Roads To Siberia, Tag 28

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Freitag, 26. Juni 2015

Heute haben wir zwei Viertausender-Pässe und den Grenzübergang nach Kirgisistan auf dem Zettel. Doch erst einmal kommt das Frühstück, diesmal mit Andy. Thom hatte am Morgen noch kurz die Gelegenheit, den Uazzik unseres Gastgebers ausgiebig zu inspizieren. Wenn man hier mit dem Auto fahren sollte, so wäre dieser Typ eine gute Wahl.

Anschließend wird gepackt, und ich genieße die trockenen Stiefel. Noch einmal auftanken, schließlich sind gut 400 km abzureißen. Dann geht es los. Wir verlassen Murgab zwar im Sonnenschein, können aber am Horizont bereits das erste dunkle Wolkenfeld erkennen.

Und es gibt eine Überraschung: es ist kein Regen sondern Schnee, auf über 3000 m eigentlich keine wirkliche Überraschung, aber für uns schon. Zum Glück bleibt er nicht auf der Straße liegen! Andererseits, es ist eine Abwechslung zu den Schauern, die natürlich auch nicht ausbleiben. So geht es in wechselndem Wetter weiter zum Ak-Baital-Pass. Erstaunlicherweise können wir diesen Pass bei strahlendem Sonnenschein erklimmen. Direkt hinter der Passhöhe treffen wir auf drei italienische Motorradfahrer. Es gab ein großes Hallo und die üblichen Fragen nach dem Woher und Wohin.

Nach einer Viertelstunde ging es dann weiter. Natürlich wieder im üblichen Wechsel der Witterungsverhältnisse. Nur wurde es kälter, gefühlt im Minusbereich, tatsächlich noch knapp drüber. Irgendwo vor dem Karakul-See machten wir noch eine Pause. Dabei fiel uns auf, dass im Grenzzaun zu China eine Lücke klaffte. Da beschlossen die Jungs kurzerhand, einen kleinen Abstecher nach China zu machen. Einmal kurz über die Grenze, Fotos machen und zurück. Damit haben wir dann auch China auf unserer Liste abgehakt.

Am Karakul-See bekamen wir noch einmal ein tolles Naturschauspiel geboten. Ein großer Teil des Sees lag in strahlendem Sonnenschein, der Rest, leider in unserer Richtung, verschwand unter hell angestrahlten Regenwolken und es waren die Schlieren des Regen deutlich zu sehen. Genau dort mussten wir entlang.

Naja, es ist wie es ist, wie wir Norddeutschen sagen. Die Straße war nach wie vor relativ gut und nach ca. 20 km schraubten wir uns zum zweiten Viertausender hoch. Kurz vor der Passhöhe lag der tadschikische Grenzposten. Was für ein gottverlassener Ort, ein paar Container und Hütten bildeten den größten Teil des Checkpoints, und ansonsten war es ziemlich ungemütlich dort oben. Zunächst ging alles recht fix, doch dann mussten wir noch zum Veterinär, natürlich vergebens, denn wir haben keine Haustiere dabei. Dann galt es noch, eine sogenannte Verkehrsabgabe zu bezahlen, aus unserer Sicht eine halbwegs legale Art, um den Grenzern einen kleinen Nebenverdienst zu ermöglichen. Dann durften wir aufsitzen, um nach 20 m zunächst vom Antidrogenteam weiter geschickt zu werden zur letzten Passkontrolle, die in Sichtweite aller vorherigen Kontrollen stattfand. Während wir unsere Pässe abgaben, fing es zu allem Überdruss auch noch an zu schneien, und zwar richtig. Gefühlt dauerte die letzte Passkontrolle 30 Minuten, und wir hatten alle ein dünne weiße Schicht auf Klamotten und Moppeds. Tatsächlich waren es wohl „nur“ 20 Minuten, bevor wir endlich weiter den Pass hinauf durften Richtung Kirgisistan.

Wobei das allmählich anstrengend wurde, denn durch den Schneefall war es schwierig, die richtige Linie zu finden. Der Boden war gefroren, und die oberste Schicht war am Tauen, und es war nicht einfach, den richtigen Dreh am Gasgriff zu finden, damit wir die Steigung ohne Rutscher schaffen. Soweit so gut, doch dann ging es wieder bergab und es wurde rutschiger, dazu enge Serpentinen, und was im Trockenen kein Problem darstellt, wurde jetzt zu einer leichten Zitterpartie. Glücklicherweise waren alle entsprechend vorsichtig und es ging ohne Zwischenfälle hinunter ins Tal zur kirgisischen Kontrollstelle.

Hier ging es relativ schnell, weil wir keine Visa brauchten und es auch keine große Gepäckkontrolle gab. Also schnell aufgesessen und auf nach Kirgisistan. Zunächst war die Straße recht schlecht, aber nach ein paar Kilometern weiter und gefühlten 1000 Höhenmetern weniger wurde die Straße einigermaßen gut. Nach Sari Tash gabs dann die typische gut ausgebaute Alpenstraße. So macht das Fahren Spaß, auch wenn wir ein paar kleine Regenabschnitte hatten. Und, ganz besonders erwähnenswert, es wurde wärmer! So langsam tauten Füße und Hände auf, was nicht nur an der Strecke lag. Es ging zum Teil durch wunderschöne und vor allem bewaldete Täler, vorbei an jeder Menge Jurten und Pferdeherden. Die Ortschaften wurden häufiger und wirkten nicht so trist wie im Pamir. Kein Wunder, wir waren ja mittlerweile auch unter 2000m. Die Straße schlängelt sich durch herrlich anzusehende Täler. Einmal wurden wir noch nass, doch diesmal ohne zu frieren, mittlerweile hatten wir gut 20°!

Ein letzter Pass von ca. 2500 m und wir erreichten die Randgebiete von Osch. Eine kurze Stadtrundfahrt in folge einer Straßensperrung und schon standen wir so gegen 19:30 vorm Hotel Nuru. Schnell einchecken, duschen, ein kühles Bier und dann wollten wir Essen. Das Hotelrestaurant hatte schon geschlossen, also raus auf die Straße. Irgendwie fanden wir nichts passendes, also ein Taxi nehmen, eigentlich müsste man Mini-Taxi sagen, so klein war das Auto, angehalten und den Fahrer beauftragt uns zu einem Restaurant zu fahren. Es ging ein paar Minuten die Straße entlang und schon waren wir da. Der Fahrer wollte 200 Som haben, eindeutig zu viel, schließlich wurde sich auf 150 Som geeinigt. Das Essen war lecker, das Bier hat geschmeckt und danach ging es wieder per Taxi zum Hotel. Diesmal wurde der Preis vorher ausgehandelt und es wurden 110 Som aufgerufen. Eine letzte Zigarette und kurz vor Mitternacht gings zu Bett.

Wolle

Wolle

Lebt in der Nähe von Hamburg und liebt das ganz große Abenteuer. War auf seiner modifizierten 650er Xchallenge in der Mongolei und Sibirien. Für die etwas gemächlicheren Touren innerhalb Zentraleuropas zieht er jedoch als Lastesel seine zuverlässige 1200er Ténéré vor.