Spezial: Mit Hasi durch Lüneburg

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MVS4: Vanessa aus Delmenhorst ist Hasenmami, und sie wünschte sich für ihren kleinen Hasi, dass er etwas von der großen, weiten Welt erlebt. Daher steckte sie Hasi in ein Paket und schickte ihn im Herbst 2015 auf die Reise. Nach mehreren Stationen bei verschiedenen Hasenpatinnen und -paten landete Hasi jetzt bei Fritze, und er zeigt ihm seine Stadt, Lüneburg. Wenn auch Du wissen willst, was es in Lüneburg zu entdecken gibt, dann solltest Du dieses Video nicht verpassen!

Lüneburg ist eine niedersächsische Mittelstadt und liegt etwa 50 Kilometer südöstlich von Hamburg, direkt an der Autobahn A39, dem Elbe-Seitenkanal und der Eisenbahnstrecke Hamburg-Hannover. Stadt und Region sind damit hervorragend an alle Arten von Verkehrswegen zu Lande und zu Wasser angebunden. Zusammen mit den Bewohnern der umliegenden Gebiete leben im Lüneburger Ballungsraum über 120.000 Menschen.

St. Johannis

Bereits aus der Ferne erkennt man den auffällig schiefen Turm der Johanniskirche. Sie ist die älteste der drei großen Stadtkirchen und gilt als bedeutende Vertreterin norddeutscher Backsteingotik. Die fünfschiffige Hallenkirche wurde zwischen 1289 und 1470 errichtet. Der Kirchturm ist mit einer Höhe von 108,7 Metern der zweithöchste Niedersachsens und er nimmt auf der Liste höchster deutscher Sakralbauten immerhin Platz 17 ein. Sein Dachstuhl ist im oberen Bereich korkenzieherförmig verdreht. Die Turmspitze ragt nach Westen hin 2,20 Meter aus dem Lot.

Noch heute erzählt man sich in Lüneburg die Legende von dem Kirchbaumeister, der den schiefen Turm errichtete: Nachdem er sah, was er angerichtet hatte, stieg er die Treppen zum Kirchturm hoch und stürzte sich voller Scham durch ein Fenster in die Tiefe. Allerdings fuhr in dem Moment gerade ein Heuwagen vorbei. Der Baumeister landete weich und überlebte den Sturz. So dachte er sich: „Wenn ich nach diesem Sprung noch lebe, dann muss es Gottes Wille sein, dass der Turm so schief ist.“ Mit dieser Erkenntnis feierte er das Ereignis, betrank sich in einer Kneipe, fiel dort von der Bank und brach sich das Genick.

Und Kneipen gibt es in Lüneburg mehr als genug: mit über 300 Gaststättenkonzessionen auf knapp 75.000 Einwohner hat Lüneburg die höchste Kneipendichte Deutschlands und steht europaweit nach Madrid auf Platz 2.

Historische Altstadt und Stintmarkt

Der Stintmarkt hat seinen Namen von dem kleinen, heringsartigen Fisch, der besonders im Mittelalter sehr beliebt war und seitdem hier gehandelt wurde.  Die überdurchschnittlich hohe Kneipendichte Lüneburgs hat an diesem Ort ihr Epizentrum: in den warmen Sommermonaten drängen sich hier, Abend für Abend, tausende Besucher und Einheimische. Man sitzt auf den Stufen am alten Hafenbecken, genießt sein Bier und die Aussicht auf den berühmten Alten Kran. Hier wurde seit dem Mittelalter das Weiße Gold, wie man Salz damals nannte, auf die im Hafen liegenden Schiffe verladen und auf seine Reise nach ganz Nordeuropa geschickt.

Lüneburg und das Salz

Eine berühmte Legende handelt von dem schneeweißen Wildschwein, das vor über 1000 Jahren ein paar Jägern über den Weg lief. Die Jäger erlegten das Tier und folgten seiner Spur zurück bis zu einer Salzquelle, wo es sich zuvor gesuhlt hatte. Ein riesiger unterirdischer Salzstock war entdeckt! Dieser bedeutende Fund begründete Reichtum für die kommenden Jahrhunderte sowie Lüneburgs frühen Status als Hansestadt. Speisesalz war im Mittelalter äußerst wertvoll und neben dem Dörren das einzige bekannte Mittel zum Konservieren von Lebensmitteln. Die Bürger der Stadt ehrten die Salzsau, der sie ihren Wohlstand verdankten. Bis heute wird ein Schulterknochen des Tiers im Lüneburger Rathaus aufbewahrt und kann dort besichtigt werden.

Hinterm Lambertiplatz, einigermaßen versteckt und heute durch einen Supermarkt „getarnt“, befindet sich die ehemalige Saline Lüneburg, in welcher man bis 1980 Salz gewann und verarbeitete. Sie wurde nach ihrer Stilllegung zum Deutschen Salzmuseum. Dort wird die Geschichte dieser Saline als ältestem und einstmals größtem Industriebetrieb Mitteleuropas dargestellt.

Eine Besonderheit stellt das historische Viertel zwischen der Saline und dem Kalkberg dar. Die Häuser jenes Bereiches stehen über dem Salzstock, der vom Grundwasser abgelaugt wird. Dadurch senkt sich die Erdoberfläche über dem Salzstock allmählich, und es entstand das so genannte „Senkungsgebiet“. Häuser und Kirchen am Rande dieses Gebietes verloren ihre Stabilität und mussten abgerissen werden, wie etwa die Marienkirche 1818 und die Lambertikirche 1861. Die Senkung war einer der Gründe für die Schließung der Saline vor rund 40 Jahren.

