Norwegen-Tour 2013, Tag 14

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Freitag, 26. Juli 2013 Kristiansand – Hirtshals – Aalborg – Randers – Kolind – Aarhus (ca. 400 km)

Heute ist unser letzter Tag in Norwegen, um halb 2 wird uns die Fähre nach Dänemark bringen. Bis dahin haben wir nach dem Aufstehen noch genügend Zeit und bereiten in der Gemeinschaftsküche unserer Behausung ein umfangreiches Frühstück zu. Der Speisesaal in der oberen Etage hat eine Veranda, wo jetzt wunderbar die Sonne hinscheint, und wir uns an einen der Tische setzen. Wir denken an die wunderbaren Tage der zurückliegenden knapp 2 Wochen, und es wird klar, dass uns schon nächsten Montag der nüchterne Alltag wieder haben wird. Aber das schöne Wetter hier in Norwegen scheint sich fürs Erste sowieso erledigt zu haben. Es ziehen langsam Wolken auf und die Temperaturen sollen laut Vorhersage auf 20 Grad sinken. Also wenn das so ist, dass hier fast schon ein Wintereinbruch kurz bevorsteht, dann können wir auch getrost abreisen.

Wir fahren über die Autobahnbrücke hinein nach Kristiansand. Links hinten: der Hafen. Irgendwo dort wartet unsere Fähre.

Gernot und ich hatten in Jørpeland noch vereinbart, ab 12 Uhr in Kristiansand mit unseren PMR-Funkgeräten auf Kanal 2 eine Kontaktaufnahme zu versuchen, um uns am Hafen besser wiederzufinden. Also schalte ich mein Gerät ein und rufe ihn mehrmals – aber das Funkgerät bleibt stumm. Wahrscheinlich bin ich zu weit weg, obwohl die knapp 5 Kilometer Luftlinie hinüber übers Wasser eigentlich zu schaffen sein sollten. Jedenfalls geben wir die Schlüssel ab, steigen auf unsere startklaren Maschinen und verlassen den Ort in Richtung Hafen.

Unsere Reisegruppe ist wieder vollzählig: Gernot und Tina berichten von ihren Erlebnissen.

Dort angekommen, erwarten die beiden uns bereits. Sie folgen Nobbe und mir auf dem Kradstreifen nach vorn zur Fähre, vorbei an den in einer langen Schlange stehenden PKW und Wohnmobilen. Dort vorn müssen wir dann aber auch noch ein paar Minuten warten und steigen während dieser Zeit ab. Das Schiff ist noch nicht klar, von uns geentert zu werden. Gernot und Tina berichten derweil von ihren Erlebnissen.

Schließlich werden wir Motorradfahrer vom Personal zum Einfahren aufgefordert und in eine der hinteren Ecken dirigiert, wo sich unter einer sehr niedrigen Decke die vorgesehenen Plätze für Kräder befinden. Dort stellen wir unsere Maschinen auf den Seitenständern hin und vergurten sie nach der Anleitung der Männer. Anschließend gehen wir nach oben, nur mit unseren Jacken und Wasserflaschen bewaffnet, während unsere Helme und das verzurrte Gepäck auf den Koffern zurückbleiben.

Auf der Fähre: meine festgegurtete Maschine.

Auf dem Weg vom Fahrzeugdeck hinauf sind einige sehr schmale Aufgänge zu bewältigen, und die vielen Menschen scheinen sich gegenseitig im Weg zu stehen. Schließlich erreichen wir die Passagierdecks, wo hunderte von lederbezogenen bequemen Sesseln auf uns warten. Wir wollen auf das obere der beiden verfügbaren Decks und kommen bei der breiten Verbindungstreppe an einer Stewardess vorbei, die uns nach unseren Tickets fragt. Nobbe, der auf halber Höhe der Stufen schon an ihr vorbei war, dreht sich zu ihr um, steckt sich seine Trinkflasche zwischen die Oberschenkel, um beide Hände für das Herausholen des Tickets freizuhaben. Dabei klemmt er die Flasche zu fest ein und – schwupps: ein satter Strahl nässt die Dame von oben bis unten ein! Ein Bild für die Götter. Alle Beteiligten nehmen den Vorfall mit Humor, und außerdem ist uns ja eh‘ nix peinlich.

Mit diesem Blick auf den Hafen von Kristiansand verlassen wir Norwegen.

