Roads To Siberia, Tag 27

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Donnerstag, 25. Juni 2015

Heute geht es weiter Richtung Kirgisistan. Wegen der Entfernung werden wir die Etappe auf zwei Tage verteilen, also heute nur bis Murgab, wo wir wieder in der selben Lodge übernachten wie vor fünf Tagen.

Wir nehmen John mit einer LC 1200 GS Adventure und Andy mit einer XChallenge ins Schlepptau, weil bei den beiden Engländern die Navis ausgefallen sind und es mangels einer ausreichenden Beschilderung ohne GPS schwierig ist, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Nach dem Frühstück geht’s los. Zunächst geht es langsam aber stetig bergauf, links und rechts des Weges immer wieder kleine Siedlungen, und wie bereits gewohnt, werden wir überall winkend begrüßt, oft sogar von älteren Tadschiken. Dann nähern wir uns der 3000m-Grenze, und es werden immer weniger Ansiedlungen, und leider wird auch das Wetter immer schlechter, gestartet sind wir bei knapp 20° und nun sind es nur noch um die 10° und dazu kommt ein kalter Wind. Die Landschaft ist, wie immer im Pamir, unglaublich beeindruckend und die Wolken, die oft von Sonnenstrahlen durchbrochen werden, tragen das Ihrige bei, dass die Fahrt trotz der Kühle interessant bleibt.

Die Straße ist meist recht gut, doch immer wieder tauchen tiefe Schlaglöcher auf, so dass man sich nicht zu sehr von der Szenerie ablenken lassen darf. Gegen Mittag rasten wir in einem Kaffee, wo wir auf drei Radfahrer treffen, die gerade das Wakhan-Tal hinter sich gebracht haben. Solche sind die eigentlichen Helden der Straße für mich!

Das Essen war relativ gut, es gab für mich Spiegeleier und Würstchen, wahrscheinlich vom Pferd, aber egal, sie waren lecker. Nach dem Essen ging es weiter, immer wieder Schauer, wechselnd mit kurzen sonnigen Abschnitten. So langsam bekamen wir alle kalte Füße. Ich fuhr grade mal an der Spitze, als nach einer kleinen Anhöhe der Scheinwerfer von Johns BMW nicht mehr im Spiegel zu sehen war. Also rechts ran und ein paar Minuten gewartet, hm, kein Scheinwerfer. Umdrehen und gucken, ob was passiert ist! Nach vielleicht 3 km kamen Thom in John in Sicht, sie waren gerade dabei Thoms KTM aufzubocken. Das sieht gewaltig nach Plattfuß aus! Beide waren erleichtert das ich auftauchte, zu Dritt ist das doch deutlich einfacher zu handeln. Ich übernahm quasi die tragende Rolle, sprich hielt die Maschine im Gleichgewicht auf dem Felsbrocken, damit das hintere Rad frei war, um es auszubauen. Nach wenigen Minuten stand der Verursacher fest: ein etwa zehn Zentimeter langes Stück einer Schraubenzieherklinge, welches irgendein Depp auf der Straße hat liegen lassen!

Natürlich fing es während des Wechsels wieder an zu regnen, tolle Wurst! Mehrere chinesische Trucker hielten an, um zu helfen, aber ausnahmsweise waren wir nicht auf Hilfe angewiesen. Allerdings waren wir erfreut, dass wir zum Reifenfüllen auf deren Druckluft zurückgreifen konnten. Einer hatte etwas Mitleid mit mir, wie ich da so, die KTM haltend, im Regen stand und steckte mir eine Zigarette in den Mund. Diese Trucker sind schon was Besonderes! Der Einbau ging dann doch nicht ganz reibungslos vonstatten, Thom vertauschte die Distanzstücke vom Kettenspanner, aber der Fehler war dann ruckzuck behoben, also alles Werkzeug wieder einpacken, und weiter ging es Richtung Murgab, mittlerweile im strömenden Regen. Glücklicherweise waren es nur noch ca. 15 km.

Am Checkpoint vor Murgab gab es dann Dienst nach Vorschrift. Die Wachen ließen sich viel Zeit mit dem Kontrollieren unserer Pässe und dem Eintrag ins Wachbuch. Dann ging die Schranke hoch, und wir durften weiter. Da wir wussten, wo wir übernachten wollen, war der Rest Minutensache. Unser Gastgeber war hocherfreut, uns wieder zu sehen und machte sich sofort daran, heißes Wasser für die Dusche vorzubereiten. Ersteinmal raus aus den nassen Klamotten, und vor allem: die Füße trockenlegen und aufwärmen.

Andy verzog sich sofort ins Bett unter 2 Bettdecken und ward nicht mehr gesehen, so hatte ich das Glück, nicht nur seine Ration heißes Wasser für meine Füße zu bekommen, sondern auch seine Portion Tomatensalat.

Das Abendessen war gut, und so langsam wurde uns wieder warm. Noch ein bisschen den Tag Revue passieren lassen und dann verschwanden wir alle in unseren Betten, jeder mit einer zweiten Decke. In der Nacht wurde es mir dann warm genug, um sie abzustreifen. Unser Wirt war noch so nett und nahm meine Stiefel zum Trocknen mit. In der Tat waren sie am nächsten Morgen trocken

Wolle

Wolle

Lebt in der Nähe von Hamburg und liebt das ganz große Abenteuer. War auf seiner modifizierten 650er Xchallenge in der Mongolei und Sibirien. Für die etwas gemächlicheren Touren innerhalb Zentraleuropas zieht er jedoch als Lastesel seine zuverlässige 1200er Ténéré vor.