Lüneburger Heide

Ebenfalls harnäckig hält sich die Legende von der Entstehung der Lüneburger Heide. Demnach soll das ehemalige Waldgebiet der heutigen Heidelandschaft deshalb gerodet worden sein, um den enormen Bedarf an Holz für die Salzbergwerke und den Betrieb der Saline decken zu können. Allerdings sprechen einige Tatsachen dagegen, denn erstens würde das Gebiet der Lüneburger Heide mit rund 7500 km² viel zu viel Holz für eine einzelne Saline bieten, und zweitens hatte man das Gebiet bereits seit der Bronzezeit großflächig genutzt, gerodet und beweidet.

Leuphana

Lüneburgs Universität trägt den Namen einer Ortschaft an der Elbe, welche bereits im Jahre 150 in Ptolemäus‘ Atlas Geographia eingezeichnet war. Lange Zeit gingen Historiker davon aus, dass es sich dabei um Lüneburg handeln müsste. Neuere Untersuchungen und bedeutende Bodenfunde belegen aber, dass es sich beim historischen Leufana eher um das heutige Hitzacker handeln dürfte.

Jedoch hat Lüneburgs Universität weniger deshalb Schlagzeilen gemacht, sondern eher wegen eines Neubaus des Auditorium Maximus (Größter Hörsaal, kurz: Audimax), welches vom Stararchitekten Daniel Libeskind entworfen wurde. Über die Ästhetik des Gebäudes streiten Lüneburgs Bürger trefflich, und auch die ursprünglich projektierten Gesamtkosten haben sich mit rund 105 mio Euro nahezu verdoppelt. Jedoch, Aussehen hin oder her, völlig unstrittig dürfte sich Lüneburg durch das neue Audimax als niedersächsischer Universitätsstandort endgültig etabliert haben und die ständigen Diskussionen vor dem leidigen Hintergrund permanent leerer Landeskassen damit endlich vom Tisch sein. Und allemal dürfte es sinnvoller sein, das viele Geld in Bildungseinrichtungen zu investieren, anstatt in Militäranlagen.

Garnisonsstadt Lüneburg

Seit dem 19. Jahrhundert ist Militär in Lüneburg stationiert, Tendenz abnehmend. Um so bemerkenswerter ist die Tatsache, dass Lüneburg während des Zweiten Welkrieges weitgehend verschont wurde und sein historischer Stadkern erhalten geblieben ist. Nach der Schließung von Scharnhorst-Kaserne (1993) und Schlieffen-Kaserne (2002) ist lediglich die Theodor-Körner-Kaserne (der vormalige Luftwaffen-Fliegerhorst, Deckname „Kyffhäuser“) heute noch in Betrieb. Der Flugplatz wird heute nur noch für Sportflugzwecke genutzt. Die ehemalige Stadtkaserne an der Bockelmannstraße beherbergt nach dem Abzug der Grenzschutzabteilung Nord (1996) heute lediglich eine Hundertschaft der Niedersächsischen Bereitschaftspolizei.

Schiffshebewerk Lüneburg

Das 1976 als weltgrößtes Doppelsenkrechthebewerk fertiggestellte Schiffshebewerk, bildet mit einer Fallhöhe von 38 Metern eine der beiden Kanalstufen des Elbe-Seiten-Kanals. Er verbindet die Elbe bei Geesthacht mit dem Mittellandkanal bei Wolfsburg. Obwohl das Bauwerk offiziell den Namen „Schiffshebewerk Lüneburg“ trägt, heißt es im Volksmund „Schiffshebewerk Scharnebeck“, und genau so ist es im Umkreis auch ausgeschildert.

Es handelt sich hier um ein Doppel-Schiffshebewerk mit zwei voneinander unabhängigen Trögen. Jeder Trog misst 105 m in der Länge und 12 m in der Breite. Wegen der Schutzvorrichtungen gegen Stöße an den Trogtoren ist die nutzbare Länge jedoch auf 100 m beschränkt. Damit ist die Troglänge für so genannte Europaschiffe mit 85 m Länge und 9,5 m Breite ausreichend.

Technisch Interessierten ist das Schiffshebewerk längst ein Begriff, und es machte das moderne Lüneburg über seine regionalen Grenzen hinweg bekannt. Ein Besuch des Museums sowie eine Fahrt mit dem Ausflugsschiff, einmal hoch und wieder runter, ist immer eine Reise dorthin wert.

Wasserturm Lüneburg

Zwischen 1905 und 1907 entstand der im Neugotischen Stil errichtete Wasserturm. Er ist mit 56 Metern das höchste nichtkirchliche Bauwerk Lüneburgs und dient heute als sehr beliebte Aussichtsplattform, die einen atemberaubenden Blick auf die Altstadt und das Lüneburger Umland bietet. Bei entsprechendem Wetter kann man von der obersten Ebene sogar die hohen Kirchtürme Hamburgs erkennen.

Während der Adventszeit wird der Turm regelmäßig mit Kranz und senkrecht nach oben strahlenden Leuchten bestückt und wird damit zum höchsten Adventskranz Deutschlands.

Fritze

Fritze

Seit über 30 Jahren begeisterter Motorradfahrer mit Hang zur Fotografie und Videofilmerei. Als Vielfahrer verwachsen mit seiner BMW R 1200 GS Adventure. Lebt in der Nähe von Lüneburg und pendelt beruflich nach Hannover. ► Equipment: ▸ Motorrad: BMW R 1200 GS Adventure ▸ Action Cams: Drift Ghost-S und Stealth 2 ▸ Kamera: Panasonic Lumix FZ1000 ▸ Sound: Zoom H2n Audiorecorder