Norwegen-Tour 2013, Tag 6

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Donnerstag, 18. Juli 2013 Sykkylven – Vestre – Tresfjorden – Åndalsnes (ca. 180 km)

Wir lassen es ruhig angehen und stehen erst spät auf. Die gestrigen Strapazen fordern eben ihren Tribut. Beim gemeinsamen Frühstück beschließen wir, unsere künftigen Touren fortan flexibel nach Tageslaune zu planen. Der Blick auf die Wettervorhersage verspricht zunehmende Besserung – was im Vergleich zu gestern aber auch keine besondere Kunst darstellt.

Die Fähre von Sykkylven hinüber nach Magerholm. Das Wetter schaut schlechter aus als es ist – im Vergleich zu gestern.

Wir besinnen uns also auf den ursprünglichen Zweck unserer Reise und beschließen, heute mal bewusst die ersten Fjorde zu nehmen. Und so stecken wir die kommende Tagesetappe entlang des Storfjords, Midfjors, Tresfjords und des Romsdalsfjords ab. Ziel soll die Stadt Åndalsnes sein, in deren Umland wir uns eine Bleibe suchen wollen.

Die Tour beginnt streckentechnisch, womit die gestrige endete: wir müssen auf der selben Fährverbindung wieder zurück nach Magerholm. Für solche Spirenzchen sind die Passagen eigentlich zu kostspielig. Aber was soll’s, abhaken! Eine gescheite Alternative erkennen wir nicht.

Nicht dass ich etwas gegen Fähren hätte. Aber sie dauern eben schon eine Zeit, und wir müssen uns vor Beginn der Überfahrt stets anstellen und warten. Da kommt am Ende des Tages schon was zusammen, wenn man ein paar Fähren hatte. Jedoch die Atmosphäre an Bord dieser quirligen Dinger, sowie die phänomenale Aussicht auf die Berge, die ich von ihnen genießen kann, sind schon etwas Besonderes.

Wir packen also zusammen, rödeln die Kräder auf und legen los. Endlich werden wir später heute auf die Regenklamotten verzichten können, aber noch nicht jetzt. Es bleibt bewölkt und aktuell etwas regnerisch, doch die Niederschlagswahrscheinlichkeit soll bis Mittag auf unter 20% sinken. Da kann man ja schon fast von einer Dürre sprechen, wenn ich so an die letzten Tage zurückdenke.

Regen, Schlamm und Baustellen. Und damit dort ja niemand schneller als die erlaubten 30 km/h fährt, liegen fiese Schwellen auf der Fahrbahn.

Obwohl der festgelegte Streckenverlauf über Vatne, Vestre, Tomra und Tresfjorden wirklich klasse ist, will dennoch keine richtige Fahrfreude aufkommen. Nach wie vor regnet es mal mehr, mal weniger. Entlang der Strecke befinden sich einige Baustellen, ständig liegt irgendwo Dreck auf der Fahrbahn und die Sprechanlage im Helm knistert auch noch herum.

Aber die Eindrücke in diesen etwas kleineren Fjorden geben schonmal einen leckeren Vorgeschmack darauf, was uns wohl in den nächsten Tagen so alles erwarten würde – insbesondere wenn endlich die Sonne rauskommt!

In Vikebukt steigen wir zum Mittagessen vor einem Schnellrestaurant ab, aber keiner der üblichen Verdächtigen. Irgendwas norwegisches. Und wirklich: mit dem Essen auf der Faust, und auf der Bordsteinkante unter dem Vordach kauernd, nehmen wir endlich die lang ersehnte Besserung der Wetterlage wahr. Die blauen Stellen im Himmel dürften zu den grauen zahlenmäßig knapp ausgeglichen haben und der elende Regen verpisst sich. Das ist jetzt der ideale Zeitpunkt, das unbequeme Regenzeug auszuziehen. Schlagartig verändert sich unsere Mimik von lang nach breit.

Als endlich die warme Abensonne herauskommt, sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.

Derart motiviert sind die restlichen 50 Kilometer nach Åndalsnes ein Klacks. Zwar haben wir vor Ort noch unsere liebe Mühe mit dem Finden von Unterkünften, aber schließlich landen wir auf der anderen Seite des Romsdalsfjords einen Treffer: der etwa 10 Kilometer entfernte Korsbakken Camping, beim Flecken Lønsgrova, hat noch genügend Hütten frei. Nur kleine zwar, aber immerhin.

Der Abend gestaltet sich ähnlich wie die vergangenen. Abrödeln, ausziehen und das nasse Zeug zum Trocknen auf die Heizung legen. Mit einem entscheidenden Unterschied: die angenehme Abendsonne wärmt unsere Körper und auch die Gemüter.

Die Suche nach einer Stelle mit ausreichend Handyempfang gestaltet sich manchmal schwierig.

Nobbe und ich beschließen, ins nahe Isfjorden zu fahren, um Fleisch, Fisch, Reis, Nudeln und ein paar weitere Annehmlichkeiten für den Abend zu besorgen. In einem kleinen aber feinen Supermarkt werden wir fündig. An der Kasse wird uns jedoch sehr schnell wieder bewusst, dass schon eine geringe Menge Bier die Rechnungssumme überproportional nach oben treibt. Für ein bisschen Abendessen, ein paar Kleinigkeiten und zwei Sechserpacks Halbliterdosen lassen wir umgerechnet fast 60 Euro in dem Laden liegen. Immerhin ist noch von Gernots Honigmet genügend übrig.

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Links:
Korsbakken Camping

Fritze

Fritze

Seit über 30 Jahren begeisterter Motorradfahrer mit Hang zur Fotografie und Videofilmerei. Als Vielfahrer verwachsen mit seiner BMW R 1200 GS Adventure. Lebt in der Nähe von Lüneburg und pendelt beruflich nach Hannover. ► Equipment: ▸ Motorrad: BMW R 1200 GS Adventure ▸ Action Cams: Drift Ghost-S und Stealth 2 ▸ Kamera: Panasonic Lumix FZ1000 ▸ Sound: Zoom H2n Audiorecorder
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