Wir sind Motorradfahrer. Wir fahren, weil wir es lieben. Und wir tanken Benzin – nicht weil wir es lieben, sondern weil es keine Alternative gibt. Kein Diesel, kein Erdgas, kein Wasserstoff. Für uns gibt es exakt eine Sorte Kraftstoff: Super. Und der kostet gerade so viel wie schon lange nicht mehr. Aber fangen wir von vorne an.
Motorräder und Benzin: Eine Zwangsehe
Ein durchschnittliches Motorrad verbraucht zwischen 3 und 8 Liter Super auf 100 Kilometer – je nach Hubraum, Bauart und Gashand. Eine Honda NC 750 S kommt mit sparsamen 3,5 Litern aus, eine Aprilia RSV4 gönnt sich über 8 Liter, und meine Dicke nimmt sich vollbepackt rund 5,6 Liter. Die meisten von uns bewegen sich realistisch irgendwo mit 4,5 bis 6 Litern auf der Landstraße.
Im Vergleich: Ein Benzin-PKW schluckt im Schnitt 7,7 Liter auf 100 Kilometer. Motorräder sind also sparsamer – zumindest auf dem Papier. Was bei der Rechnung gerne vergessen wird: Motorräder haben keinen Diesel-Ausweg, und der Weg Richtung Strom kommt für die meisten gar nicht erst in Frage. Während der Autofahrer zwischen Benziner, Diesel, Hybrid und vollelektrisch wählen kann, stehen wir Kradfahrer mit dem Zapfhahn in der Hand und können nur zugucken, wie die Ziffern hochrasen.
5 mio Motorräder – 49,5 mio Autos
Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren zum 1. Januar 2026 exakt 49.486.487 PKW und knapp über 5 Millionen Krafträder in Deutschland zugelassen. Motorräder machen damit rund 8 Prozent des Fahrzeugbestands aus – in der politischen Debatte über Mobilität und Kraftstoffpreise kommen wir aber praktisch nicht vor. Die gesamte Diskussion dreht sich um E-Autos, Ladesäulen und Kaufprämien. Für Motorradfahrer? Nichts. Nada. Zero.
Und genau das ist das Problem, wenn der Staat mit der Steuerschraube am Spritpreis dreht: Er trifft die 5 Millionen Kradfahrer genauso hart wie die 49 Millionen Autofahrer – aber ohne jede Alternative anzubieten.
Die große Preislüge: 2012 gegen 2026
Erinnert ihr euch an 2012? Das war das Jahr, in dem die Benzinpreise das letzte Mal die Schlagzeilen dominierten: 1,65 Euro für den Liter Super – Schnappatmung im ganzen Land. Die Autozeitung titelte vom „teuersten Tankjahr aller Zeiten“. Vierzehn Jahre später würden wir für 1,65 Euro vor Freude weinen.
Rohölpreise: Gleicher Preis, anderer Film
| Kennzahl | 2012 | April 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Brent Rohöl (USD/Barrel) | 111,67 | ~107–112 | ≈ ± 0 % |
| WTI Rohöl (USD/Barrel) | 94,05 | ~97–105 | +3 bis +12 % |
Halt, stopp! Zurückspulen!
Der Rohölpreis ist praktisch identisch mit 2012. Brent lag 2012 bei durchschnittlich 111,67 Dollar, Anfang April 2026 pendelt er um die 107 bis 112 Dollar. Null Unterschied. Trotzdem zahlen wir heute über 50 Cent mehr pro Liter Benzin als 2012. Wie bitte?
Benzin- und Dieselpreise: Die nackte Wahrheit
| Kraftstoff | Ø 2012 | Aktuell April 2026 | Aufschlag |
|---|---|---|---|
| Super E10 (Ct/L) | 158,9 | ~213 | +54 Ct (+34 %) |
| Diesel (Ct/L) | 147,8 | ~235 | +87 Ct (+59 %) |
Super E10 ist um 34 Prozent teurer geworden. Diesel sogar um satte 59 Prozent. Und nein, das liegt nicht am Rohöl – wie wir gerade gesehen haben.