Oben suchen wir uns ein paar schöne Plätze und warten darauf, dass der futuristisch wirkende Fjordline-Express ablegt. Pünktlich um 13.30 Uhr starten die vier Ruston-Diesel, und zwei gewaltige schwarze Abgaswolken verlassen die überdimensionalen Auspuffrohre nach achteraus. Dann bewegt sich der Katamaran aus dem Hafenbecken hinaus auf die dunkelblaue See, wo es nach kurzer Zeit heißt: „Kurs eins-eins-drei Grad, alle Maschinen AK voraus!“

Ein Mordsspektakel: die Wasserstrahldüsen der Fjord Cat bei der Arbeit.

Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn die Fjord Cat beschleunigt jetzt auf schier unglaubliche 48 Knoten, das entspricht etwa  88 Kilometern in der Stunde. Wir fahren auf einem der schnellsten planmäßig verkehrenden Wasserfahrzeuge der Welt!  Wenn nicht sogar dem schnellsten. Gernot und ich beobachten auf dem hinteren Aussichtsdeck wie gebannt das Kielwasser. Was für ein kollossales Schauspiel sich hier einem bietet! Die enormen Mengen an Wasser, die von den Pumpjetantrieben nach hinten ausgestoßen werden und das Schiff mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit über das Skagerrak peitschen, lassen keinen technisch Interessierten unbeeindruckt. Schon nach gut 2 Stunden Fahrzeit sind die rund 135 Kilometer geschafft.

Anlegestelle Hirtshals.

Dänemark empfängt uns bei etwas diesigen 20 Grad, die Wolken aus Südwest werden zusehends mehr. Unser Schiff läuft über achtern in den kleinen Hafen von Hirtshals ein und macht dort an der Fahrzeugrampe fest. Wie schon in Oslo, muss zunächst abgewartet werden, bis alle PKW von Bord sind, bevor auch wir schließlich ausfahren dürfen.

Ich stelle Kolind als Ziel in meinem Navi ein, wie uns in Møvik geraten wurde, und wir folgen auf direkter und schnellster Route Yannicks Ansagen. Über die Straßen E39 und E45 kommen wir nach knapp 200 Kilometern Fahrt und rund 2 Stunden später im gewünschten Zielgebiet an. Dort klappern wir das ganze Dorf ab, fragen in Tankstellen, fahren sogar in der umliegenden Umgebung herum. Aber wir entdecken nichts, was auch nur den entferntesten Hinweis auf ein Biker-Hotel geben könnte. Enttäuscht rücken wir ab in Richtung Aarhus, wo wir uns ersatzweise nach einer Unterkunft umsehen wollen.

Nicht eben geräumig: Vierbetthütte in Aarhus.

Inzwischen hat sich der Himmel komplett zugezogen, und die Temperaturen sind merklich im Keller. Es fängt schon leicht an zu Tröpfeln, als wir uns an der Küste bei Skåde Bakker im Blommehaven Camping eine schlichte Holzhütte mit vier Betten und einem Sofa mieten. Noch rechtzeitig vor Beginn des Regens bekommen wir unsere Sachen abgeladen und beziehen die schmale Bleibe. Dänen scheinen wesentlich kleiner zu sein als Norweger. Aber wir sind dennoch dankbar, bei dem jetzt einsetzenden Wetter ein festes Dach über dem Kopf zu haben.

Letzte Nacht einer tollen Reise: Campingplatz bei Aarhus.

Spät am Abend hört der Regen plötzlich wieder auf, und am Himmel sind Mond und Sterne sehen. Wir kochen uns eine große Kanne Tee und setzen uns nochmal raus auf die außerst knapp bemessene Terrasse, wo wir die Erlebnisse der vergangen drei Tage austauschen.

 

 

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Links:
Deutsche Webseite der Fjordline
DCU-Camping Blommehaven

Fritze

Fritze

Seit über 30 Jahren begeisterter Motorradfahrer mit Hang zur Fotografie und Videofilmerei. Als Vielfahrer verwachsen mit seiner BMW R 1200 GS Adventure. Lebt in der Nähe von Lüneburg und pendelt beruflich nach Hannover. ► Equipment: ▸ Motorrad: BMW R 1200 GS Adventure ▸ Action Cams: Drift Ghost-S und Stealth 2 ▸ Kamera: Panasonic Lumix FZ1000 ▸ Sound: Zoom H2n Audiorecorder