Roads To Siberia, Tag 33

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Mittwoch, 1. Juli 2015

Heute soll es zurück nach Kasachstan gehen. Thom hat eine kleine Straße ausgemacht, die parallel zur Hauptstraße läuft und kurz vor der Grenze auf die Hauptstraße trifft. Also packen wir unsere Sachen und machen uns auf den Weg.

Die Straße ist gewohnt staubig aber gut zu befahren. Es geht durch etliche Dörfer, teilweise sind die Ortsdurchfahrten sogar asphaltiert. Langsam und stetig steigt die Straße an, bis wir links abbiegen müssen. Hier wird es dann doch für ein paar Kilometer tricky, wieder diese Rollsteine, aber dafür werden wir mit einer wundervollen Landschaft belohnt. Überall grüne Hügel voller Pferde und Jurten. So langsam stellen wir uns die Frage, was machen die Kirgisen eigentlich mit den vielen Pferden? Schlachten eher weniger, exportieren glaube ich auch nicht und reiten können sie die vielen Pferde auch nicht gleichzeitig, weil gefühlt leben hier mehr Pferde als Menschen. Naja egal, wir werden es wohl nicht mehr erfahren.

Die Hauptstraße entpuppt sich als üble Schlaglochpiste, aber daran sind wir mittlerweile gewöhnt. So etwa drei Kilometer vor der Grenze machen wir noch eine Pinkel- und Zigarettenpause, die drei in dieser kurzen Zeit vorbeikommenden Autos halten alle an, und die Fahrer fragen, ob wir Hilfe benötigen. Glücklicherweise nicht, aber es zeigt wieder einmal, wie freundlich und hilfsbereit die Menschen hier sind!

Der Grenzübergang ist kurz und schmerzlos, Ausreisestempel in Kirgistan, Einreisestempel in Kasachstan, wir waren in einer knappen Stunde durch. Dann ging es weiter zur nächsten Stadt, wo wir Geld tauschen bzw. holen wollten. Leider konnten wir keine Som tauschen, also einen Bankomaten gesucht. Der wollte mir aber partout kein Geld rausrücken, aber die nette Dame von der Bank kam zur Hilfe. Zwar zeigt der Automat die Auswahl von 10.000, 20.000 bis zu 100.000 Tenge an, aber tatsächlich ist die Geldausgabe auf 10.000 Tenge beschränkt.

Aber das reichte uns fürs Tanken und ein Mittagessen. Wobei, das war schon skurril, eigentlich wollten wir beide Kottlett mit Reis, aber sie hatte nur eine Portion, so bekam ich ein Hühnerbein, allerdings muss der Vogel schon ziemlich lange tot gewesen sein, er schmeckte zwar noch, aber sicherheitshalber habe ich dann doch das meiste liegen gelassen.

Dann gings bergab mit der Straße und bergauf mit den Temperaturen. Wir waren die letzte Zeit eher bei 20° unterwegs und nun stieg die Temperatur wieder auf annähernd 40°, wir sind halt wieder in der Halbwüste Kasachstans gelandet. Trotzdem war die Strecke nicht langweilig, es gab ein paar kurvige Stücke zwischen Hügeln hindurch, und einmal passierten wir ein Flusstal, das zum Sharyn Canyon gehörte. Allerdings verzichteten wir auf einen Besuch, uns war einfach zu warm dafür.

Nach 250 km Halbwüste erreichten wir Almaty. Zum Glück kam der meiste Verkehr aus Richtung Stadt, so dass wir gut vorankamen. Doch unser Glück war nicht von Dauer, an ein paar Kreuzungen staute sich der Verkehr und wir mussten uns irgendwie durchschlängeln. Zu unserer Freude funktionierte das auch gut, weil trotz des Chaos alle irgendwie Rücksicht aufeinander nahmen. Ich weiß nicht, wie oft wir fotografiert oder gefilmt worden sind oder nach dem Woher und Wohin gefragt wurden, es war einfach cool, sich so als „Held der Straße“ zu fühlen!

Achja, während dieser Stadtdurchquerung wurde uns verdammt heiß zwischen den Beinen, das hatte ich noch nie erlebt… Gefühlt kurz vor der Kernschmelze! Dann waren wir am Hotel, wo John uns bereits erwartete und wir checkten schnell ein, um dann die heißersehnte Dusche zu genießen. Anschließend ging es per Taxi in Restaurant Admiral, ein etwas maritim angehauchter Laden mit sehr sehenswertem Publikum, sowohl innerhalb des Restaurants als auch auf dem Gehweg flanierend. Die Welt war wieder in Ordnung, gut gegessen, kalte Getränke genossen und für die Augen gab es auch reichlich Futter! So gegen Mitternacht lagen wir dann im Bett und genossen die klimatisierten Zimmer.

Wolle

Wolle

Lebt in der Nähe von Hamburg und liebt das ganz große Abenteuer. War auf seiner modifizierten 650er Xchallenge in der Mongolei und Sibirien. Für die etwas gemächlicheren Touren innerhalb Zentraleuropas zieht er jedoch als Lastesel seine zuverlässige 1200er Ténéré vor.