Roads To Siberia, Tag 24

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Montag, 22. Juni 2015

Da ich im Haus schlief, bekam ich dann am Morgen etwas vom Alltag der tadschikischen Frauen mit. Für sie ist um vier Uhr Morgens mit dem ersten Tageslicht die Nacht zu Ende. Es wird angefangen damit, den Ofen anzuheizen und dann den Teig für das Fladenbrot anzusetzen. Danach Vorbereitungen für das Frühstück, bestehend aus Chai und den Nudeln vom Vorabend. Gegen sechs Uhr durften dann die Männer aufstehen und sich quasi an den gedeckten Tisch setzen. Irgendwie hatte ich keinen Hunger aber der Chai musste schon sein. Dann noch das übliche Loch im Boden gegraben, und danach ging ich zu Thoms Zelt, um ihn zu wecken, der anscheinend noch am Schlafen war. Ein paar Worte gewechselt und ich ging zurück zum Haus, wo ich mich dann langsam reisefertig machte. Als ich nach dem Bezahlen fragte, druckste die Familie rum, anscheinend hatten sie sich gar keine Gedanken gemacht sondern uns aus reiner Gastfreundschaft aufgenommen. Als ich dann Hundert Sumoni übergab freuten sie sich offensichtlich, und dazu gabs noch einen Sticker und ein Schlüsselband.

Dann war ich fertig und alles aufgerödelt, der Fuß passte auch grade noch so in den Stiefel und ich fuhr zu Thom, der auch fast fertig war. Kurz darauf ging es los, wie gewohnt von gestern die Piste, wieder sehr steinig, holprig und teilweise spektakulär aus dem Felsen geschlagen, teilweise kaum höher als der Fluss, teilweise in schwindelerregender Höhe über dem Fluss.

Glücklicherweise nicht mehr so anspruchsvoll wie gestern, aber immer noch ziemlich heftig, da teilweise Geröll auf der Piste lag und es etliche haarige Passagen gab. Nach knapp zwei Stunden erreichten wir unser ehemaliges Tagesziel. Soviel zu unserem ambitionierten Plan von gestern. Ab hier gab es auch immer mehr Siedlungen, wo uns die Anwohner freudig winkten und es etliche Daumen hoch gab. Einmal noch musste ich mich ablegen, aber das war nicht weiter dramatisch.

Dann kamen wir wieder in ein Dorf, und irgendwie hat sich Thom wohl verfahren, der Weg wurde immer schmaler und endete zum Schluss als schmaler Fußpfad. Und schon standen einige aufgeregte Anwohner um uns herum und fragten sich, was diese verrückten Moppedfahrer mitten im Dorf suchen. Kurze Antwort, wir hatten uns verfahren und mussten umdrehen, was sich als komplexe Aktion entpuppte.

Um zwei Ecken zirkeln, dann mit dem Hinterrad in eine Graben rutschen, gemeinsam mit den Dörflern wieder raus wuchten und dann schiebend mit Motorkraft soweit rollen, dass ich wieder aufsteigen konnte. Was für eine Show, die wir da den Einheimischen geboten haben, sowas passiert dort bestimmt nicht alle Tage!

Bei einem ausrangierten und skelettierten Bagger machten wir eine kurze Pause, und Thom versuchte sich als Bodo der Baggerfahrer. Weiter ging es durch das Tal flussabwärts, immer wieder spektakuläre Landschaften in den unterschiedlichsten Braun- und Rottönen, manchmal etwas Gelb dazwischen und dann das Grün der Ortschaften mit den Feldern und Bäumen. Je mehr wir uns dem Ausgang des Tales näherten, umso dichter die Besiedlung und größer die Häuser und umso besser der Zustand der Piste, sogar breit genug für Lkw wie dem Kamaz, der uns da begegnete.

Dann war plötzlich das Tal zu Ende, und wir waren wieder auf dem Pamir Highway, der uns nach Khorog führte. Wir machten an ein paar Verkaufsständen am Straßenrand Rast, es gab lecker Würstchen im Teigmantel und dazu kalte Cola.Thom flirtete ein bisschen mit einer der Verkäuferinnen, die uns fröhlich nachwinkten, als wir wieder aufbrachen. Nicht weit vor den Toren Khorogs blieb dann Thoms KTM wegen Spritmangels liegen, aber er hatte ja noch den halben Liter Benzin vom Kocher, also fix nachgefüllt und das reichte dann bis zur nächsten Tanke, wo wir beide je fünf Liter nachtankten.

Wir kamen an einem sehr einladend und vielversprechend aussehenden Hotel vorbei, doch leider waren sie ausgebucht, und so mussten wir mit der Pamir-Lodge vorlieb nehmen, was nicht die schlechteste Wahl war. Doch vorher ging es noch in eine Awtomolka, um uns und die Bikes vom schlimmsten Dreck und Staub zu säubern, da kam eine ganz schöne Suppe zusammen. Als wir selbst auch gekärchert werden wollten, war der Wäscher etwas skeptisch aber er tat seinen Job gut.

In der Lodge habe ich mich erst einmal frisch gemacht und dann für eine gute Stunde hingelegt, bevor ich duschen ging und Thom uns mit Essen und Trinken versorgte. Wir sind dann recht früh zu Bett, obwohl für morgen ein Pausentag vorgesehen war. Das Bartang-Tal fordert eben seinen Tribut, bietet dafür aber auch unglaublich viel. Wir sind, glaube ich, ziemlich schnell eingeschlafen, und irgendwie hatten wir sogar das Feierabendbier vergessen.

Wolle

Wolle

Lebt in der Nähe von Hamburg und liebt das ganz große Abenteuer. War auf seiner modifizierten 650er Xchallenge in der Mongolei und Sibirien. Für die etwas gemächlicheren Touren innerhalb Zentraleuropas zieht er jedoch als Lastesel seine zuverlässige 1200er Ténéré vor.