvert (1957–1963) ist der wohl einflussreichste Exportartikel der britischen Verkehrstypographie. Von ihr leiten sich direkt ab: die italienische Alfabeto Normale (eine kräftigere Variante), die spanische Carretera Convencional (noch kräftiger) und die dänische Dansk Vejtavleskrift. Auch Portugal, Irland und Griechenland verwenden Varianten.
Die SNV-Familie: Die Schweizer SNV-Schrift, ursprünglich von der Vereinigung Schweizerischer Strassenfachleute definiert, hat eine bemerkenswerte Karriere hinter sich. In der Schweiz selbst wurde sie 2003 durch die ASTRA-Frutiger abgelöst — doch in großen Teilen Südost- und Osteuropas lebt sie weiter: Rumänien, Bulgarien, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien und Luxemburg verwenden sie bis heute.
Die TERN-Familie: Die jüngste Entwicklung. Die EU-Schrift TERN, entwickelt 2005–2008 im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts, wird bisher nur in Österreich (seit 2010), der Slowakei (seit 2014) und auf niederländischen elektronischen Anzeigetafeln verwendet. Ob sie sich europaweit durchsetzen wird, steht in den Sternen — und dürfte auf Widerstand stoßen, überall dort, wo die nationale Verkehrsschrift als Teil der kulturellen Identität empfunden wird.
Der Ermittlungsaufwand: Wie findet man die richtige Schrift?
Eine korrekte Ortstafel nachzubauen klingt einfacher, als es ist. Die erste Hürde: Man muss die richtige Schrift überhaupt identifizieren. Manche Länder dokumentieren ihre Verkehrsschriften vorbildlich. Deutschland hat die DIN 1451, Großbritannien die Transport-Schrift — beide sind gut dokumentiert und als Fonts verfügbar. Die Schweiz hat mit der ASTRA-Frutiger sogar eine Designikone auf dem Straßenschild.
Bei anderen Ländern wird es abenteuerlich. Ungarn definiert seine Buchstaben einzeln in einer Verordnung, ohne die Schrift beim Namen zu nennen. In Rumänien heißt es offiziell „SNV“, aber welche Digitalisierung korrekt ist und wo man sie herbekommt, ist eine Suche für sich. Für Spanien existiert seit kurzem eine Open-Source-Digitalisierung der Carretera Convencional auf GitHub (CCRIGE) — ein Glücksfall. Die polnische Drogowskaz dagegen ist schwer als Font aufzutreiben.
Und dann ist da noch die TERN — die Schrift, die angeblich ganz Europa vereinheitlichen soll. Wer sie einsetzen möchte, steht vor einem bemerkenswerten Paradoxon: Eine Schrift, die für den öffentlichen Straßenraum eines ganzen Kontinents gedacht ist, kann man weder frei herunterladen noch irgendwo im Netz mit eigenen Ortsnamen testen. Die Rechte liegen beim Typographen Erik Spiekermann, vertrieben wird sie über einen kleinen Webshop. Es gibt keinen Online-Preview, keinen Probeschnitt, keine Demo-Version. Wer wissen will, wie „Niederschlesischer Oberlausitzkreis“ in TERN aussieht, muss erst kaufen und dann schauen. Zum Vergleich: Die ehrwürdige DIN 1451, die von TERN verdrängt werden soll, steht bei Peter Wiegel als freier Download bereit — inklusive der historischen Varianten. Man kann die Ironie kaum übersehen.
Die zweite Hürde: Die Proportionen des Schildes. Jedes Land hat eigene Formate, eigene Randbreiten, eigene Eckenradien. Selbst wenn man die richtige Schrift hat, sieht ein nachgebautes Schild falsch aus, wenn der Rand zu dünn, die Ecken zu rund oder die Schriftgröße im falschen Verhältnis zum Schildformat steht. Für meine Photoshop-Rohlinge habe ich deshalb für jedes Land Referenzfotos mit Maßstab analysiert und die Proportionen pixelgenau nachgebaut.
