Roads To Siberia, Tag 49

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Freitag, 17. Juli 2015

Heute geht es dann ans „Eingemachte“, wir steigen in die Nordroute ein. Doch vor dem Vergnügen steht die Arbeit, an Thoms Bike haben wir einen Plattfuß, vorne ist die Luft raus. Also schnell das Werkzeug rausgeholt und den Schlauch gewechselt. Dann können wir starten, und nach dem Tanken geht es dann los.

Es geht von Olgii gen Norden, am Achit-Nur-See vorbei, über Hotgor und Burgastay nach Ulangom. Schon in der Stadt gehen wir auf eine staubige Piste. Diese schlängelt sich durch ein Flusstal und lässt sich, abgesehen vom Staub, recht gut fahren. Wir sind so ungefähr mit 40-50 km/h unterwegs. Nach einer Stunde überholen wir zwei Motorradreisende aus Deutschland, allerdings wegen des Staubes ohne anzuhalten. Dann geht es aus dem Flusstal hinaus auf eine Ebene. Hier teilt sich die Piste in vier Arme, und ein Schild mit verschiedenen Ortsnamen soll wohl Reisenden den richtigen Weg weisen. Uns hilft das jedoch nicht viel. Während wir noch rätseln, haben die beiden Reisenden aufgeschlossen. Also werden jetzt erst einmal Erfahrungen und das Woher und Wohin ausgetauscht. Für mich interessant ist, dass eine XT1200Z mit von der Partie ist.

Soweit hat sie sich ganz gut geschlagen, aber ist letztlich, wie die GS von John, eigentlich zu schwer für diese Pisten. Weiter geht’s, wir entscheiden uns für eine Piste und stellen schnell fest, dass Navigation in der Mongolei nicht ganz ohne Tücken ist. Wir haben uns nämlich für die falsche Piste entscheiden. Zum Glück können wir mit einer kurzen Querfeldeineinlage den Fehler korrigieren. Dann queren wir ein Flusstal und es wird sandig. Zum Glück geht das ganz gut und wir haben Glück, es gibt eine Brücke anstatt der erwarteten Furt.

Wir machen kurz Pause, und da taucht ein 40 Tonnen Lkw auf, der kurz anhält und eine Horde aufdringlicher Kinder auslädt. Die nerven wirklich, müssen alles angrabbeln und sind recht distanzlos. Also rödeln wir auf und machen uns davon. Dann passiert es: wir sind gerade auf unterschiedlichen Tracks unterwegs, als mein Track plötzlich scharf rechts geht und John und Thom nach links fahren. Laut Navi bin ich auf dem richtigen Weg, doch kann ich die Beiden nicht mehr sehen. Also anhalten, warten, umdrehen, nichts zu sehen. Ich fahre wieder weiter, um auf den anderen Track zu kommen, wieder nichts zu sehen. Also den Track zurück zum Anfang und da warten sie auf mich.

Und die Moral der Geschichte ist: immer zusammenbleiben und aufpassen, dass man nicht außer Sicht gerät!

Jetzt wird es felsiger und die Piste ruppiger, wir queren ein großes Geröllfeld, was wohl im Frühjahr verdammt viel Wasser führt. Auch der Lkw taucht wieder auf und ist viel zügiger unterwegs als wir, der Anhänger springt nur so herum, aber das stört den Fahrer nicht. Aber an Johns Felge kann man ablesen, wie ruppig die Piste ist.

Interessanterweise liegen überall Kohlenstücke herum. Keine Ahnung, woher die stammen. Dann erreichen wir eine kleine Ortschaft, oder besser gesagt: ein gottverdammtes Loch, das eine Bergarbeitersiedlung ist, wie wir anhand eines Denkmals und einer großen Abraumhalde erkennen können. Wirklich heimelig sieht das Kaff nicht aus und irgendwie wirken die die Bewohner sehr unfreundlich und verschlossen. Danach geht es einen Pass hinauf, vorbei an vielen Gers, wie die Jurten hier heißen. Überall weiden Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde.

Wir treiben unsere Kräder über den Pass und erreichen schließlich die A16, die Hauptstraße der Nordroute. Wobei Hauptstraße hier nur bedeutet, dass die Piste doppelt so breit wie gewöhnlich ist, und es gibt etwas mehr Verkehr. Noch ein oder zwei Stunden erreichen wir die Abzweigung nach Ulangom, die Straße ist sogar geteert, eigentlich schade, aber andererseits nach gut sieben Stunden Pisten eine willkommene Abwechslung. Ulangom empfängt uns mit einer Mautstation. Okay, wir zahlen 500 Tugrik pro Motorrad und dürfen in die Stadt. Erst einmal Vorräte aufstocken. Weil wir campieren wollen, tanken wir nur und weiter geht es. Als wir aus der Stadt rausfahren, empfängt uns eine perfekte Asphaltstraße, der wir zunächst folgen. Da es schon spät ist, entscheiden wir uns für ein Ger Camp, das an einem malerischen Fluss liegt. Letztlich eine gute Entscheidung und wir können gleich mit dem Kochen anfangen. Doch zuerst gibt es einen Kaffee.

Das Wirtspaar erweist sich als sehr freundlich und hilfsbereit, sie stellen uns sogar eine Boom-Box mit mongolischer Musik hin. Am Ende war es ein toller und anstrengender Fahrtag, mit vielen Eindrücken und den diversen Arten von Pisten in der mongolischen Wildnis.

Wolle

Wolle

Lebt in der Nähe von Hamburg und liebt das ganz große Abenteuer. War auf seiner modifizierten 650er Xchallenge in der Mongolei und Sibirien. Für die etwas gemächlicheren Touren innerhalb Zentraleuropas zieht er jedoch als Lastesel seine zuverlässige 1200er Ténéré vor.
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