Norwegen-Tour 2013, Tag 4

Start > Meldungen > Reiseberichte > Norwegen-Tour 2013, Tag 4

Dienstag, 16. Juli 2013 Vikhammer – Orkanger – Skei – Kvisvik (ca. 200 km)

Wenn wir uns beeilen, kommen wir noch im Trockenen aufs Krad. Ich hasse es, bei Regen loszufahren. Wenn es jedoch unterwegs erst anfängt, stört mich das weniger. Vorausgesetzt, ich habe dann schon mein Regenzeug an. Also heißt die heutige Devise: zügig Essen fassen, Bude auf Vordermann bringen, Schlüssel abgeben und schleunigst abrücken. Jetzt geht es nach Westen, endlich in die Fjorde!

Einsatztrupp „Abwasch“ bei der Arbeit: Nobbe und ich erledigen das Geschirr.

Aber zunächst liegen zweihundert nasse Kilometer vor uns. Pünktlich zur Abfahrt beginnt es zu regnen. Erst leicht, dann aber schüttet es zeitweise wie aus Kübeln. Meine kabelgebundene Bähr-Intercomanlage, die ich zur Verständigung mit Christian am Krad installiert habe, zieht offenbar irgendwo Wasser und fängt an zu knistern. Diese blöden Firewire-Stecker taugen einfach nix, das ahnte ich schon damals beim Auspacken. Von wegen wasserdicht. Pah!

Die Fahrt zieht sich enorm hin und wirkt sehr anstrengend auf uns alle. Von außen prasselt der Regen aufs Visier, innen im Helm knistern die Kopfhörer, und langsam kriecht mir das Wasser in den Kragen. Zwar bin ich gut verpackt, aber den obersten Knopf hab ich offen gelassen, sonst sammelt sich durch die elende Schwitzerei innen bald mehr Wasser als außen. Wir machen daher häufiger Pausen als sonst, um uns bei den Tankstellen unter die großen Dächer zu stellen und literweise heißen Kaffee zu schnorren.

Jedoch kommen wir auf diese Weise nicht sehr zügig voran, und die Zeit vergeht. Alles in allem kommen wir vielleicht auf einen Stundenschnitt von gerade mal 40 Kilometern. Und da ist die Mittagspause noch gar nicht mit reingerechnet. Diese wollten wir eigentlich in einem Restaurant verbringen, um mal was anderes als die ewigen 10-Kronen-Würstchen in den Tankstellen zu vertilgen. Aber bei diesem Sauwetter verwerfen wir den am Abend zuvor gefassten Gedanken schließlich. Also doch wieder Hot Dogs und Kaffee für umme. Immerhin sehen die Würstchen in Norwegen nicht so schlimm aus wie in Dänemark. Dort kommt es mir nämlich beim Anblick dieser feuerroten Pölser fast hoch.

Schöne Aussichten in Kvisvik

Völlig abgekämpft kommen wir schließlich in der Gegend um Kanestraum an, wo gleich die Suche nach einem Campingplatz beginnt. Der Regen wurde inzwischen etwas weniger, und ich stufe ihn in Absprache mit den anderen von katastrophal auf heftig herunter. Da ich heute dran bin unsere Gruppe anzuführen, liegt es auch an mir, eine Unterkunft zu finden. Allerdings ziehen wir zunächst eine Niete: Magnillen Camping ist ausgebucht. Aber die freundliche Dame an der Rezeption ist bereit, in der Gegend herumzutelefonieren und für uns eine Hütte zu suchen. Und wir haben tatsächlich Glück, denn Kvisvik Camping hat noch zwei Zweibetthütten für uns frei. In einer davon steht zusätzlich eine Art Couch. Die nehmen wir! Wir würden heute sowieso alles nehmen! Wenn wir nur endlich aus den nassen Klamotten rauskommen. Aber wir nehmen zur Kenntnis, dass die Hüttenpreise hier im Westen merklich anziehen. Unter 30 Euro pro Kopf kommen wir nicht davon. Aber auch das stört uns nicht. Nicht heute.

Terrasse mit Seeblick. In Kvisvik beziehen wir zwei spartanische Hütten.

Die paar Kilometer nach Kvisvik spulen wir auch noch ab und erreichen den dortigen Campingplatz bei endlich nachlassenden Niederschlagsmengen. Der Regen gönnt sich und uns für den Rest des Abends eine spürbare Pause und nieselt nur noch tendenzlos vor sich hin. Wir ziehen indes in unsere Hütten ein und unsere nassen Klamotten aus. Der Komfort unserer schlichten Behausung lässt schwer zu wünschen übrig, Küche und Toilette: Fehlanzeige. Stattdessen befindet sich in der Mitte des Platzes ein Sanitärpavillon, der auch einen Kiosk beherbergt. Aber hey, wir haben ein Dach überm Kopf und unser Zeug trocknet über dem wärmenden Elektro-Ofen. Zum Glück haben wir keinen Brandschutzbeauftragten mit dabei, dem würden sich jetzt bei dem Anblick wahrscheinlich die Fußnägel aufrollen. Jedoch machen sich erste Anzeichen bemerkbar, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war, auch unsere Strümpfe auf die Heizung zu legen. Hoffentlich werden wir morgen früh nicht erstickt sein, denke ich noch so, bevor es mir schwarz vor Augen wird.

—-

Links:
Kvisvik Camping

Fritze

Fritze

Seit über 30 Jahren begeisterter Motorradfahrer mit Hang zur Fotografie und Videofilmerei. Als Vielfahrer verwachsen mit seiner BMW R 1200 GS Adventure. Lebt in der Nähe von Lüneburg und pendelt beruflich nach Hannover. ► Equipment: ▸ Motorrad: BMW R 1200 GS Adventure ▸ Action Cams: Drift Ghost-S und Stealth 2 ▸ Kamera: Panasonic Lumix FZ1000 ▸ Sound: Zoom H2n Audiorecorder
Dieser Beitrag befindet sich in der Kategorie Reiseberichte und wurde mit den Schlagwörtern markiert. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.