Roads To Siberia, Tage 77 und 78

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Freitag, 14. August 2015 Tynda

Unsere erste Nacht in Tynda verlief angenehm ruhig, kein ratternder Waggon, keine Störungen durch angetrunkene Bahnarbeiter, die rauchen und reden wollten, ein bequemes Bett, und so haben wir recht lange geschlafen. Leider gab es im Hotel kein Frühstück, weil das dazugehörende Restaurant geschlossen hatte, wegen der Vorbereitungen für eine geschlossene Gesellschaft. Aber egal, wir wollten eh runter zum Bahnhof und gucken, wie sich unsere Moppeds im Waggon machen und natürlich bei der Abfahrt zugucken. Maxim kam auch dazu und führte uns zum Waggon, der bereits an den Zug nach Moskau angehängt war. Wir kletterten hinein und waren erstaunt, dass der Waggon von einem Pärchen begleitet wurde, die auf den einzelnen Stationen für die Ausgabe der Fracht zuständig waren, und natürlich aufpassen sollen, dass keine Unbefugten an die Güter kommen.

Unsere Moppeds waren unversehrt und etliche Frachtstücke waren sauber um sie herumgepackt. So werden sie sicher und ohne Schäden in Moskau ankommen. Beruhigt gingen wir dann mit Maxim ins Bahnhofsgebäude, um unsere Tickets für den nächsten Zug nach Moskau zu kaufen. Maxim ging mit uns nicht in die Schalterhalle, sondern in den Verwaltungsflügel zu seiner, wie er sagte, Lieblingssachbearbeiterin. Dort wurde uns erklärt, welche Tickets es gibt und was für die gut fünf Tage dauernde Reise am Sinnigsten wäre. Wir entschieden uns dann für die teuerste Variante, ein Coupé, sprich ein abgeschlossenes Abteil mit vier Betten, wovon wir drei belegten. Der Preis war auch unserer Sicht ein Schnäppchen, umgerechnet etwa 180 € pro Nase für die 5500 km. Bereits die Strecke Hamburg-Lörrach, grad mal 700 km kostet in Deutschland genauso viel.

Tickets bestellt, kurz den Geldautomaten geplündert, und schon wir hielten unsere Tickets in der Hand. Wir sagten noch einmal Danke und gingen dann in die Bahnhofshalle zum Frühstücken. Das war nicht grad berauschend, weil eben typisch Bahnhof. Noch ein paar bewundernde Blicke auf die riesige Dampflok geworfen, die als Denkmal auf dem Bahnhofsvorplatz steht, dazu ein paar nette „Legs“ bewundern und dann gehen wir zum großen Parkplatz und nehmen ein Taxi zum Hotel.

Dort kümmerten wir uns um die Wäsche, und ich schrieb ein wenig am Blog. Gegen Abend sind wir dann essengegangen, diesmal auswärts in ein Restaurant namens Pirat oder so ähnlich. Das war recht gemütlich, und die Karte versprühte einen karibischen Charme. Aber letztlich war die Auswahl ziemlich beschränkt und so gab es Pommes, Kotelett und Salat. Allerdings irgendwie nicht in der richtigen Reihenfolge, sondern durcheinander. Die Kellnerin hatte nicht wirklich Lust auf die Arbeit und wirkte irgendwie grimmig, obwohl sie nett aussah. Erst als wir bezahlen wollten, konnte ich ihr ein Lächeln entlocken.

John kam noch mit anderen Gästen ins Gespräch, eine Frau und zwei Männer. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass sie den örtlichen „Club“ führte. Zurück im Hotel gings dann auch bald zu Bett, die letzten Tage steckten uns doch noch in den Knochen.

Samstag, 15. August 2015

Wieder kein Frühstück, diesmal wird das Restaurant für eine Hochzeit vorbereitet. Aber egal, wir wollen sowieso runter in die Stadt und ein bisschen Vorräte einkaufen für die morgige Bahnfahrt, dazu ein paar Ersatz-Kleidungsstücke für die gut 5 Tage auf der Eisenbahn. Also geht’s erst einmal rüber zu einem Kiosk, und es wird für unser klassisches Frühstück, Snickers und Cola eingekauft.

