Manchmal schreibt eine Motorradtour ihre eigenen Drehbücher, und dieses hier trägt den Titel „Bernds Sabotageakt“. Was als entspannter Tag von Bad Frankenhausen in die Oberpfalz gedacht war, entwickelte sich zu einer Verkettung teurer Missgeschicke, spontaner Umplanungen und am Ende einem zufriedenen Bernd mit funkelnagelneuem Helm. Wie das im Detail ablief und warum ausgerechnet ein heruntergefallener Helm zum heimlichen Highlight des Tages wurde, erzähle ich euch in diesem Motovlog.
Guten Morgen aus der Sennhütte
Unsere erste Nacht verbrachten wir in der Waldgaststätte Sennhütte, im Außenbereich von Bad Frankenhausen am Fuße des Kyffhäuser gelegen. Ein schlichtes, aber wirklich schönes und sauberes Etablissement „links Berge, rechts Berge“, wie Hans es treffend beschrieb. Einziger Wermutstropfen: Ich hatte bei der Buchung übersehen, dass dienstags die Küche kalt bleibt. So mussten wir am Vorabend einen Lieferdienst bemühen, der uns die Pizza in die urige Stube brachte. Am Morgen dann volle Punktzahl für Frühstück, Betten und die freundliche Bedienung. Klare Empfehlung.
Der Umweg zur Apotheke

Kaum saßen alle auf den Maschinen, kam schon der erste ungeplante Schlenker. Wir Dösbaddel hatten zuhause wichtige Medikamente vergessen, also navigierten wir statt Richtung Oberpfalz erst einmal zur Anger-Apotheke mitten in der Stadt. Das lief nach bewährtem Muster: erst bei der Apotheke anrufen und die Faxnummer erfragen, dann den Arzt bitten, das Rezept per Fax dorthin zu schicken. Etwas umständlich mag das im Zeitalter der elektronischen Gesundheitskarte klingen, aber bei privater Versicherung und wenn erst noch geklärt werden muss, ob das Medikament überhaupt vorrätig ist, führt kein Weg daran vorbei. Am Ende hat trotzdem alles reibungslos funktioniert.
Der kleine Abstecher durch die Altstadt und Einbahnstraßen entpuppte sich nebenbei als hübsche Stadtrundfahrt, bei der wir gleich mal die Grundsätze des Fahrens in der Gruppe übten, und was bei Trennung derselben zu tun ist. Bad Frankenhausen ist ein wirklich nettes Städtchen, durch das wir sonst auf dem Weg zum Kyffhäuser immer nur durchfahren.
Mikrofon-Nachhilfe am Helm
Während wir auf die Medikamente warteten, gab es eine kleine Technikstunde. Bei Hans schaute das Mikrofon unten aus dem Helm heraus, was ständig Windgeräusche im Mesh verursacht. Die Tücke: Windgeräusche hören immer nur die anderen, man selbst aber nie. Also zeigte ich ihm den Kniff mit dem Windschutz, den man beim Schließen des Helms sauber über das Mikrofon zieht. Und während wir uns um Hans‘ Helm kümmerten, reifte unter Bernds Helm offenbar schon ein ganz anderer Gedanke: hätte er vorhin beim Abbiegen in der Altstadt Funk im Helm gehabt, dann hätte er mitbekommen, dass er an der Abbiegung hätte warten müssen. Also muss eine Sprechanlage her!
Der Sabotageakt in Saalfeld
In Saalfeld, direkt nach dem Tanken, passierte es: Bernds Helm fiel „aus Versehen“ herunter und landete exakt auf dem Visier, das prompt in zwei Teile zersprang. Ein sympathischer Harley-Fahrer, den wir in der ganzen Aufregung leider nie nach seinem Namen fragten, bot spontan Hilfe an und führte uns zum nahen Motorrad-Center. Leider ein Fehlschlag: Bei Schuberth-Helmen gibt es zwei verschiedene Helmschalengrößen, und ein passendes Visier für Bernds betagten C3 der ersten Serie ließ sich nicht auftreiben. Auf die Frage, warum er seinen Helm überhaupt fallen ließ, kam Bernds vielsagende Antwort: „Der hat mir nicht mehr gefallen, ich will mir eh einen neuen holen.“ Ob mit oder ohne Absicht – der Helm hatte seine besten Zeiten ohnehin hinter sich.
