Roads To Siberia, Tag 65

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Sonntag, 2. August 2015

Ab heute fahren wir auf der BAM! Nach allem, was wir wissen, wird das kein Spaß, sondern richtig harte Arbeit und schwierig für Mensch und Maschine. Aber genau das haben wir gewollt, als wir diese Reise geplant haben.

Vielleicht noch ein paar Worte zur Baikal-Amur-Magistrale: Die ersten Planungen für diese Bahnlinie begannen in den 1930er Jahren, und es wurden auch einige Kilometer Schienen verlegt, allerdings im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wieder demontiert, weil die Gleise für die im Westen vorrückende Front gebraucht wurden. In den 1970er Jahren dann wurden die Planungen wieder aufgenommen, weil sich die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und der Volksrepublik China verschlechterten und man aus strategischen und wirtschaftlichen Erwägungen heraus eine Ergänzung der Transsibirischen Eisenbahn weiter entfernt von der chinesischen Grenze für notwendig erachtete. Der Bau der Trasse wurde als nationales Großprojekt behandelt und auch der Komsomol (politischer Jugendverband) wurde intensiv eingebunden. Zur Vorbereitung wurde eine Baustraße entlang der geplanten Eisenbahnstrecke gebaut. Nach Abschluss der Bauarbeiten und Einweihung der Bahnstrecke wurde die Straße mehr oder weniger sich selbst überlassen. Nur regional wurde noch ein wenig Straßenunterhalt betrieben. Was bedeutet, dass viele Brücken mittlerweile ziemlich baufällig sind, die Straße teilweise kaum noch als Straße zu bezeichnen ist und wir uns letztlich mitten durch die Taiga kämpfen werden. Zwar gibt es alle 100 oder 200 km kleine Ortschaften, und auch die Bahnstrecke wird meist in Sichtweite verlaufen, doch es wird auf jeden Fall ein Abenteuer werden. Das heißt, einmal wird die Eisenbahntrasse als BAM bezeichnet, und die parallel verlaufende ehemalige Baustraße ebenso. Streckenweise wird heute wieder an der Trasse gearbeitet, so sind einige Brücken neu angelegt, und es gibt Teilstrecken, die gut instandgehalten werden.

Doch zurück zum aktuellen Geschehen. Nach den gestrigen Erfahrungen mit den Mücken verzichten wir auf ein ausgedehntes Frühstück, aber ein Kaffee muss schon sein.

Dann wird das Camp in Rekordzeit abgebrochen und wir machen uns auf den Weg. Ein festgelegtes Tagesziel haben wir nicht, aber Sewerobaikalsk soll es mindestens sein. Die Straße beginnt vielversprechend, aber es wird letztlich wie gestern, ruppig, Waschbrett und viele Steine.

Wirklich zügig geht es nicht voran, trotzdem reiht sich Kilometer an Kilometer. Es geht bergauf und bergab, meistens parallel zur Bahntrasse. Gegen späten Vormittag machen wir in den Bergen eine Pause, zu unserer Freude ohne Mücken. Es gibt Brot, Wurst und Käse, dazu unsere Schokokekse. Kurz vorher gabs noch einen Fotostop am Schild der BAM.

Nach einer guten Stunde geht es dann weiter, und am Nachmittag erreichen wir Sewerobaikalsk. Nach kurzer Überlegung suchen wir eine Unterkunft. Die letzten Kilometer haben doch einige kleinere Macken an den Bikes hervorgerufen, und ich habe ein merkwürdiges Schlagen am Heck der XChallenge, das es aufzuspüren gilt. Wir kommen in einer Gostiniza unter, die einen guten Eindruck macht, und wir belegen dort zwei Hütten.

Während Thom und John die notwendigen Einkäufe erledigen, kümmere ich mich um meine BMW und kann soweit alle Probleme beheben und sogar noch ein paar andere Kleinigkeiten pistenfest machen. Thom bekommt noch meine USB-Steckdose, und damit sind die Bikes fit für den nächsten Tag. Von der Wirtin werden wir noch auf einen großen Waldbrand aufmerksam gemacht, der am anderen Ufer des Baikal tobt und dessen Qualmwolken sogar von hier zu sehen sind.

Nach der Dusche geht es dann in ein Café, wo wir mal wieder richtig lecker zu Essen bekommen. Dazu ein kühles Bier und die Welt ist in Ordnung. Auf dem Rückweg gucken wir noch einmal am See vorbei, dort können wir das Wüten des Waldbrandes gut sehen, eine richtig rote Flammenwand zeigt sich am anderen Ufer. Glücklicherweise sind wir nicht davon betroffen, da die obere Angara mit ihrem breiten Flussbett ein Vordringen des Feuers nach Norden verhindert. Trotzdem beschließen wir in Sachen Feuer sehr vorsichtig zu sein und lieber umzukehren als geröstet zu werden. Immerhin ist es dies Jahr wieder außergewöhnlich trocken in Sibirien.

Zurück in den Hütten geht es dann schnell ins Traumland, auch wenn es ein kurzer Fahrtag war, die Piste steckt uns doch ein bisschen in den Knochen.

Wolle

Wolle

Lebt in der Nähe von Hamburg und liebt das ganz große Abenteuer. War auf seiner modifizierten 650er Xchallenge in der Mongolei und Sibirien. Für die etwas gemächlicheren Touren innerhalb Zentraleuropas zieht er jedoch als Lastesel seine zuverlässige 1200er Ténéré vor.