Anschließend wandern wir durch die Stadt zum sogenannten Chinesenmarkt. Hier wird aus Seecontainern heraus alles Mögliche verkauft, von Kleidung bis hin zur Outdoorausrüstung. Bei genauerem Hingucken stellt man fest, dass die Qualität der Waren dem niedrigen Preis entspricht, dabei ist sogar noch etwas Spielraum fürs Handeln drin. Wir erstehen ein paar Socken, ich ein Hemd in Größe XXXXXL, was mir gerade passt, Thom eine Jogginghose und eine große Tasche für seine Moppedklamotten.

Kurz nach dem Chinesenmarkt kommen wir an einem kleinen aber feinen Einkaufszentrum vorbei, hier sind alle Läden in russischer Hand und das Angebot ist deutlich wertiger, aber auch teurer. Sogar eine Art IKEA-Shop gibt es hier in der sibirischen Einöde. Im Angebot sind viele Dekoartikel und andere Kleinigkeiten, aber man kann auch anhand des Kataloges das komplette Programm bestellen. Dazu sind einige Boutiquen vorhanden, die entweder hochpreisigen Schmuck, Uhren oder die typischen Designerfummel anbieten. In einem Jeans-Shop werde ich dann fündig und erstehe eine Jeans, da meine Trekkinghose dringend eine Wäsche braucht.

Anschließend geht’s ins Stadtzentrum, wo wir dann in ein Café einfallen für ein frühes Mittagessen. Gemütlich wandern wir dann zurück zum Hotel. Dabei kommen wir an einem Laden vorbei, der sich Diesel-Club nennt. Er sieht recht einladend aus und wir beschließen, ihn heute Abend aufzusuchen. Im Hotel angekommen kümmern wir uns um die frischen Neuerwerbungen, sprich einpacken bzw. waschen.

Anschließend machen wir Mittagsschlaf und gegen Abend geht’s dann zum Diesel-Club, der ist zwar geöffnet, aber zu Essen gibt es nichts und es ist auch noch tote Hose im Laden. Aber die Einrichtung gefällt, sehr modern, viel Alu und etliche Moppedteile überall. Die Bar ist ausgezeichnet sortiert, das lässt für den Abend hoffen.

Also wieder zurück ins altbekannte Restaurant mit der großen Karte und der kleinen Auswahl. So gegen 22 Uhr sind wir dann wieder im Diesel-Club. Diesmal gibt es eine Einlasskontrolle und wir müssen einen kleinen Obulus als Eintritt errichten. Drinnen ist schon deutlich mehr los, viele junge Mädels, ein paar davon mit gleichaltrigen Freunden, aber auch alte Knacker, die dank ihres Geldes einige wirklich heiße Feger um sich geschart haben. Statt erwarteter Rockmusik wummert Techno aus den Lautsprechern. Aber egal, das Bier ist gut gekühlt und wir gucken uns erst einmal um.

Dann kommen ein paar Russen an unseren Tisch, sie wollen uns zum Trinken einladen und ein wenig über uns erfahren. Mehr schlecht als recht ist die darauf folgende Unterhaltung und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass Typen uns anbaggern wollen. Naja, höflich wie man ist, trinkt man halt ein paar Gläser zusammen und dann versuche ich den Typen irgendwie loszuwerden. Thom und John verkrümeln sich auf die Tanzfläche und lassen mich am Tisch sitzen. Eigentlich hab ich echt keinen Bock, noch länger hier zu bleiben, aber dann gehe ich auch auf die Tanzfläche, mit etwas Alkohol lässt sich diese Techno-Kacke sogar halbwegs ertragen. Was gäbe ich jetzt nicht für einen Song von ACDC wir Highway to Hell oder so.

Irgendwann ziehen wir uns dann zurück und marschieren ins Hotel. Dort stöpsele ich mir die Knöpfe vom iPod ins Ohr und genieße richtig schönen Hard-Rock, bis ich so richtig müde bin und einschlafe.

Wolle

Wolle

Lebt in der Nähe von Hamburg und liebt das ganz große Abenteuer. War auf seiner modifizierten 650er Xchallenge in der Mongolei und Sibirien. Für die etwas gemächlicheren Touren innerhalb Zentraleuropas zieht er jedoch als Lastesel seine zuverlässige 1200er Ténéré vor.
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