Norwegen-Tour 2013, Tag 3

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Montag, 15. Juli 2013 Kvam – Oppdal – Melhus – Trondheim – Vikhammer (ca. 290 km)

In der Nacht hat sich der Himmel weiter zugezogen, aber noch regnet es nicht. Unsere Kräder sind dennoch pitschnass vom Morgentau. Wir reinigen die Hütte und packen die Sachen auf die Maschinen. Dann geht es runter ins nahe Kvam, uns knurren die Mägen und wir wollen frühstücken. Aber vorher gilt es noch, auf der kurvigen und stark abfallenden Schotterpiste den Mitgliedern einer größeren Schafherde gekonnt auszuweichen. Überhaupt werden wir in den kommenden Tagen noch öfter erfahren, dass in Norwegen das Aufkommen von vierbeinigen Verkehrsteilnehmern wesentlich häufiger stattfindet als in Deutschland. Entsprechende Beschilderungen dürfen daher durchaus ernstgenommen werden.

Nobbe und Tina freuen sich beim Frühstück in Kvam über den kostenlosen Kaffee.

Die ersten Schikanen des Tages gemeistert, erreichen wir so die Tanke in Kvam. Wir bewaffnen uns mit unseren Spezialtassen und entern selbstbewusst den Laden. Nun würde sich zeigen, ob an dieser Geschichte tatsächlich etwas dran ist: überall kostenlos Kaffee und Kakao zapfen, so viel man will. Zugegeben: sofern man in diesem Zusammenhang überall mit alle Statoil-Tankstellen gleichsetzt. Zaghaft versucht es jedenfalls Nobbe als erster, stellt seinen Pott unter den Hahn, füllt ihn randvoll und geht damit wortlos hinaus. Keine Reaktion des Tankwartes. Noch nicht einmal ein schräger Blick. Er muss uns doch bemerkt haben? Hm… scheint also tatsächlich zu klappen.

Als Touristen getarnt, fertigen wir von uns gegenseitig Erinnerungsfotos in der Trondheimer Altstadt an.

Einer nach dem anderen bedienen wir restlichen vier uns an dem kombinierten Kaffee-Kakao-Automaten – im Augenwinkel stets den Tankwart – und folgen Nobbe hinaus, der dort inzwischen schon an einer der Sitzgruppen Platz genommen und den Inhalt unserer Frühstückstasche auf dem Tisch ausgebreitet hat. Solche Sitzgruppen sind mir übrigens an nahezu jeder Tankstelle in Norwegen aufgefallen. Nur waren wir scheinbar jedesmal die einzigen, die von dem freundlichen Angebot Gebrauch machten. Jedenfalls gingen wir alle im Folgenden noch so weitere drei-, viermal hinein, um unsere Tassen wieder aufzufüllen. Einfach herrlich, heißer Kaffee und Kakao für lau!

Derart gestärkt haben wir schließlich unser Zeug verstaut und machen uns auf den Weg, weiter nach Norden. Unsere Reise führt uns über Dombås, Oppdal und Melhus nach Trondheim. Landschaftlich hat diese Gegend auch schon etwas zu bieten, aber wir haben kein Auge dafür und wollen nur zügig vorankommen. Nicht zuletzt, weil die Wolken immer dichter werden. Also den inneren Tempomat auf 90 gestellt und los.

Während sich am Abend nochmal ganz kurz die Sonne zeigt, laden Gernot und Christian vor unsererm Blockhaus die Kräder ab.

Am Nachmittag erreichen wir Trondheim, dort wollen wir uns erstmal umsehen und neue Vorräte besorgen. Außerdem müssen wir uns nach einer geeigneten Übernachtungsmöglichkeit erkundigen. Bei einer der obligatorischen Tassen Kaffee rät man uns in einer Tanke zum Campingplatz in Vikhammer, ein paar Kilometer östlich von Trondheim. Direkt am Wasser gelegen, nicht zu verfehlen.

Tatsächlich bekommen wir beim besagten Campingplatz eine geräumige Sechsbetthütte für verhältnismäßig schmales Geld. Küche, Dusche und WC: alles vorhanden. Prima! Die imposanten Motorräder werden repräsentativ vor dem Blockhaus platziert und abgeladen. Der Tag war lang, unsere Bäuche sind leer, und bald wollen wir essen.

Am südlichen Ufer des Tronheimfjords bietet sich der Anblick von Kvithammer, Frosta und der Insel Tautra.

Die beiden Einsatztrupps „Kochen“ und „Geschirr/Besteck“ werden ernannt, und in Windeseile sitzen wir zusammen am Tisch und genießen unsere Spaghetti. Dazu gibt es norwegisches Flaschenbier, welches in Anbetracht des grotesken Preises eher andächtig angeschaut als getrunken wird. Hier in Norwegen dürfte Bier wohl schon beinahe als Wertsache gelten.

Nach unserem opulenten Mahl wollen wir die einzigen Sonnenstrahlen des gesamten Tages genießen und uns in Richtung Strand die Beine vertreten. Laut Wetterbericht soll es morgen erstmal vorbei sein mit Sonne. Am Trondheimfjord bietet sich uns aber ein phänomenales Panorama, als die gegenüberliegenden Berge vor dem Hintergrund der herannahenden schwarzen Regenwolken in strahlendes Goldgelb getaucht sind.

Die Abendsonne taucht die Hügel am Trondheimfjord in strahlendes Goldgelb, während von hinten dicke schwarze Wolken aufziehen.

Als wir uns kurz vor 23 Uhr in unsere Schlafsäcke verkrümeln, stelle ich erstaunt fest, dass es draußen noch hell genug zum Zeitunglesen wäre. Trondheim liegt eben doch schon ganz schön weit nördlich, und wir befinden uns hier am entferntest gelegenen Punkt von zu Hause. Luftlinie immerhin über 1100 Kilometer bis Lüneburg, das sind fast zehn Breitengrade. Kein Wunder, dass es hier abends im Sommer deutlich länger hell bleibt als drunten in der Heimat.

Die Fenster unserer Hütte haben keine Läden, und die Vorhänge sind eher Gardinen. Für eine Weile beobachte ich im Liegen noch das Treiben draußen auf dem Platz, aber irgendwann geht die Sonne dann schließlich doch unter, und ich schlafe ein. Aus dem Nebenraum schallen inzwischen deutlich zu vernehmende Schlafgeräusche herüber, währenddessen draußen Wind aufkommt. Morgen werden wir mit Sicherheit nass.

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Links:
Vikhammer Motell & Camping

Fritze

Fritze

Seit über 30 Jahren begeisterter Motorradfahrer mit Hang zur Fotografie und Videofilmerei. Als Vielfahrer verwachsen mit seiner BMW R 1200 GS Adventure. Lebt in der Nähe von Lüneburg und pendelt beruflich nach Hannover. ► Equipment: ▸ Motorrad: BMW R 1200 GS Adventure ▸ Action Cams: Drift Ghost-S und Stealth 2 ▸ Kamera: Panasonic Lumix FZ1000 ▸ Sound: Zoom H2n Audiorecorder
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