Zum Vergleich: Die allgemeine Inflation lag kumuliert von 2012 bis 2025 bei rund 33 Prozent. Benzin liegt also sogar leicht über der allgemeinen Teuerung, Diesel weit darüber – und das bei praktisch gleichem Rohölpreis. Da stellt sich die Frage: Wohin fließt das Geld?
Der Staat casht ab: Steuerzerlegung pro Liter
Hier wird es richtig interessant – und richtig ärgerlich.
| Benzin (Super E10) | 2012 | 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Energiesteuer | 65,45 Ct | 65,45 Ct | ± 0 |
| CO₂-Abgabe | — | ~17 Ct | NEU |
| EBV-Beitrag | 0,3 Ct | 0,3 Ct | ± 0 |
| Mehrwertsteuer (19 %) | 25,4 Ct | 34,0 Ct | +8,6 Ct |
| Steuern & Abgaben gesamt | 91,2 Ct | ~116,8 Ct | +25,6 Ct |
| Produkt, Vertrieb & Marge | 67,7 Ct | ~96,2 Ct | +28,5 Ct |
| Endpreis | 158,9 Ct | ~213 Ct | +54,1 Ct |
| Diesel | 2012 | 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Energiesteuer | 47,04 Ct | 47,04 Ct | ± 0 |
| CO₂-Abgabe | — | ~19 Ct | NEU |
| EBV-Beitrag | 0,3 Ct | 0,3 Ct | ± 0 |
| Mehrwertsteuer (19 %) | 23,6 Ct | 37,6 Ct | +14,0 Ct |
| Steuern & Abgaben gesamt | 70,9 Ct | ~103,9 Ct | +33,0 Ct |
| Produkt, Vertrieb & Marge | 76,9 Ct | ~131,1 Ct | +54,2 Ct |
| Endpreis | 147,8 Ct | ~235 Ct | +87,2 Ct |
Wer ist verantwortlich? Eine Bestandsaufnahme in drei Akten
Akt 1: Der Staat – der größte Profiteur

Von jedem Liter Super E10, den wir 2026 tanken, gehen knapp 1,17 Euro an den Staat. Das sind rund 55 Prozent des Endpreises. Bei Diesel sind es immer noch 44 Prozent.
Die Energiesteuer wurde seit 2003 nicht angepasst – weder nach oben noch nach unten. 65,45 Cent pro Liter, festgenagelt seit über zwei Jahrzehnten. Das klingt erstmal fair. Ist es aber nicht, denn:
Seit 2021 hat die Bundesregierung klammheimlich eine komplett neue Steuer auf Kraftstoffe gelegt: die CO₂-Abgabe. 2021 gestartet mit 25 Euro pro Tonne CO₂, liegt sie 2026 in einem Preiskorridor zwischen 55 und 65 Euro. Das macht rund 17 bis 18 Cent pro Liter Benzin – eine Steuer, die es 2012 noch gar nicht gab.
Und dann der Clou: Die Mehrwertsteuer von 19 Prozent wird auf den gesamten Preis berechnet – inklusive aller anderen Steuern und Abgaben. Das heißt: Wir zahlen Steuern auf Steuern. Je teurer das Öl, desto mehr kassiert der Fiskus über die MwSt. Bei 2,13 Euro pro Liter Super sind das 34 Cent Mehrwertsteuer – 2012 waren es 25 Cent. Der Staat verdient also selbst an der Krise.
Akt 2: Der Iran-Krieg und die Straße von Hormus
Seit dem 28. Februar 2026 bombardieren die USA und Israel den Iran. Irans Revolutionsgarden haben daraufhin die Straße von Hormus gesperrt – jene 21 Meilen breite Wasserstraße, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Seehandels mit Öl fließen. Der WTI-Rohölpreis schoss innerhalb weniger Tage von 62 auf über 113 Dollar pro Barrel.

Das hat die Produktkosten für Benzin und Diesel massiv nach oben getrieben. Die Raffinerien zahlen mehr für Rohöl, die Transportkosten explodieren, Versicherungsprämien für Tanker im Persischen Golf sind durch die Decke gegangen. All das landet – natürlich – am Zapfhahn.
