Wenn es ums Thema Blitzen geht, wird man in Deutschland hellhörig. Wegelagerei, Abzocke und Behördenwillkür sind die Schlagworte. Die neueste fiese Terror-Waffe gegen unbescholtene Kraftfahrer: geheimnisvolle Plastikkoffer, mit denen zu tausenden die 30er-Zonen unserer Städte vermint werden. Was keiner ahnt: „sie blitzen uns Autofahrer!“, weiß Aiman Abdallah zu berichten. Wir werden alle störben!

Ein Gespenst geht um: das Gespenst von der totalen Verkehrsüberwachung deutscher Kraftfahrer, der heimlichen Kontrolle von uns allen. Eine ernste Gefahr für den Deutschen Traum von der Freien Fahrt für Freie Bürger. Aufgedeckt und publikumswirksam in Szene gesetzt von der TV-Perle Galileo: ein Aufmacher, der schon nichts Gutes vermuten lässt und ahnungslose Passanten, die im Straßen-Interview mit der grausamen Realität konfrontiert werden ob der im Koffer versteckten Radar-High-Tech.
Häufige Fragen zum Blitzerkoffer
Was ist ein Blitzerkoffer?
Kein Geschwindigkeitsmessgerät, sondern ein Doppler-Radarmessgerät für Verkehrszählungen. Er erfasst Fahrzeugart, Fahrtrichtung und Geschwindigkeit – aber keine Kennzeichen und keine Fotos.
Blitzt ein Blitzerkoffer auch Motorräder?
Nein. Der Koffer dient ausschließlich der anonymen Verkehrsdatenerfassung. Weder Fahrer noch Kennzeichen werden gespeichert.
Wie erkenne ich einen Blitzerkoffer?
Meist ein grauer oder schwarzer Kunststoffkoffer am Straßenrand, oft auf einem Stativ oder direkt auf dem Boden. Kein Blitz, keine sichtbare Kamera.
Doch es gibt Entwarnung, und der im Filmbeitrag mühsam erzeugte Spannungsbogen flacht bereits zur Mitte jäh ab, als des Koffers wahrer Zweck verraten wird – und nach all der Warterei auch endlich klar wird, dass es hier nicht um die Verfolgung von Tempoverstößen geht – jedenfalls nicht unmittelbar. Solche hochpräzisen Geräte nämlich, so genannte Doppler-Radarmessgeräte, werden von den Ordnungsämtern für innerörtliche Verkehrszählungen zum Einsatz gebracht, außerhalb von Ortschaften übrigens komplett unauffällig durch entsprechend ausgerüstete Leitpfosten. Es werden pro Vorbeifahrt Fahrzeugart, Fahrtrichtung und Geschwindigkeit registriert – aber weder ein Bild des Fahrers geschossen, noch irgendwie das Kennzeichen erfasst. Puh, nochmal Glück gehabt. 30er-Schilder sind sowieso eher Straßendeko.
Also doch keine Totalüberwachung? Doch. Orwell wurde schon längst von der Realität überholt, die Volkszählung der 80er-Jahre war nach heutigen Maßstäben ein Kindergeburtstag. Wir alle werden überwacht, rund um die Uhr, ständig und überall, personalisiert und anonym, nicht nur im Straßenverkehr. Was nicht von offizieller Seite an Daten erhoben wird, geben wir freiwillig preis in sozialen Netzwerken. Wir tragen Hightech-Wanzen in der Hosentasche mit uns herum oder stellen sie uns in Form von Lautsprechern mit Sprachsteuerung auf den Wohnzimmertisch. Wo wir uns befinden, kann zu jedem beliebigen Zeitpunkt in Sekundenschnelle ermittelt werden, und worüber wir sprechen, wird in Echtzeit mitgehört. Alle fühlen sich toll dabei, und niemand scheint sich daran zu stören. Auf diese kleinen Plastik-Köfferchen kommt es da fast schon nicht mehr an.
Es wird Zeit sich Gedanken darüber zu machen, ob wir das wollen und wie lange wir das noch zulassen. Und: fahrt bitte vernünftig, besonders in 30er-Zonen!
Die Linke zum Gruß,
Euer Fritze von Kradmelder24
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