Roads To Siberia, Tag 50

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Samstag, 18. Juli 2015

Nach einem Frühstück mit Brot, Marmelade und Kaffee ging es weiter. Wir nahmen die neue Asphaltstraße in der Annahme, sie wäre die Fortsetzung der Nordroute, doch falsch gedacht. Sie führte uns weiter südlich den Chjargas Nuur entlang. Aber egal, am Ende des Sees gibt es laut Karte eine Piste, die uns wieder auf die Nordroute bringt. So schön der Asphalt ist, so öde erscheint die Fahrerei, kaum Abwechslung durch die Landschaft. Dann kommt der See in Sicht, gar nicht schlecht, und er bietet anscheinend den einen oder anderen Strand. Sogar so etwas wie einen kleinen Badeort haben wir passiert.

Also dachten wir uns, wir gucken mal nach einem ruhigen Abschnitt und versuchen an das Ufer zu kommen. Thom fand eine Abzweigung und wir beschlossen zu baden. Doch das erwies sich als nicht so einfach, die Abzweigung erwies sich als ziemlich kompliziert zu fahren, weil sehr sandig, teilweise über 10 cm tief. Thom kam soweit gut durch, John nicht. Er musste unabsichtlich absteigen. Also anhalten, Johns GSA aufrichten und schieben, damit er sie durch den Sand bekommt. Mit der XChallenge klappte das ganz gut, dann wieder Tiefsand, John blieb wieder stecken, und mit gemeinsamer Kraft haben wir seinen Apparat wieder freibekommen. Und es fehlten noch 500 m zum Strand. Irgendwie hatten wir die Nase voll, also lieber umdrehen als den ganzen Tag im Sand spielen. Noch zweimal mussten wir Schiebehilfe geben, bevor wir wieder die Straße erreicht haben.

Am Ende des Sees war dann der Asphalt zu Ende und wir hatten wieder die gewohnte Pistenvielfalt, staubig ohne Ende, und in der Mitte die für den Asphalt vorbereite neue Straße. Was für ein Staub, gefühlt hatte jedes Fahrzeug eine Staubschleppe bis zum Horizont.

Also versuchte jeder von uns, wieder die beste Spur für sich zu finden. Was gar nicht einfach war, oft hatten wir die Wahl zwischen tiefem Sand, Waschbrett und Waschbrett. Aber irgendwie kamen wir dann doch voran. So gegen Drei am Nachmittag hielten wir an einer Art Cafe, sprich ein Haus, ein Ger und ein paar Schuppen. Als wir anhielten, kam ein Mongole auf uns zu und lud uns in das Ger ein. Es gab Tee und dann machten wir deutlich, dass wir etwas zu essen haben wollten.

Dazu dann ein kühles Getränk. Sie schienen uns verstanden zu haben, denn seine Frau und Tochter machten sich anscheinend an die Arbeit. Ich will nicht ungerecht sein, aber die beiden waren ausgesprochen unansehnlich. Das Essen kam, das übliche Nudelgericht mit viel fetten Fleisch. Naja, die Nudeln schmeckten ganz gut und das Fleisch probierte ich gar nicht erst. Trotzdem schien es Thom und John zu schmecken.

Nach dem Essen ging es dann über die Piste weiter. Irgendwann erreichten wir die Stelle, wo die Bauarbeiten endeten und nur die Piste mit ihren vielen Spuren übrig bleib. Noch gut eine Stunde hatten wir auf ihr zu fahren, bis die Abzweigung kam.

Die neue Piste erwies sich als gut zu fahrender Feldweg, zunächst wirkte sie recht unbenutzt, dann kamen immer mehr Tracks dazu und wir waren uns nun sicher, auf dem richtigen Weg zu sein. Da wir noch ein gutes Stück zu fahren hatten, beschlossen wir zu kampieren, wir hatten ja noch unsere Notration aus Trockennudeln und Müsli-Riegeln. Thom fand dann einen guten Platz für unser Lager. Nachdem alles aufgebaut war, gabs erst einmal einen Mac-Kaffee, dann machten wir uns an die „Notration“, im wahrsten Sinne nur in der Not wirklich genießbar – aber was soll’s.

Irgendwie bekamen wir das auch hinunter. Allerdings haben wir die Müsliriegel dann doch fürs Frühstück aufgehoben. Noch der übliche Abendplausch und ein kritischer Blick zu den Wolken und dann verschwanden wir alle im Zelt. Zum Glück haben wir keinen Regen abbekommen, obwohl am Horizont einige Blitze zu sehen waren, wie John morgens erzählte.

Wolle

Wolle

Lebt in der Nähe von Hamburg und liebt das ganz große Abenteuer. War auf seiner modifizierten 650er Xchallenge in der Mongolei und Sibirien. Für die etwas gemächlicheren Touren innerhalb Zentraleuropas zieht er jedoch als Lastesel seine zuverlässige 1200er Ténéré vor.
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