Die dritte Hürde — und die am meisten unterschätzte — sind die kleinen länderspezifischen Details. In Tschechien und im Vereinigten Königreich werden die Ortsnamen immer in Großbuchstaben geschrieben. In Slowenien hat der Durchstreichbalken auf der Ortsendetafel sechs rote Segmente statt einer durchgehenden Linie. In Rumänien sitzt das Geschwindigkeitsschild direkt auf dem Ortstafel-Pfosten. In Dänemark, Polen und Rumänien zeigen stilisierte Häusersymbole die geschlossene Ortschaft an. In der Slowakei erscheint der zweitsprachige Ortsname nicht auf der Haupttafel, sondern auf einer separaten blauen Zusatztafel darunter. Wer diese Details nicht kennt, baut ein Schild, das auf den ersten Blick stimmt, aber beim zweiten Hinsehen verrät, dass es nicht echt ist.
Mehr als nur Buchstaben: Ortstafeln als kulturelle Identität
Was mich an diesem Thema am meisten fasziniert, ist die Erkenntnis, dass eine Ortstafel weit mehr ist als ein Verkehrszeichen mit einem Namen drauf. Sie ist ein Spiegel nationaler Identität, regionaler Geschichte und typographischer Tradition. Die gelbe deutsche Tafel mit ihrer kantigen DIN 1451 erzählt von preußischer Ingenieurskunst und dem Rasterprinzip der 1920er Jahre. Die zweisprachigen Südtiroler Schilder zeugen von einem hundertjährigen Sprachkonflikt, der erst durch das Autonomiestatut befriedet wurde. Die polnischen Ortstafeln mit deutschen Untertiteln in Oberschlesien sind ein stiller Verweis auf die wechselvolle Geschichte der deutsch-polnischen Grenzregion. Und die rumänischen Tafeln mit ungarischen Ortsnamen in Siebenbürgen erzählen von einer Minderheit, die seit Jahrhunderten in einem fremden Staat ihre Sprache lebt.
Dass die EU versucht, diese Vielfalt durch eine einheitliche Schrift — TERN — zu ersetzen, mag aus Sicht der Brüsseler Bürokraten sinnvoll klingen. Aber wer durch Europa fährt und die Ortstafeln bewusst wahrnimmt, der erlebt gerade diese Vielfalt als Reichtum. Man erkennt am Schriftbild, wann man Italien verlässt und Österreich betritt, wann man Tschechien durchquert und wann Polen beginnt. Eine einheitliche europäische Ortstafel würde dieses typographische Freilichtmuseum für immer schließen. Und das wäre — bei allem Verständnis für (sinnvolle) Harmonisierung — ein tragischer Verlust.
Fazit
Farben, Formen, Schriften und unzählige Details — jede einzelne Ortstafel erzählt eine Geschichte. Die gelbe deutsche DIN-Tafel, die weiße österreichische TERN-Tafel, die grüne polnische Orientierungstafel, das britische Transport-Schild mit Meilenangabe — sie alle lösen dasselbe Problem auf ihre eigene, unverwechselbare Weise. Wer mit offenen Augen über die Grenze fährt, erkennt an der Typographie allein, in welchem Land er sich befindet. Und genau das macht die Reise durch Europa so reizvoll: Vielfalt durch nationale Eigenheiten — auch am Straßenrand.
Die Linke zum Gruß,
Euer Fritze von Kradmelder24
- Ortstafel vs. Ortshinweistafel: Der ausführliche Vergleich für Deutschland
- Comparison of European road signs (Wikipedia, englisch)
- Vergleich europäischer Verkehrszeichen (Wikipedia)
- Infographic: European Road Sign Typefaces (Ralf Herrmann)
- Different typefaces on the road (localfonts.eu)
- Traffic Sign Typefaces: France (Typography.Guru)
- CCRIGE: Open-Source-Font der spanischen Carretera Convencional (GitHub)
Welche Schrift steht auf deutschen Ortstafeln?
Verwenden alle europäischen Länder dieselbe Verkehrsschrift?
Was ist die EU-Schrift TERN?
Warum sind Ortstafeln in Europa so unterschiedlich?
Welche Schrift wird auf britischen Verkehrsschildern verwendet?
Welche Farbe haben Ortstafeln in den verschiedenen europäischen Ländern?
Gilt Tempo 50 an jeder Ortstafel in Europa?
Was ist die Alfabeto Normale?
Gibt es zweisprachige Ortstafeln in Europa?
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Hallo Fritze, sehr schöne erklärt und zusammengetragen. Meine Meinung dazu kennst Du ja.😉