Akt 3: Die Mineralölkonzerne – Trittbrettfahrer der Krise
Wenn Rohöl teurer wird, steigen die Spritpreise sofort. Wenn Rohöl billiger wird, dauert es Wochen, bis die Preise an der Tankstelle sinken. Dieses asymmetrische Preisverhalten hat einen Namen: der „Raketen-und-Federn-Effekt“ – Preise steigen wie Raketen und fallen wie Federn.
Der ADAC beobachtet das seit Jahren. Die Margen der Konzerne sind intransparent, die Preismechanismen im oligopolistischen Tankstellenmarkt kaum nachvollziehbar. Wenn der Produktanteil von 67,7 Cent (2012) auf 96,2 Cent (2026) steigt – ein Plus von 42 Prozent – während der Rohölpreis unverändert ist, dann steckt da mehr dahinter als nur „gestiegene Kosten“.
Was das konkret für Motorradfahrer bedeutet
Rechnen wir mal für eine typische Saison mit 5.000 Kilometern und einem Durchschnittsverbrauch von 5 Litern pro 100 km:
| 2012 | 2026 | Differenz | |
|---|---|---|---|
| Verbrauch (250 L) | 397,25 € | 532,50 € | +135,25 € |
| davon Steuern & Abgaben | 228,00 € | 292,00 € | +64,00 € |
| davon Produkt & Marge | 169,25 € | 240,50 € | +71,25 € |
135 Euro mehr pro Saison. Für denselben Fahrspaß, dieselben Kurven, denselben Verbrauch. Nur eben mit einem Staat, der sich 64 Euro mehr aus eurer Tasche zieht, und Konzernen, die 71 Euro mehr kassieren.
Wer ein Mopped mit 6,5 Litern fährt und 8.000 Kilometer im Jahr macht, ist schnell bei über 300 Euro Mehrkosten gegenüber 2012.
Blick über den Teich: Was Benzin in den USA kostet
Und jetzt wird’s richtig bitter. Denn während wir in Deutschland über 2,13 Euro pro Liter zahlen, tanken die Amerikaner denselben Stoff für einen Bruchteil – und regen sich trotzdem darüber auf wie die Kesselflicker.
Der US-Durchschnittspreis für eine Gallone Regular Gasoline liegt laut AAA aktuell bei 4,08 US-Dollar (Stand: 1. April 2026). In den USA wird Sprit in Gallonen verkauft – eine US-Gallone sind 3,785 Liter. Beim aktuellen Wechselkurs von ca. 1 EUR = 1,15 USD ergibt sich:
| USA | Deutschland | Differenz | |
|---|---|---|---|
| Preis pro Liter | ~0,94 € | ~2,13 € | Deutschland +127 % |
| Preis pro Gallone (3,785 L) | ~3,55 € | ~8,06 € | Deutschland +127 % |
| Tankfüllung 15 L (Motorrad) | ~14,10 € | ~31,95 € | +17,85 € |
Ihr lest richtig: Wir zahlen mehr als das Doppelte. Für den gleichen Rohstoff, aus den gleichen Quellen, bei gleichem Weltmarktpreis.
Selbst das berüchtigt teure Kalifornien – mit bis zu 5,89 Dollar pro Gallone der teuerste Bundesstaat – kommt umgerechnet auf etwa 1,35 Euro pro Liter. Das wäre in Deutschland ein Schnäppchen. In Oklahoma zahlt man sogar nur 3,27 Dollar pro Gallone, umgerechnet magere 0,75 Euro pro Liter.
Warum so billig, da drüben?
Der Unterschied hat einen Namen: Steuern. In den USA liegen die Abgaben auf Benzin je nach Bundesstaat bei rund 15 bis 70 US-Cent pro Gallone – also 4 bis 18 Cent pro Liter. In Deutschland kassiert der Staat allein über Energiesteuer und CO₂-Abgabe schon über 82 Cent pro Liter – bevor die 19 Prozent Mehrwertsteuer überhaupt dazukommen.
| Steuerkomponente | USA (Durchschnitt) | Deutschland |
|---|---|---|
| Feste Kraftstoffsteuern | ~13 Ct/L | ~82,5 Ct/L |
| Mehrwertsteuer / Sales Tax | ~2 Ct/L | ~34 Ct/L |
| Steuern gesamt pro Liter | ~15 Ct | ~117 Ct |
Das ist Faktor 8. Der deutsche Staat greift pro Liter Benzin achtmal so tief in eure Tasche wie Uncle Sam.
