Norwegen-Tour 2013, Tag 2

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Sonntag, 14. Juli 2013 Oslo – Hamar – Lillehammer – Kvam (ca. 170 km)

In den Morgenstunden gleitet unser Schiff auf der spiegelglatten See lautlos in den Oslofjord hinein. Noch in den Kojen liegend, kleben wir mit unseren Nasen neugierig am Bullauge der Kabine und beobachten gespannt die Passage, vorbei am felsigen Ufer und den entgegenkommenden Booten an steuerbord querab. So sieht also dieses Norwegen aus. Aha. Noch ist aber genügend Zeit, das Schiff liegt voll im Plan und wird erst in drei Stunden sein endgültiges Ziel erreichen. Wir machen uns fertig und gehen erstmal ausgiebig frühstücken. Auch hier beim Buffet alles vom Feinsten!

Erst als die meisten Autos das Schiff verlassen haben, sind die Zweiräder an der Reihe.

Oslo empfängt uns mit Sonnenschein und blauem Himmel, bei angenehmen 18° im Schatten. Ideales Motorradwetter! Als der Dampfer am Kai festmacht, waren wir schon längst bei den Krädern, haben die Verzurrung gelöst und das Gepäck verstaut. Wir wären dann soweit!

Doch wer das Schiff zuerst betritt, verlässt es leider als letzter – und so müssen wir auf unserem oberen Deck zunächst warten, bis unten alle von Bord sind. Aber irgendwann sind dann schließlich wir auch an der Reihe, und wir befahren endlich norwegischen Boden.

Vorbei an unserem Schiff verlassen wir den Hafen in Oslo.

Jedoch bevor es auf die Strecke geht, sind im Hafen erst noch ein paar Formalitäten zu erledigen. Norwegen ist zwar kein Mitglied der EU, jedoch gilt hier das Schengen-Abkommen, sodass uns als EU-Bürger wenigstens langwierige Passkontrollen erspart bleiben. Schließlich verlassen wir irgendwann den Hafen und bahnen uns den Weg durch die Großstadt. Unser Plan ist, einigermaßen zügig nach Trondheim durchzukommen, um uns dann in den Fjorden etwas mehr Zeit lassen zu können. Also geht es auf die Autobahn E6, in Richtung Nordwesten, zum Mjøsa-See.

Ihren Autobahncharakter verliert die E6 jedoch schon alsbald und verläuft weiter als eine Straße, die wir bei uns etwa als gut ausgebaute Bundesstraße bezeichnen würden. Dies hindert die Norweger jedoch nicht, selbst für derart getarnte „Autobahnen“ Maut zu kassieren – welche jedoch glücklicherweise nicht von Motorradfahren eingetrieben wird.

Wer so einen strahlend-weißen Kasten übersieht, der sollte besser zu Fuß gehen.

Aber zunächst müssen wir unbedingt bei der ersten Tankstelle außerhalb Oslos anhalten. Nicht zum Spritfassen, sondern um uns für umgerechnet 12 Euro pro Kopf mit den sagenumwobenen Statoil-Kaffeetassen auszustatten, die uns landesweit fürderhin kostenlos heiße Getränke bescheren sollen. Im Laufe unserer Reise wird sich das noch echt rechnen!

Im Hinterkopf haben wir die drakonischen Strafen für Übertretungen von Geschwindigkeitsbeschränkungen, aber schnell stellen wir fest, dass sich selbst die einheimischen Kraftfahrer kaum an das Limit von außerorts 80 km/h halten und stattdessen im Schnitt so mit navi-90 unterwegs sind. Also streifen wir unsere Furcht ab und fließen locker im Landtraßenverkehr mit. Außerdem nehmen wir wohlwollend zur Kenntnis, dass die Messanlagen zwar sehr häufig anzutreffen aber strahlend weiß angestrichen und schon aus der Ferne deutlich zu erkennen sind. So ein auffallendes Farbkleid würde in Deutschland wohl keinem der Verantwortlichen im Traum einfallen.

Abseits der E6 umfahren wir Hamar größräumig auf Schotterpisten.

Nach einiger Zeit wird es uns auf der Landstraße zu langweilig und wir unternehmen in Höhe Hamar einen Abstecher auf die Seitenstraßen – auch weil der Verkehr auf der E6 immer dichter wird. Jedoch wird uns schnell klar, dass Seitenstraßen in Norwegen häufig gleichbedeutend mit Schotterstrecken sind. Dies gilt es fortan bei der Routenplanung mittels Navi zu bedenken. Aber hey, wir fahren fette Reiseenduros, also los!

Großzügig bepackt und mit Sozius (außer Nobbe) bewegen wir unsere überladenen Kräder behende über die Pisten. Und schließlich müssen wir sowieso mal rechts ran zum Pipimachen. Nach weiteren Kilometern kommen wir am nördlichen Zipfel des Mjøsa-Sees nach Lillehammer. Diese Stadt dürfte seit den Olympischen Winterspielen 1994 wohl hinlänglich bekannt sein. Schon von weitem zeichnen sich die Skisprungschanzen und Abfahrtspisten in den umliegenden, jedoch grünen Hügeln ab. Das alles schaut etwas merkwürdig aus, jetzt wo kein Schnee liegt. Aber wir sind nicht zum Skifahren hier und halten uns mit der Ortschaft nicht weiter auf.

Schließlich erreichen wir am späten Nachmitag unser erstes Etappenziel: Kvam. Hier wollen wir uns jetzt auf die Suche nach einem Campingplatz machen, der uns ein passendes Blockhaus für die Nacht vermietet. In Norwegen nennt man solche Hytter. Etwas abseits der Straße, in der Nähe des Årvillingen-Sees, werden wir schließlich fündig. Beim dortigen Bjørgebu-Campingplatz überlässt man uns eine geräumige Holzhütte mit sechs Betten, Küche, Dusche und WC. Alles da, was wir brauchen. Der Preis pro Kopf liegt bei etwa 20 Euro.

Unsere Unterkunft für die erste Nacht in Norwegen: Hytter auf einem Campingplatz bei Kvam.

Obwohl wir erst knapp 170 Kilometer hinter uns gebracht haben, sind alle froh und freuen sich auf das nahe Abendessen. Wir kochen uns Nudeln mit Tomatensoße und gehen anschließend noch ein paar Schritte spazieren. Noch meint es das Wetter gut mit uns, denn es zieht sich langsam zu. Wir kehren zurück zur Hütte und bauen unsere Betten. Es besteht zwar die Möglichkeit, Bettdecken und Laken zu mieten, aber die brauchen wir nicht. Wir schlafen in unseren Schlafsäcken auf den Betten.

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Links:
Bjørgebu hytter og Caravan

 

Fritze

Fritze

Seit über 30 Jahren begeisterter Motorradfahrer mit Hang zur Fotografie und Videofilmerei. Als Vielfahrer verwachsen mit seiner BMW R 1200 GS Adventure. Lebt in der Nähe von Lüneburg und pendelt beruflich nach Hannover. ► Equipment: ▸ Motorrad: BMW R 1200 GS Adventure ▸ Action Cams: Drift Ghost-S und Stealth 2 ▸ Kamera: Panasonic Lumix FZ1000 ▸ Sound: Zoom H2n Audiorecorder