Roads To Siberia, Tag 62

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Donnerstag, 30. Juli 2015

Langsam wird es ernst, wir nähern uns der Baikal-Amur-Magistrale, zwar über einen Umweg in Richtung Olchon, aber Richtung Norden passt schon! Doch zunächst gilt es zum letzten Mal, die ekligen Tischmanieren der Chinesen beim Frühstück zu ignorieren. Danach schnell aufrödeln und los geht’s.

Wir arbeiten uns durch den Berufsverkehr von Irkutsk zu einer Tankstelle, wo wir Wasser und Benzin fassen. Danach geht es durch die Außenbezirke Richtung Baikal. Thom hat eine kleine Nebenstraße ausgeguckt, die uns abseits der Hauptroute zur Insel Olchon bringen soll.

Zunächst haben wir ein bisschen Fahrspaß auf gutem Asphalt, dann wird’s eine gute Schotterpiste. Als wir dann links abbiegen müssen, wird’s wieder so, wie wir es uns gewünscht haben: eine kleine Piste ohne allzu viele Schlaglöcher und Staub. Wir rollen gemütlich dahin, bis die Piste ihr wahres Gesicht zeigt: Matsch, tiefe Löcher und Pfützen, die oft über die ganze Breite der Piste reichen.

Ohne allzu groß zu übertreiben kann man sagen, dass manche Löcher tief genug sind, um den Galaxy der Scharberts darin zu versenken. Aber es ist eben wie es ist, Umkehren ist keine Lösung. Wir betrachten das einfach als Vorstufe zur BAM. So kämpfen wir uns langsam Kilometer für Kilometer vorwärts, durchfahren vorsichtig die tiefen Pfützen, eiern durch den Schlamm und müssen Johns BMW einmal aus einer tiefen Pfütze bergen, in der er einfach stecken geblieben ist. Glücklicherweise ließ sich die Bergung gut an und wir brauchten nur 10 Minuten, bis das gigantische Krad aus dem Schlamm befreit war.

Später hatte ich das, hmh, naja, Vergnügen, zu sehen wie John beim Durchfahren einer tiefen Pfütze vom Mopped in dieselbe katapultiert wurde und sein Beemer sich elegant auf die Seite legte. Glücklicherweise ist weder ihm noch der Maschine was Ernsthaftes passiert. Okay, Johns Anzug hat eine neue Farbe bekommen, nämlich Schlammbraun, aber sonst war alles gut.

Das Motorrad war schnell aufgehoben und weiter gings. Kurz danach war ich in einer schlammigen Passage etwas übermotiviert mit dem Gasgeben und musste die XChallenge kontrolliert ablegen, um einen Ausflug in die Botanik zu verhindern. Glücklicherweise konnte ich sie alleine wieder aufrichten und fuhr etwas vorsichtiger weiter.

Ich glaube, wir haben uns so um die 30 Kilometer über diese Piste kämpfen müssen, bevor es besser wurde, sprich, kaum Matsch, weniger und vor allem weniger tiefe Pfützen. Zum Abschluss hatten wir dann unsere erste richtige Furt, in diesem Fall sogar willkommen als Abkühlung!

Am frühen Nachmittag kamen wir dann wieder auf eine breite und gut gepflegte Piste, die an einem Fluss entlang führte. An einer einladenden Stelle hielt Thom an, und wir gönnten uns ein Bad im angenehm kühlen Fluss. Interessanterweise hatten die dort schwimmenden kleinen Fische großes Interesse an uns und versuchten überall an uns zu knabbern. Hmh, war schon strange das Ganze, aber solange es nur Beine oder Füße waren, konnte man es aushalten.

Die Straße führte uns dann in ein abgelegenes Dorf am Ufer des Baikal, wo wir uns ein Eis und erfrischende Getränke gönnten. Laut Aussage eines Einheimischen soll die Straße sehr schlecht sein, doch das Gegenteil war der Fall, eine gut gepflegte und schnelle Piste führte uns wieder zur Hauptstraße, und so ging es zügig weiter zur Fähre zur Insel Olchon. Dort mussten wir zwei Fähren abwarten, bevor wir übersetzen durften. Interessanterweise mussten die Fahrzeuge alle rückwärts von Bord fahren, obwohl die Fähren an Bug und Heck jeweils eine Rampe hatten.

John in „Desert Khaki“ (wk)

Während der Überfahrt kommen wir mit einem Ungarn ins Gespräch, der hier die Familie seiner Frau besucht. Er ist völlig begeistert von unserem Vorhaben und gibt uns seine Karte, wenn möglich möchte er bei einer möglichen nächsten Tour von uns dabei sein, schließlich ist er selber begeisterter Motorradfahrer.

Weil es dann doch schon 19 Uhr wurde, haben wir uns bei der ersten Möglichkeit in einer Hütte einquartiert. Die war recht gemütlich, und nach einer heißen Dusche und einem guten Essen saßen wir noch etwas auf der Veranda und quatschten ein wenig, bevor es dann in die Kissen ging.

Wolle

Wolle

Lebt in der Nähe von Hamburg und liebt das ganz große Abenteuer. War auf seiner modifizierten 650er Xchallenge in der Mongolei und Sibirien. Für die etwas gemächlicheren Touren innerhalb Zentraleuropas zieht er jedoch als Lastesel seine zuverlässige 1200er Ténéré vor.