Roads To Siberia, Tag 67

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Dienstag, 4. August 2015

Wir haben unsere ersten Erfahrungen mit den mehr oder weniger kaputten Brücken gesammelt. Dazu ein paar Furten und viele Pfützen durchquert, ein bisschen Schlamm genossen, und zum Schluss sind wir dann schon gar nicht mehr an jeder Brücke angehalten, um sie zu inspizieren. Meistens reichte ein kurzer Stopp, einmal über die Brücke gucken und mit reichlich Gas drüber. Nur längere Brücken mussten nach wie vor erst einmal abgeschritten werden, weil sich doch hin und wieder ein paar Lücken auftun.

Unterwegs nach Taksimo trafen wir bei Jantschukan an einem Wegweiser noch zwei betrunkene Brüder in ihrem Lada Niva. Nachdem die Frage nach dem Wohin geklärt war, bekamen wir noch ein paar gute Ratschläge, wie wir am besten weiterfahren, so dass wir die BAM womöglich in unter 10 Tagen bewältigen können. Ein Irrglaube, wie sich später herausstellen sollte.

In Taksimo haben wir dann drei Gostinizas zur Auswahl, bei der ersten reicht ein kurzer Blick auf die Fassade und wir sind uns einig, hier steigen wir nicht ab! Nummer zwei sieht schon besser aus, aber wir wollen uns dann doch auch die dritte angucken. Diese sieht am besten aus, ist aber leider belegt, also zurück zur zweiten, die dann doch gar nicht so schlecht ist. Wir bekommen zwei schöne Zimmer.

Dann geht es per Taxi zum einzigen noch geöffneten Café zum Abendessen. Unser Tischgespräch dreht sich um den morgigen Tag, wo die Überquerung der Vitim-Brücke ansteht, das Wahrzeichen der BAM überhaupt. Zurück zur Gostiniza geht es dann zu Fuß, beladen mit den Einkäufen für die nächsten Tage.

Die Vitim-Brücke

Heute gilt es, diese Brücke zu überqueren und vielleicht auch noch den Kuanda. Im Prinzip sind das keine hundert Kilometer, aber wir sind uns nicht sicher, ob das klappen wird.

Wir haben zwar einen guten Start und können eine halbwegs gute Piste entlang fahren, aber nach einer halben Stunde ist der Spaß vorbei. John hat einen Plattfuß, jedenfalls nehmen wir das zunächst an. Also Vorderrad vom Beemer ausbauen und nach dem Verursacher suchen. Doch wir finden weder einen Nagel, noch so etwas Ähnliches. Beim Aufpumpen stellen wir dann fest, dass die Felge dermaßen verzogen ist, dass ein Schlauch eingezogen werden muss, damit wir weiterkönnen. Zum Glück hat John Schläuche dabei. Der Rest ist dann ruckzuck erledigt und wir können weiter.

Doch mit zügig ist es vorbei, die BAM zeigt nun ihr wahres Gesicht. Tiefe und vor allem lange Pfützen sind zu durchfahren, dazu Brücken, die zwar ganz stabil sind, aber Fahrspuren aus zwei oder maximal drei Eisenbahnschwellen haben, nicht ausreichend breit genug, um die Brücken sicher befahren zu können. Also ist Schieben oder Füßeln angesagt. Wir entscheiden uns zunächst dafür, jeweils ein Mopped zu Dritt über die Brücke zu bringen, sprich einer füßelt oder schiebt, die anderen leisten Unterstützung.

Bei einer der Brücken kommt uns dann ein Uazzik mit Anhänger entgegen, der einfach drauflos fährt, naja, er kennt das ja, schließlich wohnt er hier.

Eine dieser maroden Brücken hat traurige Berühmtheit erlangt, weil Joe Dakar in 2013 mit seiner F800GS Adventure von dieser Brücke gestürzt ist und sich böse wehgetan hat. Damit war dann seine Reise leider zu Ende.

Dann ist sie da, die Mutter aller Brücken. Im ersten Moment sieht sie gar nicht so schlimm aus, aber wenn man sie betritt, wird es einem doch schwummerig. So oder so, bevor wir drüberfahren, müssen wir sie abgehen und nach fehlenden Bohlen oder Schwellen absuchen. Hmh, selbst zu Fuß ist sie beeindruckend, weil relativ schmal, etwa zwei Meter breit und verdammt hoch über dem Fluss Vitim, der zwar nicht grade Hochwasser hat, aber trotzdem breiter als die Elbe bei Geesthacht ist. Dazu kommt, dass die Eisenbahnschwellen teilweise recht weit auseinanderliegen, so dass man zwischen ihnen durchgucken kann und den rauschenden Fluss sieht. Wir entdecken dann einige Stellen, die zu weit auseinanderliegen, als dass wir sie ohne Weiteres überqueren können. Speziell die Brückenmitte hat es in sich, hier müssen wir auf ein Podest hinauf mit einer 20 cm Stufe. Naja, die restliche Hälfte der Brücke ist auch nicht in besserem Zustand, aber wir haben das ja so gewollt.

Zum Glück finden wir ein paar Bohlen, mit denen wir die Lücken überbrücken können. Im Endeffekt müssen wir die Brücke dann viermal queren, jeweils 600 m je Richtung. Auf geht’s, zuerst bringen wir Thom mit der KTM rüber, wobei er die letzten hundert Meter fährt, dann John mit seinem Beemer, auch John fährt den Rest, wobei er eigentlich zu früh losdüst, weil noch zwei Stellen mit größeren Lücken zu überbrücken wären. Zum Schluss dann ich, und weil ich Barbara versprochen hatte, auf Nummer Sicher zu gehen, schiebe ich die XChallenge rüber. Nachdem wir die Brücke geschafft haben machen wir noch eine Pause. Insgesamt haben wir drei Stunden für die Vitim-Brücke gebraucht.

Da es bereits späterer Nachmittag ist, werden wir Kuanda nicht mehr erreichen können, und so halten wir Ausschau nach einer Möglichkeit zum Kampieren aus. Nach einer weiteren, zum Glück einfacheren Brücke ist links und rechts der Straße ausreichend Platz für die Zelte. Also halten wir hinter der Brücke an und bauen unser Lager auf. Zum Glück sind diesmal die Mücken nicht so aufdringlich und lassen uns weitgehend in Ruhe.

Wir kochen Nudeln mit Fleisch aus der Dose und natürlich Kaffee. Dann sitzen wir noch ein bisschen rum und lassen den Tag Revue passieren. Die Bahn ist nicht weit weg, und so begleitet uns das Donnern der vorbeifahrenden Züge durch die Nacht. Als wir dann in den Zelten liegen, kommt doch tatsächlich noch ein Ural-Lkw die Straße entlang! Zum Glück haben wir genug Platz gelassen, so dass er nicht über unsere Zelte fährt.

Wolle

Wolle

Lebt in der Nähe von Hamburg und liebt das ganz große Abenteuer. War auf seiner modifizierten 650er Xchallenge in der Mongolei und Sibirien. Für die etwas gemächlicheren Touren innerhalb Zentraleuropas zieht er jedoch als Lastesel seine zuverlässige 1200er Ténéré vor.