Roads To Siberia, Tag 31

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Montag, 29. Juni 2015

So gegen halb acht krochen wir aus unseren Zelten. Der Morgen war angenehm warm, auch wenn sich die Sonne noch hinter Wolken versteckte. Das Frühstück bestand aus etwas Wurst mit Brot, dazu Wasser. Also schnell alles zusammengepackt und los gings.

Weiter durch diese wunderschöne Hügellandschaft bei angenehmen Temperaturen. Die Straße war nach wie vor geschottert und leider wieder ziemlich staubig. Ein paar kleinere namenlose Pässe waren zu bewältigen. Auf diesen Pisten lag unsere Geschwindigkeit so um die 50 km/h, sicher ginge es auch schneller, aber wozu?

Am späten Vormittag legten wir einen Halt an einem Magazin ein, um unsere Wasservorräte aufzufrischen, zwei Schokoriegel zu verputzen und ein kaltes Getränk mit Geschmack zu trinken, diesmal so etwas wie Pfirsichbrause. Danach ging es noch ein paar Kilometer die Hauptpiste entlang, bevor wir die Abzweigung zum Issyk-Kol-See nahmen. Wegen drohender dunkler Wolken hielten wir kurz Kriegsrat und entschieden, erst einmal weiter den Pass hoch zu fahren und abzuwarten, ob es regnet oder nicht. Das erwies sich als richtig, weil es bis auf ein paar wenige Tropfen trocken blieb. Der Pass erinnerte etwas an den Col du Tende, war aber deutlich spektakulärer von der Landschaft her und erreichte etwas über 3000 Höhenmeter. Kurz vor der Passhöhe trafen wir einen Franzosen  auf einer F800GS, der bereits seit 2 Monaten unterwegs war, und wie wir, in die Mongolei fahren wollte.

Ein paar nette Worte gewechselt und weiter gings in das Hochtal vom Issyk Kol. Was für eine Aussicht tat sich auf! Der See teilweise in strahlendem Blau, auf der gegenüberliegenden Seite türmten sich Gewitterwolken und überall Herden von Pferden, Kühen und Schafen, dazu berittene Hirten, die über das Vieh wachten. Eigentlich wollten wir hier nur kurz verweilen, doch dann hatte Thom die Idee, dass wir in einem der Ger (Jurten) Camps übernachten. Was wir nach kurzer Beratung dann auch taten. Eigentlich etwas früh, aber ein kurzer Fahrtag hat auch was. Das Camp erwies sich als sehr gepflegt und idyllisch gelegen. Wir haben eine Jurte für uns allein und es tat gut aus den Stiefeln zu kommen. Es gab auch noch Lunch mit herrlicher Blaubeermarmelade, dazu heißen Tee mit Milch, was will man mehr?

Nach dem Lunch habe ich mich hingelegt, während Thom zum Seeufer wollte. Das Ufer war doch weiter weg als gedacht, und dazu wurde der Boden immer morastiger, also keine Chance ans Ufer zu kommen. Ich genoss derweil ein kurzes Nickerchen unter einer hübschen Tigerdecke. Als Thom wieder da war, machten wir ein paar Fotos der Umgebung und genossen einfach die atemberaubende Landschaft.

Dann wurde es Zeit, die Ereignisse der letzten Tage aufzuschreiben. Ich hatte gerade zwei Tage fertig geschrieben als es schon wieder Zeit fürs Dinner war. Holla, schon 19 Uhr! Es gab Kartoffeln und danach eine heiße Suppe, was uns sehr willkommen war, schließlich wurde es doch langsam kühl und es zogen Regenwolken herauf.

So, jetzt noch den heutigen Tag fertigschreiben, und dann ist es auch schon fast Zeit zu Bett zu gehen. Das Camp wird von drei Teenagern betrieben, wovon eine ein recht passables Englisch spricht. Überhaupt sind sie hier alle ausgesprochen nett und fürsorglich uns gegenüber. Einziger Wermutstropfen war ein Rotzlöffel von vielleicht 8 Jahren, der bei der Auffahrt mit Steinen werfen wollte.

Ich bin mal gespannt, wie die Nacht in der Jurte sein wird, eingemummelt in einen Haufen Decken, während draußen der Regen plätschert und der Wind um die Jurte heult. Zumindest auf den ersten Blick machen die aufgebauten Betten einen gemütlichen Eindruck. Morgen früh wollten wir dann so gegen neun Uhr aufbrechen.

Wolle

Wolle

Lebt in der Nähe von Hamburg und liebt das ganz große Abenteuer. War auf seiner modifizierten 650er Xchallenge in der Mongolei und Sibirien. Für die etwas gemächlicheren Touren innerhalb Zentraleuropas zieht er jedoch als Lastesel seine zuverlässige 1200er Ténéré vor.