Man muss die US-amerikanische Steuerpolitik nicht mögen. Aber wenn ein Motorradfahrer in Oklahoma für eine volle Tankfüllung 11 Euro zahlt und ein Motorradfahrer in Berlin 32 Euro – für den exakt gleichen Rohstoff – dann stimmt etwas grundlegend nicht mit der Lastenverteilung in diesem Land.
Fazit: Wir zahlen die Zeche – für alles
FAQ zum Benzinpreis 2026
Wie viel Steuern zahle ich pro Liter Benzin?
Was ist die CO₂-Abgabe auf Benzin?
Warum ist Benzin so teuer, obwohl der Ölpreis gleich geblieben ist?
Was kostet eine Tankfüllung Motorrad 2026?
Gibt es für Motorräder eine Alternative zu Benzin?
Kommt 2026 ein Tankrabatt?
Ist Benzin in Deutschland teurer als in den USA?
Die Benzinpreis-Explosion 2026 ist kein Naturgesetz. Sie ist das Ergebnis von:
- Einer neuen Steuer (CO₂-Abgabe), die seit 2021 jedes Jahr steigt und mittlerweile 17 Cent pro Liter ausmacht
- Steuern auf Steuern durch die Mehrwertsteuer, die mit jedem Preisanstieg automatisch mitverdient
- Geopolitischer Eskalation im Nahen Osten, die den Rohölmarkt erschüttert
- Raffinierten Raffineriemargen, die verdächtig schneller steigen als fallen
- Einer Steuerpolitik, die deutsche Fahrer achtmal so stark belastet wie amerikanische – bei identischem Rohstoff
Motorradfahrer trifft es besonders hart, weil wir keine Ausweichmöglichkeit haben. Kein E-Motorrad ersetzt eine Reiseenduro auf der Transfogarasch. Kein Lastenrad schleppt zwei Personen und Gepäck über die Alpen.
Was ich von der angesichts weltweiter CO₂-Emissionsmengen und des deutschen Anteils daran sowie der zur angeblichen Rettung des Weltklimas völlig sinnlosen Abgabe halte, schreibe ich dann mal in einem anderen Blog.
Die Politik hat für uns jedenfalls keine Antwort – außer: „Zahlt und haltet’s Maul!“ Und genau deshalb müssen wir lauter werden. Und zwar nicht nur an der Zapfsäule, sondern auch in der Debatte. Aber nüchtern betrachtet habe ich da wenig Hoffnung. Das gehorsamste Volk der Welt lässt es eben mit sich machen und erträgt auch das geduldig – selbst wenn es von Kriminellen, Lügnern und Nichtsnutzen gelenkt wird. Die Folge? Mag ich mir gar nicht ausmalen.
Saubande, verreckte!
Die Linke zum Gruß,
Euer Fritze von Kradmelder24
Quellen:
ADAC Kraftstoffpreisentwicklung | EIA – U.S. Energy Information Administration | KBA – Kraftfahrt-Bundesamt | IEA Oil Market Report März 2026 | Destatis – Verbraucherpreisindex | Shell – Kraftstoffpreiszusammensetzung | ADAC – CO₂-Steuer | BMUKN – CO₂-Preis 2026 | benzinpreis-aktuell.de | Fortune – Oil Price April 2026 | Al Jazeera – Iran War Oil Prices | Auto Motor und Sport – Autojahr 2026 | Autozeitung – Spritpreis-Zusammensetzung | MOTORRAD – Verbrauchsvergleich | AAA Fuel Prices | SmartAsset – Gas Prices by State 2026 | FRED – US Gas Price | Xe – EUR/USD Wechselkurs
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Von 99 cent Diesel, regten wir uns kurz bei 1,60 auf, gewöhnten uns dann. Jetzt gewöhnen wir uns mit ein bisschen Gnade der Regierung an 2,20 Euro. Auch das machen wir mit. Hauptsache, die AfD regiert nicht. Es ist nur noch zum Kotzen!