Roads To Siberia, Tag 70

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Freitag, 7. August 2015 Nowaja Tschara – Khani (ca. 160 km)

Wir wollen heute zeitig auf der Strecke sein, also relativ früh aufstehen. Das nächste Ziel ist Juktali, etwas mehr als 200 km entfernt, aber wir gehen davon aus, dass wir zwei Tage brauchen, um den Ort zu erreichen. Das „Frühstück“ bekommen wir auf dem Zimmer serviert, wobei das eher ein Witz ist und keine Mahlzeit, ein bisschen „Irgendwas“ und ein anderes „Irgendwas“, was wohl Kascha (Haferbrei) sein soll. Unterm Strich essen wir eine Bananenscheibe und diese Kascha, dazu dann ein Glas Tee. Egal, wir rödeln anschließend auf, plündern ein Magazin und tanken auf.

Weiter geht’s die BAM entlang. Zu unserer Überraschung haben wir heute eine super Piste, breit, gut gepflegt und wir können im Gegensatz zu den letzten Tagen auch die Gänge 3-5 benutzen. Als die Straße nach links abbiegt, rechnen wir damit, wieder die bekannten Verhältnisse der BAM zu bekommen, aber nein, die gut ausgebaute Piste geht weiter! In zwei Stunden machen wir gute 100 km Strecke, dann eine Pause auf einer kleinen Passhöhe und weiter geht’s die nächsten Kilometer.

Wir überholen schwere Tanklaster, da trotz voller Ladung ganz gut unterwegs sind. Nach ca. weiteren 30 km biegt die Piste links ab und dann haben wir wieder die gewohnte BAM, ausgefahrene Piste, Löcher, Pfützen, Steine, Furten, steile Anstiege und Gefälle und mehr oder weniger gute Brücken.

An einer Stelle, wo wir mal wieder vom Bahndamm zur BAM fahren, müssen wir ein tiefes Wasserloch queren, eigentlich mittlerweile Routine, aber als John nach Thom reinfährt wirft ihn der Beemer einfach ab und er nimmt ein Vollbad im schlammigen Wasserloch. Eigentlich ein Bild zum Lachen, er sieht aus wie ein begossener Pudel. Dann mit gemeinsamen Kräften das Bike aufgerichtet und siehe da, er kommt dann gut durch. Ich folge ihm und komme ebenfalls problemlos durch. John war wohl einfach wieder dran mit einem Bad.

Laut der Wegpunktliste kommt demnächst eine eingestürzte Brücke. Gegen Vier erreichen wir diese, ein erster Blick lässt uns zweifeln, ob wir da rüberkommen, immerhin fehlen die letzten 3 Meter zum anderen Ufer, lediglich auf der linken Seite scheint es möglich zu sein, die Lücke mit einer Planke zu überbrücken. Eine Furt ist nicht in Sicht, außerdem hat der Fluss eine starke Strömung und zurzeit reichlich Wasser.

Wir finden dann eine Planke, oder in diesem Fall eher ein 15 cm schmales Brett, das möglicherweise das Gewicht der Moppeds tragen kann. Leider hängt die Brücke auch noch etwas nach rechts, während wir eigentlich nach links müssen… Schaun wir mal. Zuerst wollen wir die leichten Moppeds rüber bringen, dann Johns Beemer, allerdings ohne Koffer, die werden abgebaut und einzeln rüber gebracht. Wir fahren unsere Moppeds zur Engstelle, wo jeweils die anderen Zwei paratstehen. Es ist in der Tat etwas tricky, die Kräder dann auf dem rutschigen Holz so zu manövrieren, dass wir mit Vorder- und Hinterrad das schmale Brett erwischen, aber es klappt besser als erwartet, nach dem Brett kommt noch ein steiler und enger Anstieg, aber auch das klappt. Sogar mit Johns dickem Beemer geht es besser als erwartet. Nach einer Stunde sind die Maschinen und die Koffer auf der anderen Seite und wir freuen uns wie die Schneekönige, auch dieses Hindernis gemeistert zu haben!

Kurz hinter der Brücke ist eine Lichtung, und wir beschließen hier unser Lager aufzuschlagen, weil wir heute eh nicht mehr nach Juktali kommen. Außerdem muss John seinen Anzug und einiges aus den Koffern trocknen, was beim unfreiwilligen Bad nass geworden ist. Da auf der Lichtung reichlich Platz ist, beschließen wir trotz der Waldbrandgefahr, heute ein Feuer zu machen. Einmal wegen Johns Klamotten, zum anderen wegen der Mücken und Bären, außerdem ist es gemütlich. Wir haben genügend Zeit zum Kochen und dann machen wir es uns gemütlich am Feuer. Wir plaudern über das was hinter uns liegt und uns wohl noch erwartet, ab morgen müssen wir einige große Bahnbrücken überqueren, das macht uns dann doch etwas Unbehagen. Gegen Elf kriechen wir dann in unsere Zelte und schlafen recht gut, weil wir doch so langsam die tägliche Anstrengung merken!

Wolle

Wolle

Lebt in der Nähe von Hamburg und liebt das ganz große Abenteuer. War auf seiner modifizierten 650er Xchallenge in der Mongolei und Sibirien. Für die etwas gemächlicheren Touren innerhalb Zentraleuropas zieht er jedoch als Lastesel seine zuverlässige 1200er Ténéré vor.