Plan B: Umweg über Hof zu Tante Louise
Also musste ein neuer Plan her, denn ohne Visier konnte Bernd nicht weiterfahren, jedenfalls nicht mis runter nach Tirol und zurück. Wir verwarfen die schöne Strecke über Kronach und nahmen den schnellen Weg über Hof, wo uns der Kollege den Louis empfohlen hatte. Praktisch war dabei die Carpuride-Lösung: Man kann zwei Navigationssysteme parallel laufen lassen und einfach umschalten. Auf dem einen lief die eigentliche Route mit Kurviger weiter, für die außerplanmäßige Fahrt nach Hof schaltete ich kurzerhand auf Google Maps um. Sobald Bernd dem Besuch bei „Tante Louise“ zugestimmt hatte, gab es bei Frank und Achim kein Halten mehr: Zum Helm sollte gleich die Sprechanlage her, und wenn man schon dabei ist, dürften Scheinwerfer und Rückleuchte auch ein LED-Update vertragen.
Einkaufen mit Frank und Achim
Mit den beiden einkaufen bedeutet: hoch einsteigen und dann runterhandeln. Für Bernd wurde es am Ende ein C5 in Solid Grau, dazu eine SC2-Sprechanlage, die dank Achims Verhandlungsgeschick hundert Euro günstiger über den Tisch ging, plus einer Ultinon H4 LED obendrauf. Der schönste Nebeneffekt: Während wir bei Louis einen Kaffee tranken, lud die SC2 so weit auf, dass Bernd sich anschließend problemlos per Mesh mit uns unterhalten konnte. Damit war sein Tag gerettet.
Frank „MacGyver“ und der 2-Komponenten-Kleber
Von der Ankunft beim „alten Fritz“ in Weigendorf gibt es leider keine Aufnahmen, denn es setzte Regen ein, und hinter Hof waren die Speicher voll und die Akkus leer. Zu allem Überfluss hatte sich Murphy dann mich als Spielball ausgesucht: Die BM05-Halterung meines Carpuride begann unterwegs zu schwächeln, und fast wäre mir der Bildschirm während der Fahrt weggeflogen. Zum Glück gibt es Frank, der bei uns völlig zurecht den Beinamen MacGyver trägt. Seine 1200er GS ist ein fahrender Baumarkt – brauchst du irgendwas, er hat es dabei. In diesem Fall 2-Komponenten-Kleber, mit dem er die gerissene Kugelhalterung wieder instand setzte, während ich ihm leuchtete und die Sache filmte. Ob die Reparatur wirklich hält, das werden wir am nächsten Morgen sehen.
Fazit
Ein Tag ganz nach unserem Motto: keine Zeit zum Rasen, runter vom Gas, Motorradfahren mit Hirn. Kein Rasen, kein Unfall, kein Drama – nur eine Handvoll kleiner Pannen, die aus einem gewöhnlichen Reisetag eine richtig gute Geschichte machen. Bernd hat seinen neuen Helm, Hans sein Mikrofon im Griff und ich eine wieder verklebte Halterung. Was will man mehr?
Die Linke zum Gruß,
Euer Fritze von Kradmelder24
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert, erfolgen jedoch ohne Gewähr. Rechtsgrundlagen beziehen sich auf den zum Zeitpunkt der Veröffentlichung geltenden Stand und können sich seitdem geändert haben. Im konkreten Einzelfall wende dich an einen Rechtsanwalt oder eine andere zur Rechtsberatung befugte Stelle. Externe Inhalte verlinkter Seiten wurden zum Zeitpunkt der Verlinkung überprüft. Rechtswidrige Inhalte waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar.
















