Roads To Siberia, Tag 56

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Freitag, 24. Juli 2015

Nach einem Frühstück geht es wieder weiter, allerdings fällt uns das Aufstehen doch recht schwer, der gestrige Ausritt steckt uns doch noch in den Knochen. Aber egal, es geht trotzdem weiter. Zunächst wieder diese ausgefahrene Piste zurück, dann schöner Asphalt bis Mörön, wo wir einen Stopp einlegen wegen Tanken, Geld holen und natürlich etwas zu Essen.

Hier schalte ich mein Handy wieder ein, weil am See null Empfang war. Überraschenderweise habe ich eine SMS von Klaus „Mong“, den ich aus dem Mimoto-Forum kenne, und der drei Wochen nach uns aufgebrochen ist. Er war ebenfalls am See, allerdings nahe der Stadt und nicht ganz so weit draußen wie wir. Schade, dass wir uns da verpasst haben. Aber immerhin besteht die Chance auf ein Treffen, da wir nicht so weit auseinanderliegen. Ich beantworte die SMS, und danach geht es weiter Richtung Erdenet. Mittlerweile ist die Straße von Ulaan Bataar bis Mörön komplett asphaltiert und so geht es recht zügig voran. Die Landschaft verändert sich langsam, es erinnert ein bisschen an den Schwarzwald mit den bewaldeten Bergen und Hügeln, dazu ist die Besiedlung im Verhältnis zum gewohnten „Nichts“ nahezu dicht, regelmäßig tauchen kleine Siedlungen auf, und einmal steht quasi mitten im Nirgendwo ein Schloss, wohl gedacht als Ressort für wohlhabende Mongolen, die dort ein bisschen ausspannen können. Merkwürdigerweise müssen wir hier an einer Mautstation anhalten und 500 Tugrik je Mopped Straßengebühr bezahlen. Immerhin ist es ja tatsächlich eine asphaltierte Straße.

Am späteren Nachmittag halten wir dann für einen Snack an einer der sich mittlerweile häufiger zeigenden Raststätten an. Während wir ein Snickers und eine Cola genießen, brausen 2 Moppeds an uns vorbei, die dann plötzlich in die Eisen gehen, weil sie meine auffällige Maschine gesehen haben. Es ist Klaus „Mong“ und ein Norweger, die sich für die Mongolei zusammengetan haben. Echt cool, dass wir uns getroffen haben. Nun wird erst einmal eine Runde gequatscht, es werden Erfahrungen ausgetauscht und natürlich Bilder gemacht. Klaus ist echt ein netter Typ, und ich freue mich riesig, dass es mit dem Treffen geklappt hat! Es stellt sich heraus, dass seine Frau verwandt ist mit der Betreiberin des Oasis in Ulaan Bataar, was für ein Zufall! Eventuell können wir uns dort auf ein Bier treffen, je nachdem, wie es bei uns mit der Baikal-Amur-Magistrale (BAM) klappt. Schaun wir mal.

Nach einer Stunde wird dann aufgesattelt, zwar haben beide Gruppen Erdenet als Ziel, aber wir sind mit unterschiedlicher Geschwindigkeit unterwegs. Daher verlieren wir die beiden schnell aus den Augen.  Doch nach vielleicht 20 km sehen wir ein Mopped am Straßenrand stehen, es ist Klaus‘, welches wegen Spritmangels liegengeblieben ist. Natürlich helfen wir ihm aus, John hat zum Glück ein paar Liter im Kanister. Das ist wirklich ein Knaller, erst liegen Tage zwischen uns, dann sowas.

Das ist wirklich spannend. Glücklich startet Klaus und düst ab in Richtung Tankstelle, während wir mit unserem gewohnten Reisetempo, so um die 80 km/h in die gleiche Richtung starten. An der Tanke wird noch einmal zum Gruß gehupt, und weiter geht’s nach Erdenet. Kurz vor der Stadt sieht Thom ein Hinweisschild auf ein anscheinend schön gelegenes Ger-Camp. Nach kurzer Beratung entscheiden wir uns dafür, es einfach mal auszuprobieren. Gut neun Kilometer offroad sind es, bis wir das wirklich malerisch gelegene Camp erreichen. Betrieben wird es wohl von einem Amerikaner mit seiner mongolischen Frau und ein paar Helfern, der hier seit etlichen Jahren lebt und dieses Camp aufgebaut hat. Es macht soweit einen guten Eindruck, und wir richten uns in einer Hütte häuslich ein. John hat noch ein paar Kleinigkeiten an seiner Adventure zu schrauben, dann gehen wir duschen, naja, nicht wirklich duschen, weil erstens kaltes Wasser und zweitens nicht wirklich sauber. Egal, mittlerweile sind wir einiges gewohnt. Dann wird zum Abendessen gerufen.

Es sind noch zwei weitere Gäste anwesend, ein Freund vom Betreiber, ebenfalls Amerikaner, und dessen Freundin, die auf Urlaub hier ist. Er selber betreibt hier so etwas wie River Rafting und will selber demnächst auf Tour gehen. Wir bekommen ein schönes kaltes Bier angeboten und ein wirklich gutes Essen. Soweit so gut. Das Tischgespräch dreht sich überwiegend um unsere Reise, aber irgendwie kommen mir die Amerikaner komisch vor. Beide haben diese typischen Stecknadelpupillen, die ich von Drogis kenne. Wir kriegen mit, dass sie wohl ziemlich oft vom selbst angebauten Hanf naschen.

Als es dunkel wird, verabschieden wir uns und gehen schlafen. Nachts schüttet es dann wie aus Eimern, aber zum Glück ist die Hütte dicht. Doch leider muss ich zweimal raus, und das ist dann doch nicht so toll bei dem Regen, aber die Natur fordert halt ihr Recht!

Wolle

Wolle

Lebt in der Nähe von Hamburg und liebt das ganz große Abenteuer. War auf seiner modifizierten 650er Xchallenge in der Mongolei und Sibirien. Für die etwas gemächlicheren Touren innerhalb Zentraleuropas zieht er jedoch als Lastesel seine zuverlässige 1200er Ténéré vor.
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